Dekoration

Blühende Weihnachtszeit

Stechpalmenzweige gelten als Glücksbringer. Bild: Gettyimages

Stechpalmenzweige gelten als Glücksbringer. Bild: Gettyimages

Von wegen die Natur ruht: In der dunklen Jahreszeit verzaubern Winterblüher drinnen und draussen mit ihrer Pracht. Um einige ranken sich gar spannende Sagen und Legenden.

Die lichtvolle Weihnachtszeit ist da. Ich halte im Blumengeschäft einen trockenen, verknautschten Ball in den Händen. Erinnerungen an meine Grossmutter werden wach. Anfang Dezember holte sie jeweils den Weihnachtsschmuck vom Estrich. Darunter war auch eine dieser ausgedorrten Pflanzen, um die sich viele Mythen ranken. Die Grossmutter legte den Knäuel in einen Teller, der mit wenig Wasser gefüllt war. Der Knäuel entwirrte sich lang-sam und fing innerhalb von wenigen Tagen an saftig grün zu blühen. Ich höre noch heute, wie Grossmutter uns die Legende von der magischen Rose von Jericho erzählte. «Als Maria und Joseph nach Ägypten flüchteten, war die trockene Wüstenrose an Marias Gewand hängen geblieben. Maria legte die Pflanze zurück auf die Erde, segnete sie und verlieh ihr ewiges Leben. Seither gilt in vielen Ländern die Rose von Jericho als Glücksbringerin. Wer sie besitzt, soll Glück, Frieden, Gesundheit, hohes Alter und Reich-tum erleben.» Die Grossmutter hegte und pflegte die nun erblühte Rose von Jericho jeweils bis Anfang Januar liebevoll. Danach brachte sie den Wunderknäuel zum Trocknen wie-der zurück auf den Estrich.
Die Rose von Jericho (Anastatica hierochuntica) stammt ursprünglich aus den heissen Wüstenregionen des Orients. Während der Dürrezeiten trocknet die Pflanze jeweils völlig aus. Sobald sie mit Wasser in Berührung kommt, fängt sie immer wieder an zu blühen. 

Farbige Sterne
Auch die Weihnachtssterne bringen die Weihnachtszeit zum Blühen. Lange war die aus Mittel- und Südamerika stammende Pflanzenart Euphorbia pulcherrima nur in klassischem Rot, Rosa und Weiss erhältlich. Heute findet man sie in unzähligen Farbnuancen, passend zu jeder Weihnachtsdekoration. Weihnachtssterne gehören zu den sogenannten Kurztagspflanzen. Sie blühen nur, wenn die Tageslichtperiode unter einen bestimmten Wert sinkt. Ihre farbenprächtigen Blüten sind in Wirklichkeit sternförmig angeordnete Hochblätter.
Auch um den Weihnachtsstern ranken sich viele Legenden. Eine davon handelt von einem mexikanischen Mädchen, das an Heiligabend in einer Kirche weinend vor dem Altar stand. Es war arm und hatte keine Opfergabe dabei. Aus den Tränen des Mädchens erschien ein Engel, der ihr auftrug, Blätter vom Wegrand aufzusammeln. Das Mädchen tat, wie ihm geheissen. Die gesammelten Blätter sollen sich dann vor dem Altar in wunderschöne Weihnachtssterne verwandelt haben. In Mexiko heisst der Weihnachtsstern deshalb ‹Flores de Noche Buena›.»


Aus einer Träne zur edlen Blume
Wenn die weisse Rose de Noël zu blü-hen beginnt, ist es Zeit, den Christbaum zu schmücken. Die Christrose, lateinisch Helleborus niger, schafft drinnen wie draussen eine besondere Atmosphäre. Sie blüht um die Weihnachtszeit in schönster Pracht. Frost und Schnee stören sie nicht. Wild wächst die immergrüne Staude, die aus der Gattung der Nieswurze stammt und zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae) gehört, in der Schweiz nur noch an wenigen Standorten im Tessin. Die Christ- und Lenzrosen sind als Winterblüher für die Gartengestaltung unverzichtbar. Auch beim Hauseingang oder auf dem Balkon setzen ihre zarten Schalenblüten wochenlang farbige Akzente.
Laut einer Legende war die Christrose ein Geschenk für den neugeborenen Jesus. Eine Schäferin, die mit den Hirten zum Stall eilte, weinte unterwegs, weil sie kein Geschenk für das Baby hatte. Als sie ihre Augen trocknete, erblickte sie zu ihren Füssen eine wunderschöne Blume. Sie pflückte diese und erfreute damit die Heilige Familie.
Sogar die bekannte Schriftstellerin Selma Lagerlöf hat eine wundervolle Sage über einen Winterzaubergarten mit Christrosen geschrieben. In ihrer «Legende der Christrose» vertrieb Abt Johannes eine Räubermutter nicht aus dem Klostergarten, weil er sich um solcher Menschlichkeit vom Himmel reich belohnt sah.

Natürlicher Glücksbringer
Die roten Beeren und die dunkelgrünen Blätter der Stechpalme sind der winterliche Farbtupfer in unseren Gärten. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Süd- und Westeuropa. Aus der Stechpalme sind eine ganze Reihe Arten und Sorten hervorgegangen. Sie unterscheiden sich in Wuchs und Belaubung.
Die Stechpalme wurde während Jahrtausenden in vielen Ländern verehrt. Als die ersten Christen in Rom anfingen, Weihnachten zu feiern, benutzten sie schon damals Stechpalmenzweige zur Dekoration. Die Römer verschenkten die Zweige als Glücksbringer. Zu-dem sollten sie vor Krankheiten schützen. Heute sind die langhaltenden Stechpalmzweige mit ihren Beeren in der Weihnachtszeit als wundervolle Dekorationen sehr beliebt. 

Imposante Winterschönheit
Eine imposante Winterschönheit ohne Geschichte ist die Amaryllis (Hippeastrum). Bei richtiger Pflege blühen auf ihrem bis zu 70 Zentimeter langen Stiel drei bis sechs riesige sternförmige Blüten wochenlang. Vor allem faszinierend ist es zu erleben, wie sich aus der Riesenzwiebel die Pflanze entwickelt. Es braucht nichts weiter als einen Blumentontopf und gute Erde. Die Zwiebel wird so in die Erde gesteckt, dass mindestens ein Drittel aus der Erde ragt. Mit Raumwärme und ausreichend Licht zeigt sich die Pflanze innerhalb von drei bis sechs Wochen in ihrer ganzen Pracht.
Die Amarylliszwiebeln sind in vielen Farben in Blumengeschäften und in Supermärkten erhältlich.

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