Hilfe für Arbeitslose

Berufsberatung für über 50-Jährige

Zu zweit erreicht man mehr: Unter diesem Motto hilft der Verein Benevol Aargau Arbeitslosen ab 50 Jahren.

Da wird gelacht, gewitzelt, und über beiden Gesichtern liegt ein Strahlen. Für den Fototermin zupft Frankpeter Himmel noch schnell den farbigen Seidenschal von Bettina Schaefer zurecht. Bei dem Duo passte es – und das war genau das Erfolgsrezept. Die 51­-Jährige aus Windisch schwärmt: «Ich bin jetzt gerade von der Arbeit gekommen. Ich habe so viel Spass.» Im Mai 2018 sah das noch anders aus: Bettina Schaefer kündigte im gegenseitigen Einvernehmen ihre Stelle als Ver­waltungsleiterin bei einer Gemeinde. «Ich wusste, dass es schwierig wird, in meinem Alter wieder eine Stelle zu finden. Aber es war dann doch härter als erwartet.»

Sie hatte zwar immer wieder ein Vorstellungsgespräch, aber ein neuer Job sprang dabei nicht raus, erzählt Bettina Schaefer, die als Ausbildung unter anderem einen Master in Ge­schichte und ein Diplom im Manage­ment für Nonprofit-­Organisationen vorzuweisen hat. «Weil meine Be­werbungen erfolglos waren, suchte ich Hilfe. Ich brauchte einen Spar­ringspartner, der genau weiss, was ich tun muss», so die Windischerin im Rückblick.

Unkonventionelle Methode

Da kam nun Frankpeter Himmel ins Spiel – mit seiner Power, seiner Le­bensfreude, seiner Eloquenz. Seit rund einem Jahr engagiert sich der 58­-Jährige aus Bellikon als Mentor beim Projekt Tandem 50 plus, das der Aargauer Verein Benevol im Auftrag des Kantons Aargau durchführt. Ziel: Eine gut in der Arbeitswelt vernetzte Persönlichkeit hilft Arbeitslosen ab 50 Jahren dabei, wieder in den Ar­beitsmarkt zu kommen. «Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben», so Himmel zu den Gründen für sein frei­williges Engagement. So unkonventionell sich der Mann kleidet, eine Fliege ist sein Markenzeichen («Ich binde diese immer selber. Manchmal ein bisschen schräg, aber ich bin ja auch ein bisschen ein schräger Vo­gel»), so erfrischend war die Art und Weise, wie er Bettina Schaefer bei der Jobsuche an die Hand nahm.

Schlüsselwörter analysieren

Beim ersten Treffen analysierte Him­mel, der früher vor allem in der IT­ Branche tätig war, zweimal entlassen wurde, gleich das Stelleninserat, auf das sich Schaefer gemeldet hatte. Das Vorstellungsgespräch stand kurz be­vor. «Frankpeter hat mit mir sofort das anstehende Gespräch geprobt.» Das habe ihren ganzen Plan auf den Kopf gestellt, «und das war gut so. Ich war top vorbereitet». Worauf hat der Mann mit der Fliege damals geach­tet? «Es geht darum, dem Arbeitgeber zu zeigen, dass ich genau die Person bin, die er sucht», erzählt Himmel, «deshalb sollte man die wichtigen Schlüsselwörter im Inserat erkennen und genau auf die beschriebenen An­forderungen eingehen und sich als beste Lösung dafür anpreisen.» Die Taktik ging auf: Heute arbeitet Betti­na Schaefer in einer Teilzeitstelle für das Lernwerk in Vogelsang, das im Bereich Arbeitsintegration tätig ist – zudem will sie sich noch als systemische Beraterin selbstständig machen. Himmel, der heute selbstständig im Bereich Coaching, Mentoring und Teambildung und Reintegration in den Arbeitsbereich tätig ist und zu­sätzlich an einer Beratungsfirma be­teiligt ist, gibt ein weiteres griffiges Beispiel. Wer ein Auto kaufe, habe genaue Vorstellungen von Farbe, Innenausstattung oder Motorenleis­tung. «Kriege ich statt eines roten ei­nen pinken Wagen, bin ich enttäuscht, auch wenn der Rest stimmt. Das Glei­che gilt auch bei der Jobsuche. Der Arbeitgeber will genau den, den er sich vorstellt. Also zeige ich ihm ganz bewusst auf, dass ich das bin.»

Keine Bittsteller

Frankpeter Himmel ist ein Schnell­denker, ein Netzwerker, ein über­-den-Tellerrand-­Schauer und ein Macher. «Mit meiner Art habe ich im Berufs­leben oft angeeckt. Ich war aber immer ein Chef, der die Mitarbeiter durch Motivation und nicht strikte Vorgaben zum Erfolg gebracht hat.» Und Himmel weiter: «Schlussend­lich bin ich mir treu geblieben und habe nun einen Job gefunden, der mich ganz und gar erfüllt. Statt mich in einer Stelle immer verbiegen zu müssen, habe ich mich selbstständig gemacht.» Noch einen Tipp hat Him­mel parat, den auch Bettina Scha­efer während der Bewerbungsphase beherzigt hat: Als Arbeitsuchender solle man sich auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber bewegen. Denn es gebe ein gegenseitiges Interesse, als Jobsuchender sei man kein Bittstel­ler. «Nach dem Bewerbungsgespräch schnell ein Mail schreiben und sich dafür bedanken und nochmals zu­sammenfassen, was man der Firma bieten kann – das zeigt ehrliches Interesse und kommt an.» Bettina Schaefer nickt zustimmend – und wieder lachen beide.

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