Behindertensport

Die 16-jährige Nora mischt die Paraschwimmszene auf

Mehrmals Gold an der EM, ein Weltrekord und vor wenigen Tagen zweimal Bronze an der Weltmeisterschaft. Die erst 16-jährige Paraschwimmerin Nora Meister aus Lenzburg mischt die Schwimmszene tüchtig auf. Die Geschichte einer jungen Frau, die durchzieht, was sie sich in den Kopf gesetzt hat.

Sie ist eine Senkrechtstarterin. Bereits mit 13 Jahren schwimmt Nora Meister an der EM in Funchal zweimal ins Finale. „Der Gewinn einer Medaille blieb mir in Portugal allerdings noch verwehrt“, erinnert sich die zierliche Lenzburgerin, die mit einer Hörbehinderung sowie einer Versteifung der Gelenke namens „Arthogryposis multiplex congenita“ auf die Welt gekommen ist. Tempi passati. Zwei Jahre später feierte das Schwimmtalent aus dem Aargau an der Para-EM in Dublin gleich dreifach: Erst der Titel im 100 m Rücken-Wettbewerb, zwei Tage später die Silbermedaille im 100 m Freistil-Rennen und zum Abschluss – sozusagen als Zugabe – eine weitere Goldmedaille im 400 m Freistil-Rennen. Und an den Para Swimming Finals, die Anfang Juni dieses Jahres in Berlin stattgefunden haben, kam es noch besser: Mit 2:52.43 stellte die Schwimmerin vom Schwimmclub Aarefisch Aarau über 200m Rücken einen neuen Weltrekord auf. Damit unterbot die Sportschülerin der Alten Kantonsschule Aarau die bisherige Bestmarke um 2 Sekunden und holte den Sieg. Zudem gewann sie die Jugendwertungen über 200m und 400m Freistil sowie 100m Rücken mit neuen persönlichen Bestzeiten.

16 Stunden Training pro Woche

Ein Medaillensegen, mit dem die Paraschwimmerin, die seit ihrem achten Lebensjahr schwimmt, mit neun in den Schwimmclub Aarefisch eingetreten ist und heute rund 16 Stunden pro Woche trainiert, nie gerechnet hätte. „Als ich im Ziel über 200 m Rücken die Zeittafel sah und die Zeit weit unter meiner persönlichen Bestleistung lag, glaubte ich meinen Augen kaum“, erinnert sich die frischgebackene Weltrekordhalterin. Doch damit nicht genug. Auch in ihren anderen Paradedisziplinen, 200 und 400m Freistil sowie 100m Rücken, gewinnt sie die Jugendwertungen – wieder mit persönlichen Bestzeiten. Eine grossartige Leistung für eine so junge Sportlerin. Auch mental. Sie habe schon Wettkämpfe gehabt, die nicht so gut gelaufen seien, weil sie sich selber zu viel Druck gemacht habe. „Dieses Mal habe ich mich bewusst darauf vorbereitet und mir gesagt, dass es auf keinen Fall am Kopf scheitern darf.“

„Schwimmen ist meine Leidenschaft“

Den Schwimmsport hat Nora Meister bewusst ausgesucht. Früher habe sie auch andere Sportarten wie Rollstuhl-Tennis oder Handbike ausprobiert, sagt sie. „“Doch Schwimmen hat mir schon immer extrem viel Spass gemacht und seit ich von den Paralympics weiss, ist es ein grosser Traum, einmal daran teilnehmen zu dürfen. Die Teilnahme an den paralympischen Spielen von Tokyo im Jahr 2020 gehört denn auch zu den grossen Zielen von Nora. Ob ihre bisherigen Resultate dafür ausreichen, weiss sie noch nicht. „Die Limiten sind noch nicht bekannt.“

Ihren grossen Willen stellt Nora aber nicht nur im Sport unter Beweis. Seit gut einem Jahr besucht sie die „Sportkanti“ in Aarau. „Die beste Entscheidung meines Lebens“, so Nora, die am liebsten einmal die ganze Welt bereisen möchte. „Internationale Wettkämpfe machen diesen Traum schon jetzt möglich“, ergänzt sie. Momentan sieht es ganz danach aus, dass Nora auf ihrer Weltkarte schon bald die nächsten Destinationen abhaken kann.

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