Leben

Jägerin mit 21

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Mit der Sommerbockjagd, die am 1. Mai angelaufen ist, hat für die meisten der 1400 Aargauer Jägerinnen und Jäger die schönste Zeit des Jahres begonnen. Ein Blick hinter die Kulisse eines Hobbys, das weit mehr beinhaltet als Abschüsse, Flinte und Korn.

Freudig wedelnd erwartet die Rauhaardackelhündin «Ora» den Gast an der Hauseingangstür. «Das Führen eines Jagdhundes gilt für mich als Voraussetzung für die waidgerechte Jagd», sagt Franziska Schlatter, die Mitte der 1990er-Jahre die Jagdprüfung abgelegt hat und mit 21 Jahren zur jüngsten Jägerin des Kantons gekürt worden ist. Einerseits wird bei der Arbeit «nach dem Schuss» ein Schweisshund eingesetzt. Andererseits stöbert «Ora» auf der Herbstjagd das Wild auf, damit die Jäger zum Abschuss kommen.

Die Liebe zur Jagd wurde Franziska Schlatter in die Wiege gelegt. «Da unser Vater Revierförster, Jäger und ein begnadeter Hundeführer gewesen ist, sind wir praktisch mit der Jagd aufgewachsen», erinnert sich die Mutter einer 16-jährigen Tochter und eines 13-jährigen Sohnes. Highlight sei für sie jeweils gewesen, wenn sie in der Schule am Samstag den Paragrafen habe ziehen können, um mit dem Vater gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Mindestens so wichtig wie die Jagd seien ihr aber die vielfältigen Erlebnisse in der Natur gewesen, sagt sie: «Fuchsbauten beobachten, Fährten lesen oder von einem Hochsitz aus Wild zu verfolgen, haben mich mindestens so fasziniert wie die reine Jagd.» Trotzdem stand es für sie ausser Frage, auch einmal die Jagdprüfung zu machen.

Eine Frau, ein Wort. Im zarten Alter von 21 Jahren hat Franziska Schlatter die Ausbildung zur Jägerin in Angriff genommen. «Eine Ausbildung, die es in sich hatte», erinnert sie sich. Doch vor der eigentlichen Ausbildung habe sie zuerst ein geeignetes Lehrrevier suchen müssen. Erst dann konnte sie das Jagdbüchlein lösen und sich in einer Jagdschule zum Lehrgang anmelden. Ein Lehrgang, der auch zu ihrer Zeit zwei Jahre gedauert hat und über 100 Pflichtstunden in den Fachgebieten Waffenhandhabung, Ballistik, Jagdplanung und -betrieb, Jagdkynologie, Wildbretversorgung und -hygiene, Wildschadenverhütung und -vergütung sowie Arten- und Lebensraummanagement umfasste. Sinn und Zweck dieses vielfältigen Lehrganges sei es, dass sich der angehende Waidwerker mit möglichst vielen Bereichen der Jagdpraxis befasse bzw. sich in sie hineinarbeite und somit die unerlässliche Erfahrungen sammle, um später als Jäger bestehen zu können“, erklärt Franziska Schlatter, für die das Schiessen («Leider war ich nie Jungschützin») in ihrer Ausbildung das Schwierigste gewesen ist.

So oder so habe sich in den letzten Jahren in der Jägerei extrem viel verändert, sagt die gelernte kaufmännische Angestellte, die in einem 70%-Pensum arbeitet. «Es reicht längst nicht mehr, ein guter Schütze zu sein, sondern man muss extrem viel über Tiere und Natur wissen.» Heute sei die Jagd im weiteren Sinn ein Instrument zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Schlatter: «Jägerinnen und Jäger führen Wildbeobachtungen zur Bestandes-kontrolle durch und regulieren die Wildbestände durch Abschüsse. Sie sind aber auch verantwortlich für Gesundheits- und Fallwildkontrolle, den Schutz des Lebensraums, Kitzrettung während der Setzzeit oder das Erstellen und Beschicken von Salzlecken. Alles in allem leisten wir definitiv einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Förderung von intakten Lebensräumen.»

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