Ratgeber Gesundheit

«Palliative Care» für meine Schwester?

Dr. med. Priska Bützberger
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Meine Schwester (74) ist Krebspatientin in fortgeschrittenem Stadium. Gemäss den Ärzten besteht keine Aussicht auf Heilung. Ich betreue meine Schwester, da sie keine Familie hat. Wie können wir die verbleibende Zeit möglichst schmerzfrei gestalten? Was für Möglichkeiten bietet «Palliative Care?»

Ist eine Krebserkrankung nicht mehr heilbar, kann dennoch medizinisch viel getan werden mit dem Ziel, möglichst lange eine gute Lebensqualität aufrechtzuerhalten. Manchmal kann eine «palliative» Chemotherapie den Krebs eine Zeit lang zurückdrängen. Je nach Situation können andere Medikamente oder eine Bestrahlung eine Besserung erzielen. Ob eine gegen den Krebs gerichtete Therapie für Ihre Schwester in Frage kommt, besprechen Sie am besten mit dem Hausarzt und einem Onkologen.   Kann der Krebs selber nicht mehr behandelt werden oder wenn Ihre Schwester eine solche Behandlung nicht möchte, wird alles daran gesetzt, Beschwerden wie Schmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Atemnot aber auch Angst gut zu behandeln. Eine palliativmedizinische  Beurteilung prüft, welche Beschwerden Ihre Schwester hat, aber auch, mit welchen Beschwerden im Verlauf gerechnet werden muss. Es können Medikamente zum Einsatz kommen, spezielle schmerzmedizinische Massnahmen, aber auch andere Formen der Unterstützung. Schmerzen sind in dieser Situation nicht nur körperlich bedingt, sondern können auch Ausdruckvon seelischem Schmerz sein oder von Trauer über den bevorstehenden Abschied. Gespräche in der Familie oder mit Aussenstehenden (Pflegenden, Ärzten, Psycho-Onkologen, Seelsorgern) können helfen.   In der «Palliative Care» wird besprochen, welche Entscheidungen anstehen, etwa für oder gegen eine Therapie oder darüber, ob es zu Hause weiterhin «geht». Dazu kommt die «vorausschauende Planung». Was soll getan werden, wenn die Krankheit fortschreitet oder Komplikationen auftreten? Ist eine Spitaleinweisung erwünscht? Soll auf lebensverlängernde Massnahmen verzichtet werden? Wer ist Ansprechpartner für wichtige Entscheidungen, falls Ihre Schwester nicht mehr selber Auskunft geben kann? Dies kann im Rahmen einer Patientenverfügung festgehalten werden.   Geschaut wird, welche Unterstützung Ihre Schwester, aber auch Sie brauchen. Gibt es Leute, die Ihre Schwester mitbetreuen und Sie dadurch entlasten? Soll die Spitex zugezogen werden? Gibt es finanzielle Engpässe? Braucht es Hilfsmittel wie Spitalbett, Rollstuhl? Wen können Sie bei Problemen anrufen? Das kann der Hausarzt oder ein Krebsspezialist sein (im Aargau gibt es auch die Onkologie- Spitex). Letztlich ist auch wichtig, wie und wo Ihre Schwester sterben möchte. Wenn jemand bereits weiss, dass er im Hospiz sterben möchte, empfiehlt es sich, dort einen Besuch zu machen. Für weitere Informationen: www.palliative-aargau.ch.

Autor

Dr. med. Priska Bützberger

Dr. med. Priska Bützberger

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