Die Lösung: eine Heisswasser-Armatur, die kochendes Wasser direkt aus dem Wasserhahn liefert – sicher und ohne warten zu müssen. Doch gibt es auch Nachteile dieser neuartigen Küchenhilfe?

In den Niederlanden, in Grossbritannien und in Skandinavien sind sie gang und gäbe: Küchen mit Heisswasser-Armaturen. Sie liefern auf Knopfdruck kochend heisses Wasser. Ohne Topf, Wasserkocher und Zeitverlust. Weiterer Vorteil neben der unschlagbaren Effizienz: Heisswasser-Armaturen nehmen im Gegensatz zum Wasserkocher auf der Arbeitsfläche keinen Platz ein – der wundersame Wasserhahn sieht aus wie eine normale Küchenarmatur und versteckt seinen Tank dezent unter der Spüle. Sie zapfen also das kochend heisse Wasser ohne Umwege direkt in Ihren Topf, Ihre Tasse oder Ihren Eimer.

Langsam aber sicher wird die Technologie auch hierzulande populär. Ein möglicher Grund: der zunehmende Trend zum Convenience-Food. Oft werden die Fertiggerichte mit kochendem Wasser zubereitet – praktisch, wenn dieses direkt aus dem Wasserhahn kommt.

Sie befürchten, dass sich Ihr Kind beim vermeintlichen Händewaschen an einer Heisswasser-Armatur die Finger verbrühen könnte? Keine Angst: Es ist alles durchdacht. Kindergesicherte Bedienknöpfe sorgen dafür, dass Kinderhände keinen Schaden nehmen. Heisswasser-Armaturen gelten als äusserst sicher. Selbst ihre Oberfläche wird dank einer speziellen Isolation niemals heiss.

Unterschiedliche Philosophien

Als Pionier auf dem Gebiet der Heisswasser-Armaturen gilt das niederländische Unternehmen Quooker. In Holland selbst beträgt der Marktanteil beinahe 100 Prozent. Ähnlich wie bei Scotch und Bostitch für Klebestreifen und Heftmaschinen spricht man in den Niederlanden von einem Quooker, wenn man eine Heisswasser-Armatur meint – das Nonplusultra für jede Marke.

Neben Quooker haben sich vor allem die Systeme der deutschen Hersteller Blanco, Naber, Grohe, Dornbracht und Clage auf dem Markt etabliert. Dabei gibt es wesentliche Unterschiede in den Philosophien der Hersteller: So hat sich etwa Blanco im Gegensatz zu den holländischen Drucksystemen bewusst gegen eine Kochendwasser-Variante und für eine drucklose Lösung entschieden. Vorteile: weniger hohe technische Voraussetzungen, einfachere Montage, geringerer Preis. Dafür nimmt Blanco – wie auch seine Konkurrenten Dornbracht und Clage –  in Kauf, dass das Wasser nicht über ca. 97°C erhitzt wird. Undenkbar für die Anbieter der Kochendwasser-Armaturen wie Quooker, Naber oder Grohe. Wasser müsse über die magische Grenze von 100°C erhitzt werden, um etwa Keime und Bakterien abzutöten.

Investition zahlt sich finanziell meist nicht aus

Der Nachteil einer Heisswasser-Armatur? Sie kostet Geld. Die Varianten an Systemen sind inzwischen gross. So gibt es Design-Armaturen mit schwenkbarem Auslauf oder einer Spülbrause. Dieser Luxus hat seinen Preis: Für ein Highend-Modell bezahlen Sie gut und gern zwischen 1.000 und 2.000 Franken.

Wenn Sie jedoch häufig Wasser erhitzen, lohnt sich die Investition nicht nur in praktischer und ästhetischer Hinsicht, sondern auch finanziell. Der Stromverbrauch eines Wasserkochers in Betrieb ist grösser als eine Heißwasser-Armatur. Ausgeschaltet kommt das Küchengerät dafür im Gegensatz zur Heisswasser-Armatur ganz ohne Strom aus. Denn diese benötigt zum Halten der Temperatur ununterbrochen Strom. Sprich: Wer viermal am Tag einen halben Liter Wasser kocht, ist mit einem herkömmlichen Wasserkocher besser bedient – was den Stromverbrauch anbelangt. Wer indes 15 Mal täglich einen Liter kochendes Wasser benötigt, profitiert von einer Heisswasser-Armatur. Dennoch: Die geringeren Stromkosten bei Vielverbrauchern machen die Investition nicht so schnell wett.

Zweiter Nachteil: Mit einer Heisswasser-Armatur sparen Sie zwar Platz in Ihrer Küche, nicht aber unter dem Spülbecken. Der sonst oft als Abfalltrennsystem genutzte Platz muss also einen neuen Standort finden.

Fazit

Eine Heisswasser-Armatur spart Zeit, Mühe und Nerven – und das genügt als Grund für die Investition. Dass sie in der Küche Platz spart, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Energie spart hingegen nur, wer eine solche Armatur sehr häufig benutzt. Dann amortisieren sich auch mit der Zeit die hohen Anschaffungskosten.

Übrigens: Es gibt Armaturen, die neben Kalt-, Warm- und Heisswasser auch gefiltertes Mineralwasser zur Verfügung stellen. Dies kann für viele interessant sein, schliesslich werden in der Schweiz mehr als 900 Millionen Liter Mineralwasser pro Jahr getrunken. Wer sein Mineralwasser mit Hilfe einer entsprechenden Armatur selbst zubereitet, muss nie wieder Mineralwasserkästen schleppen – und mit dem logistischen Aufwand entfällt auch der Energieeinsatz mit all seinen Begleiterscheinungen.

Zu den Anbietern, die Kalt-, Warm-, Heiss- und Mineralwasser aus einem einzigen Wasserhahn anbieten, gehört auch ein Schweizer Unternehmen: die Soda Fresh Schweiz AG aus dem aargauischen Seon. Deren Armatur „Lugano“ liefert fünf Sorten Wasser: normales Kalt- und Warmwasser, gefiltertes, gesprudeltes oder 98 Grad heisses Wasser. Kochendes und gekühltes Trinkwasser mit oder ohne Kohlensäure und gleichzeitig eine normale Küchenarmatur bietet auch „AIO“ aus dem Hause Clage. Die Besonderheit ist dabei, dass Kühler und Boiler in einem Gehäuse untergebracht sind.

Bei anderen Herstellern braucht es zwei separate Hähne für die verschiedenen Funktionen. Pionier Quooker konzentriert sich vollends auf Anlagen für kochend heisses Wasser. Der holländische Hersteller bietet zweifellos ein formschönes und funktionales System. Wer allerdings nicht auf Mineralwasser verzichten möchte, muss entweder eine zweite Armatur haben oder auf das System eines anderen Herstellers ausweichen.

Und zum Schluss noch ein Tipp für all jene, die es beim herkömmlichen Erwärmen des Wassers belassen wollen: Wasser in einem Wasserkocher zu erhitzen ist wesentlich günstiger als in einem Topf auf dem Herd.