Gesundheit

Ayurveda für jedermann

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Seit Jahren erfreut sich Ayurveda auch bei uns grosser Beliebtheit: Das steckt hinter dem Hype um die altindische Tradition.

Ayurveda – eine komplexe Heilkunst aus Indien, die sich mit allen Aspekten des Seins beschäftigt. Dazu gehören medizinische Aspekte, philosophische und psychologische Ansätze, aber auch spirituelle und soziologische Systeme. Ein breites Gebilde bestehend aus Unmengen an Regeln, das bei den meisten für Kopfschmerzen sorgt. Einen simplen Überblick zu bekommen, scheint für den Laien unmöglich. Doch gibt es ein paar wesentliche Grundsätze, die das Wohlbefinden ganz einfach steigern.

Ayurveda erfreut sich heute hierzulande an grosser Bekanntheit, wie Jakob Kohn (63), Ayurveda-Therapeut und Mitglied beim Verband Schweizer Ayurveda-Mediziner und -Therapeut (VSAMT), erklärt. «In der Schweiz gibt es immer mehr ein breites, schillerndes Angebot mit gut ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten.» Dabei habe sich in den vergangenen Jahren auch viel geändert: «Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeut auf Ayurveda kann man heute in der Schweiz als eidgenössisches Diplom machen, das ist ein wahnsinniger Fortschritt.»

Es muss nicht immer eine Kur sein

Dass das Angebot noch nicht so ausgeprägt ist, hänge unter anderem auch mit den Kosten zusammen. «Im Moment werden wir von vielen Krankenkassen noch weitgehend im Stich gelassen. Die Kosten für Einzelbehandlungen werden von einigen Zusatzversicherungen übernommen, für eine Kur werden aber von kaum einer Versicherung die Kosten getragen», erklärt Kohn. Und weil in der Schweiz die Kosten für Übernachtung und Betreuung sehr hoch seien, sei es aktuell noch schwierig, eine grosse Auswahl anzubieten. Im Ausland sehe das dagegen anders aus.

«Wir haben aber auch schon negative Berichte über Aufenthalte in beispielsweise Sri Lanka gehört. Die Sauberkeit ist an solchen Orten einfach nicht dieselbe. Wenn man eine Kur im Ausland machen will, sollte man sich vorab beim Verband oder bei einem Therapeuten in der Schweiz erkundigen. Wir können weiterhelfen.» Es muss aber nicht immer eine kostspielige Kur sein, kleine Angepasstheiten im Alltag könnten bereits helfen, um einen gesünderen Lebensstil anzustreben.

Was ist das Ziel von Ayurveda?

Das Ziel eines ayurvedischen Wegs ist dabei, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Man soll so leben, dass im Alltag eine gesunde Balance besteht. Dabei gelten Unterstützung und Prävention als Grundpfeiler: Denn es gilt, stets zu handeln, bevor der Körper erkrankt. Am wichtigsten sind Regelmässigkeiten und Mässigung, wie das Buch «Gesund und entspannt mit Ayurveda» von Sivananda Yoga Vedanta Zentrum beschreibt. Mit ayurvedischer Ernährung, spezieller Reinigung von Körper und Geist, Yoga-Übungen oder Selbstmassagen wird darin ausgeführt, wie Sie zu einem besseren Lebensstil gelangen. 

Die wichtigsten Grundlagen sind Routine und Mässigung. Ersteres bedeutet, jeden Tag zur selben Zeit den gleichen gesunden Gewohnheiten nachzugehen. Wenn Sie immer zur gleichen Zeit Ihre Mahlzeiten einnehmen und immer pünktlich zu Bett gehen, dann wird sich Ihr Körper daran gewöhnen und wissen, wann er sich für die jeweiligen Gewohnheiten bereit machen muss. 

Zur Mässigung gehört das Anstreben nach Ausgeglichenheit. Durch das Vermeiden von exzessiven Mahlzeiten oder störenden Schlafzyklen beugen Sie Ausschweifungen und schlussendlich Krankheiten vor.

