Aquaponik heisst das Zauberwort. Es setzt sich zusammen aus Aquakultur und Hydroponik. Als Aquakultur wird die Fischzucht in einem Kreislaufsystem bezeichnet, Hydroponik steht für den Pflanzenanbau im Wasser. Das Start-up Urban Farmers hatte 2012 in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften diese beiden Prinzipien vereint und ein System entwickelt, um Landwirtschaft in die Städte zu bringen.

Und so funktioniert das Prinzip: Mit den ammoniakhaltigen Ausscheidungen der Fische, welche von Mikroben in Nitrate umgewandelt werden, werden die Pflanzen gedüngt, diese wiederum reinigen das Wasser und geben es über einen Abfluss zurück ins Fischbecken.

Die Schweiz im Aquaponik-Fieber?

Mit dieser nachhaltigen und regionalen Produktion sollen auch Stadtbewohner von frischem Gemüse und frischem Fisch profitieren. Wie im Fall Basel, wo die erste Anlage 2013 auf dem Lokdepot im Dreispitz entstand. Auf 250 m2 werden jährlich 5 t Gemüse und 850 kg Fisch produziert. Restaurants wie das «Schmatz» oder das «Schifferhaus» in Basel sind dankbare Abnehmer, und auch die Migros Basel bietet mittlerweile Produkte aus der Aquaponik-Farm an. Und in Zürich sind zwei grosse Farmen auf dem Dach von Sihlcity geplant. Auch der Lebensmittelhändler Ecco-Jäger AG aus Bad Ragaz bietet seinen Kunden Gemüse und Buntbarsche von der eigenen Aquaponik-Anlage auf dem Firmensitz in Bad Ragaz an. In Balterswil haben Aquaponic Gardens eine Fischzuchtanlage installiert, wo sie Lachsforellen und australische Riesenbarsche züchten. Obendrüber gedeihen Salate und Tomaten. Ohne Chemikalien und wassersparend, da der Kreislauf sich selbst bedient. Es muss nur das Wasser nachgefüllt werden, das verdunstet oder von den Pflanzen absorbiert wird, etwa 1-3% der gesamten Wassermenge pro Tag. In der herkömmlichen Fischzucht müssen wegen der Verschmutzung täglich grosse Mengen Wasser ausgetauscht werden. Die Anlage umfasst 500 Quadratmeter und hat eine Kapazität von bis zu 40 Tonnen Fisch pro Jahr. Um eine Wassertemperatur von 26 bis 30 Grad zu erreichen, wird Fernwärme von einer nahe gelegenen Sägerei bezogen.

Die Mini-Anlage für zu Hause

Anbieter wie Aquaponic Gardens bieten mittlerweile kleinere Ableger für den Hausgebrauch an, für den Balkon oder das Wohnzimmer. Sei es, um die Vorteile eines Aquariums zur Beobachtung der Fische mit der Zucht von Gemüse zu verbinden oder um tatsächlich eigene Fische zu züchten. 

Bei der Fischzucht ist neben der Grösse darauf zu achten, ob die Anlage draussen oder drinnen steht. Im Sommer können drinnen wie draussen Warmwasserfische wie Talapia- oder Barramundi-Barsche gezüchtet werden odedr einfach ein paar Goldfische als Zierde. Im Winter sollten im Freien die Warmwasserfische durch Kaltwasserfische wie Forelle oder Egli ausgetauscht werden. Wobei Forellen Fliesswasser benötigen oder eine künstliche Strömung. Als Pflanzen kommen zum Beispiel Tomaten, Brokkoli, Fenchel, Kräuter, Salate infrage. Wurzelpflanzen wie Kartoffeln und Karotten allerdings nicht.


Wermutstropfen

Während die grossen Anlagen im Freien bzw. in Gewächshäusern sehr nachhaltig und innovativ sind, sind die Mini-Aquaponik-Anlagen im Hinblick auf die Energieeffizienz im Nachteil. Sie ziehen verhältnismässig viel Strom, um die Pumpe für den Wasserkreislauf am Laufen zu halten und um die Wassertemperaturen - besonders im Innenraum - zwischen 25 und 30 Grad zu halten. Hier gibt es also sicher noch Entwicklungsbedarf.