Eine Wohnung gehört wie Nahrung oder Kleidung zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Wohnen und Bauen gehören aber auch zu den wichtigsten Treibern in der Übernutzung der Erde. Wir zeigen auf, dass es auch anders geht. 

Praktisch vor unserer Haustür, in Brütten ZH, befindet sich das erste Beweisstück für unsere Behauptung: Das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt kommt ganz ohne externe Energieanschlüsse aus. Dabei verbraucht das «solarbetriebene» Neunfamilienhaus weniger Energie, als es selber produziert. Die nächste Reise führt uns nach Chavannes-près-Renens VD. Hier entsteht ein 117 Meter hohes Hochhaus, dessen Fassade mit nicht weniger als 100 ausgewachsenen Bäumen, 6000 Stauden und 18 000 mehrjährigen hängenden Pflanzen und Bodendeckern verkleidet wird. Die bewachsenen Fassaden vereinen dabei nicht nur die scheinbaren Widersprüche von Stadt und Natur, sondern bieten gleichfalls einen praktischen Nutzen: sie helfen, den Energieverbrauch zu senken. Nicht minder beispielhaft ist die Überbauung Greencity in Zürich. Auf einem alten Industrieareal mit der Fläche von zehn Fussballfeldern entstehen hier 740 Wohnungen, drei Bürogebäude, Läden, Restaurants, ein Hotel und eine Schule. Das Ziel: Die Quartier-Bewohner sollen pro Kopf nicht mehr als 2000 Watt Energie pro Tag benötigen. Zum Vergleich: Derzeit liegt der Verbrauch in der Schweiz bei 5900 Watt pro Einwohner. Einige hundert Kilometer weiter nördlich, im holländischen Almere, wächst sogar gleich ein ganzes energieautarkes Dorf aus dem Boden. Almere wird nach dem Konzept des US-amerikanischen Unternehmers James Ehrlich und dem dänischen Architekturbüro Effekt gebaut. ReGen Village - wie das Konzept heisst - steht für regenerativ oder geschlossenes Kreislaufsystem. Hochmoderne Technologien sollen das komplett autarke System ermöglichen. Das Dorf umfasst im Endausbau rund 100 Häuser. 

Mit der Kraft der Sonne

Das Mehrfamilienhaus in Brütten, das neueste Projekt der Umweltarena Spreitenbach, ist das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt. Energieautark bedeutet zunächst einmal, dass die Sonne die einzige Energiequelle ist und es keine externen Energieanschlüsse gibt. Den Bewohnern steht deshalb ganzjährig nur so viel Energie zur Verfügung, wie das Haus produzieren und speichern kann.

Für die Energie sorgt eine Strom produzierende Fassade und das Strom produzierende Dach. Mit der überschüssigen Elektrizität der Photovoltaikanlage wird zusätzlich Wasserstoff produziert, der in einem Langzeitspeicher von sechs Metern Durchmesser und 250 000 Litern Inhalt gespeichert wird. Über eine Brennstoffzelle kann damit zum gewünschten Zeitpunkt Strom und Wärme produziert und Engpässe überbrückt werden. Ein weiterer Teil der Sonnenenergie wird mit einer Wärmepumpe in Wärme umgewandelt und einerseits zur Brauchwassererwärmung und zum Heizen, andererseits zur Ladung der thermischen Kurz- und Langzeitspeicher eingesetzt.

Energieeffizienz wird aber auch im Innenausbau grossgeschrieben. So ist jede Dusche mit einer integrierten Wärmerückgewinnung ausgestattet. Eine kontrollierte Wohnungslüftung sorgt dafür, dass beim Lüften keine Energie verloren geht. Und last but not least zeigt die intelligente Haussteuerung den Bewohnern den aktuellen Energieverbrauch an und motiviert sie so zusätzlich zum Energiesparen. Nettes Detail am Rande: In der Garage steht den Bewohnern je ein Elektro- und Gasauto zur Verfügung, das sie online jederzeit buchen können.

Die hängenden Gärten von Lausanne. 

In Chavannes-près-Renens, einem Vorort von Lausanne, ensteht derzeit ein Hochhaus, das weit über die Landesgrenzen hinaus für Furore sorgen dürfte. Mit gutem Grund: Der «Tour de Cèdres» ist mit seinen 117 Metern und 36 Etagen nicht nur das höchste Haus der Romandie, sondern fasziniert darüber hinaus durch seine einzigartige Fassade, die zu einem grossen Teil bepflanzt ist - nicht bloss mit ein bisschen Grün, sondern mit Büschen, Sträuchern und gegen 100 ausgewachsenen Bäumen. Die Zedern, Eichen und Ahorne wurzeln an der Fassade in drei Meter tiefen Behältern und sollen bis zu zwölf Meter hoch wachsen. Die bewachsenen Fassade haben aber auch ganz praktische Vorteile und helfen, den Energieverbrauch zu senken. Im Sommer generieren die Pflanzen ein Mikroklima, das die Temperatur an der Fassade reduziert. Zudem absorbieren sie Kohlendioxid


2000 Watt als Mass aller Dinge

Die geplanten 2000-Watt-Areale in der Schweiz zeigen: Ein Energieverbrauch von 2000 Watt pro Person und Tag ist keine Utopie, sondern kann Realität werden. Beispielhaft dafür ist die Überbauung Greencity in Zürich. Die Überbauung besteht aus 740 Wohnungen, drei Bürogebäuden, Läden, Restaurants, einem Hotel und einer Schule. Die Bewohner sollen letztlich pro Kopf nur 2000 Watt Energie benötigen. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Verbrauch heute bei 5900 Watt pro Einwohner. Dies entspricht der Produktion einer Photovoltaik-Anlage von 100m2. Ziel ist es, das Areal mit 100% erneuerbaren Energien zu versorgen. Solarzellen auf den Dächern produzieren sauberen Strom. Ein Grossteil der Wärme entstammt dem Grundwasser. Überschüssige Abwärme wird unterirdisch gespeichert.

Die gläsernen Gärten von Almere

Nicht minder spannend ist ein energieautarkes Dorf, das derzeit in Almere, rund 20 Minuten von Amsterdam entfernt, steht. Das Dorf umfasst rund 100 Häuser. Zur Versorgung der Bewohner kommen hochmoderne Technologien zur Anwendung und bilden gemeinsam ein komplett autarkes System: Gebäude, die mehr Energie produzieren als verbrauchen, erneuerbare Energien und Energiespeicher, vertikale Gärten, Wassermanagement- und Recyclingsysteme. Für die Lebensmittelversorgung der Dorfgemeinschaft soll es saisonal bewirtschaftete Gärten geben. Gewächshäuser mit vertikalem Anbau, Tierhaltung sowie Aquaponics, eine flächensparende Kombination aus Fisch- und Pflanzenzucht. Die Wohngebäude sind von Glashäusern umgeben, die den Obst- und Gemüseanbau direkt vor der Haustür - oder auf der Terrasse - das ganze Jahr über ermöglichen sollen.