Nichts geht über eine gründliche Reinigung

Eine ayurvedische Lebensweise steht immer mit Reinlichkeit des Körpers in Zusammenhang. Ein sauberer Körper sorgt für ein Gefühl von Wohlbefinden und fördert die Gesundheit. Besonders wichtig ist dabei die morgendliche Routine. Wenn Sie sich neue Gewohnheiten aneignen, ist es wichtig, diese nur Schritt für Schritt und langsam in Ihre gewohnten Regelmässigkeiten einzubinden. Laut des ayurvedischen Lebensstils sollten Sie langsam die folgenden Dinge in Ihre Morgenroutine einbauen, wenn diese noch kein Teil davon sind:

  • Zähne putzen: Eine gründliche Säuberung des Mundraums ist nicht nur für die Gesundheit wichtig, sondern sorgt sie auch für ein reinliches Gefühl.
  • Zunge reinigen: Der Belag, der sich über Nacht auf der Zunge ansammelt, sollte morgens gründlich mit einem Zungenschaber entfernt werden.
  • Darm leeren: Ein täglicher Stuhlgang gleich morgens wäre optimal.
  • Augen erfrischen: Bevor Sie das Gesicht waschen, die Augen mit etwas kaltem Wasser erfrischen und reinigen.
  • Nase reinigen: Der Schleim in Ihrer Nase sollte entfernt werden. Dies können Sie mit einer Mischung aus einem halben Teelöffel Salz und 240 Milliliter warmem Wasser – den Mix dafür in ein Neti-Kännchen geben und es von einem Nasenloch durch das andere laufen lassen.
  • Nasya anwenden: Massieren Sie einen Tropfen Sesamöl mit dem Finger in die Innenseite Ihrer Nasenflügel ein.
  • Ölziehen anwenden: Wenden Sie jeden Morgen eine Mundspülung bestehend aus ein bis zwei Teelöffel Sesamöl oder warmem Wasser an. Dafür die Flüssigkeit bis zu fünf Minuten im Mund hin- und herbewegen und sie anschliessend ausspucken.
  • Aromen inhalieren: Räucherstäbchen lindern die morgendliche Schwere. Düfte wie Sandelholz, Rose oder Weihrauch eigenen sich besonders gut.
  • Ölmassagen durchführen: Massieren Sie Ihren Körper mit Sesamöl.
  • Duschen oder baden: Seinen Körper sollte man täglich waschen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Gehen Sie für eine Umstellung auf eine ayurvedische Lebensweise schrittweise vor. Nehmen Sie dabei Änderungen an Ihrem Start und Ende des Tages sowie Ihren Mahlzeiten vor. Bauen Sie zudem Yoga-, Meditations- und Sporteinheiten in Ihren Alltag ein. 

Ihr Ziel ist es, frühzeitig, idealerweise gegen sechs Uhr, aufzustehen. Beginnen Sie Ihren Tag mit positiven Gedanken und führen Sie so viel Reinigungsprozesse wie möglich durch. Wenn Sie keine Zeit für ein warmes Frühstück haben – was in der heutigen Zeit häufig vorkommt – greifen Sie zu einem Glas warmem Wasser, das fördert den Stuhlgang. 

Beenden Sie Ihren Tag gegen 22 Uhr. Legen Sie sich um diese Zeit schlafen und versuchen Sie, vor dem Zubettgehen so wenig als möglich in Bildschirme zu starren. Nutzen Sie kein Handy, schauen Sie nicht fern oder bedienen Sie keinen Computer, bevor Sie sich zur Nachtruhe begeben.

Bei Ihren Mahlzeiten sollten Sie darauf achten, Ihre grösste Mahlzeit auf die Zeit zwischen zwölf und 14 Uhr zu legen, dann ist das sogenannte Verdauungsfeuer am aktivsten. Abends eignet sich eine Suppe, da diese leicht verdaulich ist. Rohkost oder Salate sollten Sie zu später Stunde vermeiden. Versuchen Sie, Ihre Mahlzeiten täglich zur selben Zeit einzunehmen.

Im Ayurveda geht es nicht darum, seine Ernährung möglichst nährstoffreich zu gestalten, sondern es steht besonders eine Komponente im Mittelpunkt: unsere Verdauung. Es geht auch darum, alle Ebenen unseres Körpers zu nähren und sättigen und nicht nur unsere physische Ebene zufriedenzustellen. Oft leidet unser Wohlbefinden unter «gesundem» oder «kalorienarmen» Essen. 

Yoga- oder Meditationsübungen können Sie gut in Ihren Alltag einbauen. Bereits zehn Minuten Entspannungs- oder Atemübungen an Ihrem Arbeitsplatz können helfen, Ihre Ausgeglichenheit zu fördern. 

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