Bienen

Ein siebter Sinn für Bienen

Gesponsert von: 
In der Bienenkiste herrscht im Sommer ein emsiges Treiben.

In der Bienenkiste herrscht im Sommer ein emsiges Treiben.

Auf dem Lindenhof der Vollenweiders in Benzenschwil schwärmen im Sommer über zwanzig Bienenvölker aus. Die fleissigen Insekten übernehmen eine zentrale Aufgabe und faszinieren zugleich ihren Besitzer.

Fabian Vollenweider hebt den Deckel eines gelben Bienenkastens und blickt prüfend hinein. Bei den kalten Aussentemperaturen krabbeln die Bienen ungewohnt langsam um ihre Waben herum. «Sobald die wärmeren Tage kommen, legen sie richtig los», sagt der Bauer aus Benzenschwil im Freiamt. Ihm ist das Imkern in die Wiege gelegt worden. «Meine Grossmutter hat mir das Handwerk beigebracht.» Schon als Dreikäsehoch begleitete er sie, wenn sie die Arbeiten bei den Bienen erledigte. Als Schulkind übernahm Fabian bereits Verantwortung für ein paar Völker und besuchte den Imker-Kurs. Heute hält der gelernte Agrotechniker auf dem Lindenhof einundzwanzig Völker, was die schier unglaubliche Zahl von 840'000 Bienen pro Sommer ergibt. «Wir brauchen so viele Bienen, damit unsere Obstplantagen bestäubt werden», erklärt der Imker. Zufrieden schliesst er den Bienenkasten: Bei seinen fleissigen Helferinnen ist alles in bester Ordnung. 

Honig und viele weitere Hofprodukte

Schon seit Jahrhunderten steht der Lindenhof mehr oder weniger an der gleichen Stelle im Dorf. Der Stammbaum der Vollenweiders reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Diese Tradition verpflichtet, ist aber auch ein Privileg. «Ich mag die Arbeit mit Tieren und in der Natur. Zudem bin ich mein eigener Chef.» Der Lindenhof ist generationenübergreifend organisiert: Fabian führt mit seinem Bruder den Betrieb, der Vater ist in der Käserei tätig und die Mutter stellt Produkte her und ist meistens im Hofladen anzutreffen. «Wir stellen 200 Hofprodukte selber her. Darum bauen wir auch zahlreiche Obst- und Beerensorten an.» Alle Produkte, dazu gehören auch der zertifizierte Wald- und Blütenhonig, verkaufen die Vollenweiders im Hofladen und an die lokalen Volg-Läden.

Demokratischer Insektenstaat

«Bienen sind faszienierende Tiere. Mit Ihnen zu arbeiten, macht mir auch nach all den Jahren noch Freude», sagt der Benzenschwiler und nimmt ein Glas Honig aus dem Verkaufsregal des Hofladens. «Wenn man bedenkt, dass die Insekten für ein Kilo Honig rund 100 000 Kilometer zurücklegen müssen, ist das schon beeindruckend.» Diese Leistung erbringen die Insekten nur als grosse Einheit. Tatsächlich zeigen Studien, dass Bienen sogar eine Art hochkomplexes, geradezu demokratisches Staatsystem betreiben und dadurch auch ausführlich miteinander kommunizieren.

Dass die Honigbiene nicht einfach ein simples, krabbelndes Wesen ist, sondern auch ihre Launen hat, erlebt Vollenweider mit seiner Erfahrung und seinem Gespür immer wieder bei der Arbeit. «Wenn das Wetter schlecht ist, verhalten sich die Bienen aufmüpfiger und aggressiver, als wenn sie bei Sonnenschein beschäftigt sind und ausfliegen können.» 

Intaktes Ökosystem dank Bienen

Finanziell sei die Imkerei für ihn nicht rentabel, so der Jungbauer. Die Kästen und die Insekten müssen regelmässig gepflegt werden und der Honig wird mehrmals pro Saison geschleudert und abgefüllt, was unzählige Stunden Aufwand bedeutet. «Die Hauptarbeiten fallen jedoch im Stall, in den Plantagen und auf den Feldern an.» Aber man kann die Rentabilität der Bienenhaltung nicht mit einer Zahl errechnen. «Es braucht sie einfach, damit das gesamte natürliche System funktioniert», so Vollenweider. Trotz dieser Tatsache fehlten den Honigbienen heutzutage oft die Lebensgrundlagen. Damit Bienen in der Region weiterhin eine Überlebenschance haben, beteiligen sich die Vollenweiders am aktuellen Projekt des Bauernverbands Aargau und des Aargauer Bienenzüchterverbandes, das den Schutz der Bienen ins Zentrum stellt. «Als Bauer und Imker sehe ich die Herausforderungen auf beiden Seiten: Zum einen müssen wir rentabel und im grossen Stil Lebensmittel produzieren, zum anderen ein bienenfreundliches, vielseitiges Umfeld schaffen.» Diesen Spagat gilt es zu schaffen, denn langfristig gesehen funktioniert die Landwirtschaft nur mit einem intakten Ökosystem, ist Vollenweider überzeugt. «Eine Win-win-Situation für Mensch und Tier.»

Meistgesehen

Artboard 1