Ratgeber Gesundheit

Wenn Emotionen täglich überborden

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Unsere dreissigjährige Schwiegertochter bekommt bei den geringsten Anlässen Wutausbrüche. Zudem ist sie sehr misstrauisch und macht unserem Sohn haltlose Vorwürfe. Auch hat sie schon davon geredet, sich das Leben zu nehmen. Wiederholt hat sie sich mit einer Rasierklinge in die Unterarme geschnitten. Schliesslich hat sie bei einem Psychiater Hilfe geholt, der eine Borderline-Störung diagnostiziert hat. Was bedeutet diese Diagnose und was kann man da machen?

Menschen mit einer emotionalinstabilen Persönlichkeitsstörung, bekannter unter dem Namen Borderline-Störung, haben grosse Probleme, ihre Emotionen zu regulieren. Dies wirkt sich erschwerend auf das Zwischenmenschliche und auf die Selbstwahrnehmung aus. Ungünstige Entwicklungsbedingungen im nahen Umfeld und im Wechselspiel mit der Neigung zu starker Emotionalität bilden einen entscheidenden Faktor der Borderline-Störung. Häufig berichten Patienten über frühe psychische Traumatisierungen wie Missbrauch oder Vernachlässigung. Viele Betroffene leiden unter starkem Selbsthass und dem Gefühl, anders zu sein. Sie neigen ausserdem zu Extremen. Unrealistische Idealisierungen des Gegenübers schlagen dabei in ebenso unrealistische Verachtung um. Sie nehmen Emotionen oft als heftige innere Anspannung wahr. Daraus folgen selbstschädigende Versuche, diese Anspannung zu reduzieren, z. B. durch Selbstverletzungen. Auch Suizidalität ist dabei ein häufiges Thema. Für die Behandlung eignet sich besonders die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT). Die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) führen sie auf einer dafür spezialisierten Psychotherapiestation durch. Im Therapieprozess finden die Betroffenen mithilfe der Therapeuten Problemlösungen und erlangen im Lebensalltag Handlungsalternativen. Insbesondere gelingt es ihnen, zwischenmenschliche Situationen realistischer einzuschätzen und belastende Gefühlszustände zu bewältigen. Ein stationäres DBT-Programm schliesst die Behandlung nicht ab, sondern ist Teil eines meist mehrere Jahre dauernden therapeutischen Prozesses. Auch wenn akute Krisen dramatisch verlaufen können, ist die langfristige Prognose unter Therapie günstig. Informationen und Anmeldung unter: E-Mail dbt@pdag.ch, Tel. 056 462 26 53, www.pdag.ch.

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