Ein Neubau oder die Renovierung einer bestehenden Immobilie beziehungsweise eines Stockwerkeigentums sollte nicht ohne Gutachten von Versicherungsexperten geplant werden.

Unzählige Risikofaktoren wie Umwelteinflüsse, Diebstahl und Verletzungen auf der Baustelle oder Zerstörung durch Vandalen können das Bauprojekt beeinflussen. Bauherren sollten sich daher vielseitig gegen Risiken absichern. Denn trotz aller Sorgfalt und Vorsorge entstehen schnell Schäden. Kleine Zwischenfälle ziehen oft hohe Kosten nach sich und können unter Umständen sogar das ganze Bauvorhaben gefährden. Bei Bauprojekten stellt sich zudem immer wieder die Frage, was passiert, wenn das beauftragte Bauunternehmen in Konkurs geht?

Demnach ist es grundlegend sich vor Beginn der Bauarbeiten gut abzusichern. Wichtig ist, dass die Bauherren sich Meinungen und Gutachten von Experten einholen, um das Bauprojekt, die vorhandene Immobilie oder das Stockwerkeigentum richtig abzusichern. Neben der obligatorischen Bauzeitversicherung gibt es eine Vielzahl von Zusatzversicherungen. Wer hier die richtige Auswahl trifft, spart Geld und ist zugleich optimal versichert.

Bauzeitversicherung

In der Schweiz heisst die Gebäudeversicherung während der Bauzeit Bauzeitversicherung. Diese Versicherung ist in den meisten Kantonen obligatorisch. Ausnahmen sind die Kantone Appenzell Innerrhoden, Genf, Obwalden, Schwyz, Tessin, Uri und Wallis. In den anderen Kantonen übernehmen die kantonalen Gebäudeversicherungen die Kosten im Falle von Feuer- und Elementarschäden. Beispielsweise schützt sie den Bauherren im Falle eines Brandschadens. Voraussetzung ist die offizielle Anmeldung des Bauprojektes durch den Bauherrn auf der zuständigen kantonalen Amtsstelle. Wichtig ist, dass das Bauvorhaben unbedingt vor Beginn der Bauarbeiten der Versicherung gemeldet wird. Die zusätzlichen Kosten zur bestehenden Police belaufen sich in der Regel unter 100 Schweizer Franken.

Auf zwei weitere Versicherungen sollten Bauherren auf keinen Fall verzichten – die Bauwesenversicherung und die Bauherrenhaftpflichtversicherung. Diese beiden Zusatzversicherungen sind nicht obligatorisch wie die Bauzeitversicherung, aber absolut empfehlenswert.

Die Bauwesenversicherung

Die Bauwesenversicherung deckt Schäden am Bauobjekt. In anderen Worten ist sie eine Art Kaskoversicherung für das Bauen und Renovieren. Diese Zusatzversicherung bietet finanziellen Schutz, wenn das Bauobjekt durch einen unerwarteten Zwischenfall beschädigt wird. Weiterhin entschädigt sie durch Bauunfälle, Vandalen oder Diebe verursachte Schäden. Die Bauwesenversicherung deckt beispielsweise den Einsturz eines Baugerüstes oder die Beschädigung der Fassade. Sie ist eine separat abzuschliessende Zusatzversicherung, die in der Regel für bestehende Bauten geeignet ist, also für den Um- oder Ausbau eines Objekts. Architekten und Bauführer verfügen meist bereits über diese Versicherung. Üblicherweise schliessen alle am Bau beteiligten Personen zusammen eine solche Versicherung ab und teilen die Kosten. Die Handwerker profitieren ebenfalls davon, da in den privaten Haftpflichtversicherungen eine grosse Zahl an Schadensfällen nicht inbegriffen ist. Hier ist zu beachten, dass Feuer- und Brandschutz nicht doppelt versichert wird. Die Bauwesenversicherung beträgt bei einer Bausumme von 20'000 Schweizer Franken zwischen 250 bis 500 Franken.

