Architektur

In der Champions League des Holzbaus

Freilager, Bild: Celjko Gataric Prix Lignum

Freilager, Bild: Celjko Gataric Prix Lignum

Bereits zum vierten Mal zeichnet der Prix Lignum die besten Schweizer Holzbauten aus. Gold geht an die Bergstation Chäserugg im Toggenburg.

Die Bergstation auf dem Chäserugg stammt aus der Feder der Stararchitekten Herzog & de Meuron, denen es gelang, aus einer komplexen Aufgabe eine prägnante Form zu entwickeln. Der Bau oszilliert zwischen Scheune, Chalet und Gondelhalle. Das Dach hält ihn zusammen. Das Gebäude hebt die klassischen Zimmermannskunst auf einen neuen Massstab: Imposante Auskragungen, spitz zulaufende Dachecken, riesige Balken, die auf baumähnlich sich verzweigenden Betonstrümpfen lagern. Die Architekten nutzen Holz exemplarisch, um in dieser Meereshöhe zu bauen. Sie integrieren den Bestand geschickt in ein neues Ganzes, das dank dem Holz vorbildlich in die Umgebung passt. Das Resultat ist keine Event-Architektur, sondern eine kraftvolle Ruhe auf dem Berg. Und damit ein Vorbild für viele Tourismusbetreiber, die in sensiblen Landschaften bauen.

Holz vs. Stahlbeton
Silber geht an der Bürogebäude S22 auf dem Suurstoffi-Areal in Rotkreuz. Auf der Suurstoffi schwingt sich das Holz zu neuen Höhen auf, die bisher dem Stahlbeton vorbehalten waren. Das 36 Meter hohe Hochhaus ist ein Leuchtturm für die Branche. Es zeigt eindrücklich, dass sich die Grenzen seit den neuen Brandschutznormen verschoben haben. Holz kann und darf ein Hochhaus tragen – und es muss nicht verkleidet werden. Der Rohbau prägt die Räume mit einer Präzision, die die Genauigkeit der Vorfabrikation zelebriert. Die Unterzüge und Stützen zonieren die Büros imposant und sorgen für eine behagliche Arbeitsatmosphäre. So viel auf einmal, das kann nur Holz. Das Projekt setzt jedes Material bewusst ein: Beton trägt den Kern, Baubuche nimmt die hohen Lasten auf, in der Fassade trägt Brettschichtholz aus Fichte und Tanne. Die Holz-Beton-Verbundelemente der Decken integrieren verschiedene Funktionen platzsparend und schaffen so einen ökonomischen Vorteil. Die Entwicklung, die dahintersteckt, ist zukunftsweisend, weil sie die Vorteile der Vorfabrikation geschickt ausnutzt.


Bronze für urbanen Massstab
Bronze erhalten die drei Holz-Langhäuser auf dem Freilager-Areal in Zürich, welche Architekt Rolf Mühlethaler konsequent aus Holz konstruiert hat, womit er die Urbanisierung des Materials entschieden vorantreibt: Bis zu 100 Meter lang, 6 Geschosse hoch, total 187 Wohnungen. So geht verträgliche Verdichtung, so geht Holzbau im 21. Jahrhundert. Die aussteifenden Kerne mit Treppe und Lift sind aus Beton gebaut. Sonst bestehen die drei Bauten gänzlich aus Holz. Der Architekt entwickelte aus der repetitiven Strenge eine architektonische Anmut. Was uniform erscheint, zeigt nämlich näher besehen fein rhythmisierte Fassaden und eine wohlüberlegte Abstufung in der Materialisierung. Holz ist nicht einfach Holz: Dunkel sind die druckimprägnierten Fassadenelemente, hell die Decken der Veranden, lackiert die runden Stützen. Die Veranden sorgen für einen konsequenten Witterungsschutz der Fassade.

Rationelle Tarnung
Das Verwaltungsgebäude der Freiburger Kantonspolizei überzeugt die Jury mit seiner Klarheit und Einfachheit. Es nutzt einen ökologischen Baustoff aus den kantonseigenen Wäldern und setzt damit einen Gegenpol zum globalisierten Denken: Insgesamt besteht das Gebäude fast komplett aus Schweizer Holz. Hinter der Fassade sorgt das Holz für eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Tragen und Zeigen
Die Produktionshalle der BLS überzeugt dank einer unprätentiösen, aber sorgfältigen Architektur, die für eine Werkhalle angemessen ist. Und die Halle spielt die Vorteile von Holz eindrücklich aus. Die Konstruktion verkürzt dank der Vorfertigung die Bauzeit, sie ermöglicht grosse Spannweiten für hohe Lasten, sie ist wirtschaftlich, und sie stützt eine regionale Ökonomie.

Ohne Leim und Nagel
Das Einfamilienhaus in Alpnach ist durchgehend aus Vollholzelementen konstruiert, die aus unverleimtem und gedübeltem Brettstapel bestehen. Diese Massivholzbauweise ist Wand und Geschossdecke, aber auch Wärmedämmung und Möbel. Das Holz dafür stammt aus Obwaldner Wäldern und wurde in der Zentralschweiz verarbeitet.

Hoch und runter
Der Aussichtsturm im Natur- und Tierpark Goldau findet mit wenigen Elementen eine angemessene Sprache. Er passt gut in die Landschaft und das Projekt verwendet den Schweizer Rohstoff Holz ab der Bodenplatte konsequent und angemessen. Holz trägt, Holz verkleidet, Holz schmückt.

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