Ski-WM St. Moritz

Diese Menschen stehen hinter dem Triumph von Abfahrts-Weltmeister Beat Feuz

Der Siegeskuss: Katrin Triendl und Weltmeister Beat Feuz. Daneben strahlen Vater Hans und Mutter Hedi vor Glück.

Der Siegeskuss: Katrin Triendl und Weltmeister Beat Feuz. Daneben strahlen Vater Hans und Mutter Hedi vor Glück.

Am Sonntag krönte Beat Feuz sich in St. Moritz zum Weltmeister in der Abfahrt. Hinter diesem Erfolg steckt viel mehr als nur Feuz selbst. Denn ohne diese folgenden Menschen wäre der 30-Jährige wohl kaum Weltmeister geworden.

Da steht er also, reisst die Arme in die Luft und kann kaum fassen, wie ihm geschieht. Beat Feuz, Abfahrtsweltmeister 2017. Es grenzt an ein Wunder, dass er hier steht mit der Goldmedaille um den Hals.

Denn sein linkes Knie hätte ihn fast die Karriere gekostet. Erst bricht er die Kniescheibe, dann reisst das Kreuzband, später der Meniskus. Nach einer von elf Operationen der Tiefpunkt 2012: Eine Fischöl-Injektion löst einen Infekt aus, die Versteifung des linken Knies steht zur Debatte. Im Insel-Spital kann Dr. Matthias Zumstein das Horror-Szenario in letzter Sekunde abwenden. Er legt einen Grundstein für den Triumph in der Abfahrt.

Die Abfahrt der Männer in Bildern:

Den grössten Anteil an Feuz’ Goldmedaille, da sind sich alle einig, den hat Katrin Triendl (30), seine Freundin. Die Tirolerin und der Emmentaler lernen sich an den Junioren-Weltmeisterschaften 2007 in Altenmarkt-Zauchensee kennen. Während Feuz Abfahrt und Super-G gewinnt, belegt Katrin Triendl in der Abfahrt, in der Lara Gut mit gerade mal 15 Jahren Zweite wird, den zwölften Platz. Doch Triendl gewinnt Beats Herz. Seit fast zehn Jahren sind sie unzertrennlich.

Den Profi-Sport hat Triendl längst aufgegeben, heute ist sie Physiotherapeutin und Feuz’ grösste Motivatorin. «Ab und zu braucht er einen Tritt in den Hintern, das weiss er selbst. Und ja, dafür bin ich zuständig», sagt Triendl zur «Nordwestschweiz» und lacht. Er habe sich in den letzten Jahren aber stark gebessert, schiebt sie nach. Diszipliniert von ihr, seiner Freundin.

Feuz, der Bonvivant

Disziplin – es ist definitiv nicht die grösste Stärke von Feuz. Im Winter 2008 zahlt ihm ein Verbandssponsor einen Sprachaufenthalt in Whistler Mountain. Doch statt Englisch zu büffeln, futtert er vor allem Fastfood und bechert in den Bars. Trainer Sepp Brunner sagte zum «Blick»: «Er war damals so fett, dass ich ihm ins Gewissen reden musste.» Heute isst Feuz weit weniger kalorienreich. Auch das ein Verdienst seiner Freundin. Nach der Enttäuschung bei Olympia 2014 in Sotschi hat sie dafür gesorgt, dass er die Ernährung umstellt.

Das war der 7. Tag der Ski-WM in St. Moritz

Dass aus Feuz nicht nur ein Bonvivant, sondern auch ein begnadeter Skifahrer wurde, dafür sorgten zuallererst seine Eltern, Hans und Hedi. Bauern in Schangnau, auf dem Lift hinter dem Hof fand Feuz zu seiner Bestimmung. «Er musste das Skifahren nicht lernen, er konnte es einfach. Er machte nicht den Stemmbogen, sondern fuhr gleich parallel», sagte seine Mutter einst zur «NZZ». Da ist er 23 Monate alt, sprechen konnte er noch nicht.

Sein Talent ist unverkennbar. Anstatt das gesparte Geld in eine neue Scheune auf dem «Roseggli», dem Hof der Familie, zu investieren, fliesst das Geld in die Ski-Karriere von Beat. Eine Viertelmillion Franken, wie der «Blick» schreibt.

Noch einmal zum Geniessen: Die Siegesfahrt von Feuz im Video

Seit 2007 kümmert sich Sepp Brunner, heute 58 Jahre alt, um dieses Naturtalent. Nachdem Feuz die Saison 2012/13 wegen der Komplikationen mit seinem Knie komplett sausen lassen muss, stellt ihm Swiss Ski den Steirer quasi als Privat-Trainer zur Seite. «Von allen Schweizer Trainern kennt mich keiner besser als Sepp. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich zu ihm und er versteht mich», sagte der frisch erkorene Weltmeister einst.

Beat Feuz zusammen mit Sepp Brunner.

Beat Feuz zusammen mit Sepp Brunner.

Und dann wäre da noch Sepp Kuppelwieser, Feuz’ Servicemann, seit er 2012 zu Head wechselte. «Er ist ein super Typ, genauso bodenständig wie der Beat», sagt Freundin Katrin über den Südtiroler. Ausserdem ist er äusserst erfolgreich, hat er sich zehn Jahre lang um die Latten Kjetil André Aamodts gekümmert und mit dem Norweger allein neun WM-Goldmedaillen gewonnen.

Die Freundin, die Familie, seine Trainer und Ski-Spezialisten: «Ohne all diese Menschen, würde ich nach dieser Geschichte mit meinem Knie nicht hier stehen», sagt Feuz. Das ist ihm bewusst am Sonntagnachmittag. Auch wenn er seinen Sieg noch längst nicht wirklich fassen kann.

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