Freizeit und Beruf im Gleichgewicht halten, eigene Träume verfolgen, ein Eigenheim besitzen, Karriere im Beruf und Familie mit Kindern: Solche Lebensvorstellungen würde man wahrscheinlich über 40-Jährigen zuschreiben. Doch dies sind gemäss dem CS-Jugendbarometer die Lebensvorstellungen der heut 16- bis 25-Jährigen. 1000 Jugendliche aus den USA, Brasilien, Singapur und der Schweiz wurden zu ihrer Befindlichkeit und zu ihren Zukunftsperspektiven befragt. Das Ergebnis: Junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens haben genaue Vorstellungen, was sie wollen. Und sie wollen viel.

Dass dies auch im beruflichen Bereich zutrifft, stellt Christine Gisin, Berufsberaterin bei der ask! - Beratungsdiensten für Ausbildung und Beruf, immer wieder fest. Die Fachfrau begleitet viele junge Erwachsene am Ende der Lehre, wenn es darum geht den Sprung ins Berufsleben vorzubereiten. Gisin: «Oft haben Jugendliche sehr klare Vorstellungen, wie die berufliche Entwicklung in den nächsten Jahren aussehen soll.»

Laut Gisin in den Jugendlichen am Ende der Lehrzeit bewusst, dass sie früher oder später eine Weiterbildung machen werden. «Einige haben bereits beim Lehrabschluss konkrete Pläne, andere wollen zuerst ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass für sehr viele Jugendliche eine Weiterbildung selbstverständlich ist.» Die Gründe sind unterschiedlich. In Berufsfeldern mit eher tiefen Löhnen wissen die jungen Erwachsenen, dass sie sich zur Erreichung ihrer finanziellen Ziele beruflich weiterentwickeln müssen. Jungen Berufsleuten aus Branchen mit schnelllebigen Arbeitsinhalten wiederum ist bereits am Ende der Lehre bewusst, dass sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen können, da sie sonst ins Hintertreffen kommen würden.

Karriere vor Arbeitszufriedenheit

In der Schweiz führen mit Google, SBB und Novartis drei Unternehmen die Rangliste der beliebtesten Arbeitgeber für Jugendliche an, die für sehr moderne Anstellungsbedingungen bekannt sind. Die Ansprüche der jungen Erwachsenen an ihren ersten Arbeitsplatz sind allerdings oft noch nicht stark ausgeprägt. «Anstellungsbedingungen wie Teilzeitarbeit oder Home-Office haben für junge Erwachsene nach der Lehre meistens noch keine Priorität. Für die meisten ist es wichtig, sich im Arbeitsmarkt zu bewähren und Arbeitserfahrung zu sammeln», sagt Christine Gisin und räumt damit mit dem Vorurteil auf, dass junge Erwachsene zu hohe Anforderungen an ihre Arbeitsbedingungen haben.

Diese Einschätzung wir auch von den Ergebnissen des Jugendbarometers gestützt. 65 Prozent der Jugendlichen haben angegeben, dass gesteckte Ziele nur mit Fleiss erreicht werden können. Das heisst auch, dass das «Sporen abverdienen» für viele Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger zur Selbstverständigung gehört. Im Allgemeinen hat die Bedeutung der Karriere für die Berufseinsteiger zugenommen. Dies lässt sich wahrscheinlich auch damit erklären, dass 83 Prozent der jungen Erwachsenen später einmal ein Eigenheim wollen und sich bewusst sind, dass dieses Ziel mit beruflichem Erfolg einfacher zu erreichen ist. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass in der Schweiz der Wunsch nach Selbstständigkeit weniger ausgeprägt ist, als dies im Ausland der Fall ist. So ziehen junge Schweizerinnen und Schweizer eine sichere Anstellung den Risiken der Selbstständigkeit vor. 

Von der Grundbildung zum Wunschberuf

Wenn junge Berufsleute nach der Lehre einen Berufswechsel ins Auge fassen, muss das nicht zwingend daran liegen, dass der erlernte Beruf nicht der richtige war. Einige Jugendliche nutzen die Berufslehre ganz bewusst als Zwischenschritt, um ihr eigentliches Berufsziel zu erreichen. Christine Gisin konnte in den letzten Jahren einen ganz neuen Trend erkennen: «Da bei jungen Erwachsenen Fitness sehr hoch im Kurs steht, nennen Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger aus den verschiedensten Berufsgruppen Fitnessinstruktorin oder Personal Trainer als Berufswunsch.» So möchten viele Junge ihre Freizeitbeschäftigung zum Hauptberuf machen.

Konkrete Vorstellungen vom Wunschberuf reichen aber oft nicht aus, das Ziel zu erreichen. Das schweizerische Bildungssystem bietet eine unglaubliche Vielzahl an Möglichkeiten im Aus- und Weiterbildungsbereich. Herauszufinden, welches der geeignetste Weg ist, wird zur grossen Herausforderung. Hier kann die Berufs- und Laufbahnberatung helfen. «Bereits der Besuch in einem unserer Info-Zentren hilft vielen jungen Erwachsenen, einen Schritt weiterzukommen.» In den vier Info-Zentren von ask! im Kanton Aargau stehen erfahrene Beratungspersonen zur Verfügung, um in sogenannten Kurzgesprächen Fragen zu klären oder Tipps zu geben. In diesen Gesprächen werden oft wichtige Anstösse geliefert für die berufliche Weiterentwicklung. Wenn ein Kurzgespräch nicht ausreicht, hilft oft eine Laufbahnberatung weiter.

Die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger von heute sind in einer Zeit aufgewachsen, die vom stetigen Wandel geprägt war und in der Zukunftsperspektiven weniger klar sind, als dies früher der Fall war. Dass junge Erwachsene ihre eigene Zukunft nüchterner betrachten, als das Generationen vor ihnen gemacht haben, ist vielleicht eine Folge davon. Sicher ist nur, dass in zehn oder zwanzig Jahren die Jungen von heute mit demselben Erstaunen auf die Befindlichkeiten der dannzumal Zwanzigjährigen reagieren werden, wie das die ältere Generation heute macht.