Zusätzlich kann der Bauherr eine Montageversicherung abschliessen. Diese kommt für Schäden auf, die während Installationen entstehen. Diese Versicherung lohnt sich hauptsächlich, wenn Handwerker sehr teure Maschinen und Anlagen montieren.

Mit der Bauwesenversicherung kann sich der Bauherr ebenfalls gegen Brand- oder Elementarschäden mitversichern. Umwelteinflüsse wie sie bei einem Unwetter oder anderen Naturereignissen entstehen, können damit abgesichert werden. Das lohnt sich meist nur für diejenigen, die in einem der wenigen Kantone in der Schweiz bauen, in denen die Bauzeitversicherung nicht obligatorisch ist. Hier ist zu beachten, dass Feuer- und Brandschutz nicht doppelt versichert wird.

Die Bauherrenhaftpflichtversicherung

Für Personen- und Sachschäden an Dritten kommt die Bauherrenhaftpflichtversicherung auf. Schäden an Dritten treten schnell auf. Sei es, dass sich das Kind der Nachbarn auf der Baustelle verletzt oder ein Ziegel vom Dach rutscht und das neue Auto des Nachbarn verbeult. Häufig passieren kleine Sachschäden während den Bauarbeiten, wie zum Beispiel Beschädigungen an der Mauer des Nachbarhauses, die hohe Kosten nach sich ziehen.

Es ist gut zu wissen, dass der Bauherr kausal haftet. Dies ist ein weiterer Grund, der für eine Bauherrenhaftpflichtversicherung spricht. Sie deckt die Risiken für die Schäden, die Handwerker, Architekten und Bauunternehmer verursachen. Der Bauherr haftet nämlich in den meisten Fällen, egal ob er den Schaden verursacht hat oder ein Arbeiter. Die Bauherrenhaftpflichtversicherung schützt in diesen Angelegenheiten. Insbesondere bei grossen Bauprojekten ist es empfehlenswert, eine zusätzliche Unfallversicherung für Besucher abzuschliessen, die Kosten übernimmt, wenn sich Besucher auf der Baustelle verletzen.

Häufig ist die Bauherrenhaftpflicht bereits in der privaten Haftpflichtversicherung inbegriffen, wenn die Bausumme niedriger als 100'000 Schweizer Franken ist, der Bauherr selbst in der Immobilie wohnt und es nicht mehr als drei Wohnungen im Haus gibt. Vor Baubeginn sollte demnach unbedingt geprüft werden, ob überhaupt eine Zusatzversicherung notwendig ist. Es kann eine schriftliche Bestätigung der Versicherungsgesellschaft eingeholt werden, um sicher zu sein, dass das Bauprojekt genügend abgedeckt ist. Wenn insofern die Privathaftpflichtversicherung nicht ausreicht, lohnt es sich durchaus eine Bauherrenhaftpflichtversicherung abzuschliessen. Hier handelt es sich meist um eine einmalige Zahlung, die bei einer Bausumme von 100'000 Schweizer Franken zwischen 200 und 400 Schweizer Franken liegt.

Baugarantieversicherung

Dieser Zusatz bietet einen Schutz bei Insolvenz von Bauunternehmen. Denn geht ein beauftragtes Bauunternehmen Bankrott, können hohe Zusatzkosten anfallen. Gegen derartige Vorfälle kann sich der Bauherr nicht versichern. Daher ist es empfehlenswert Vorauszahlungen an ein Bauunternehmen nur gegen eine Sicherheit zu leisten. Diese Sicherheit bietet eine Solidarbürgschaft oder Garantie. Bauunternehmen geben diese Sicherheit in Form einer Baugarantieversicherung. Damit sind in der Regel ebenfalls Schäden abgesichert, die durch versteckte Mängel am Bauobjekt entstehen und meist erst nach der Bauabnahme entdeckt werden. Diese Schäden sind versichert, auch im Falle, dass das verantwortliche Unternehmen wegen Insolvenz nicht für den Defekt aufkommen kann.