Ratgeber Gesundheit

«Das emotionale Alter muss mitberücksichtigt werden»

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Unser erwachsener Sohn ist geistig behindert und autistisch. Bisher hat er zufrieden in einer betreuten Wohngruppe gelebt, aber in den letzten zwei Monaten hat er angefangen, sich in die Hand zu beissen und mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen. Was können wir tun? Herr H. M. aus A.

Erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung (neu: intellektuelle Entwicklungsstörung, IE) zeigen häufig ein Verhalten, das für das Umfeld belastend sein kann. Selbst verletzendes Verhalten tritt in ca. 30 Prozent der Fälle auf, v. a. wenn zusätzlich ein Autismus besteht. Selbstverletzung kann zu ernsthaften medizinischen Problemen führen, zu Ablehnung durch das Umfeld und zu sozialer Isolation.

Selbstverletzendes Verhalten kann viele Ursachen haben. Körperliche oder psychische Krankheiten, Frustrationen im Alltag und unerwartete Veränderungen im Tagesablauf können eine Rolle spielen. Wissenschaftliche Studien haben zu dem gezeigt, dass der emotionale Entwicklungsstand der Betroffenen einen grossen Einfluss hat: Je niedriger, desto wahrscheinlicher wird selbstverletzendes Verhalten. Menschen mit IE sind eben nicht nur in ihrem Denken, sondern auch in ihrem Fühlen oft noch nicht ihrem Alter entsprechend entwickelt. Ein erwachsener Mann mit IE und Autismus kann durchaus noch die emotionalen Bedürfnisse eines Kleinkindes haben. Ein tiefes Verständnis und eine nachhaltige Veränderung seines Verhaltens sind nur dann möglich, wenn sein «emotionales Alter» mitberücksichtigt wird.

Bei selbst verletzendem Verhalten ist eine gründliche Abklärung empfehlenswert. Im Zentrum für Neuropsychiatrie der PDAG wird herausforderndes Verhalten mit medizinischen, psychologischen und sozialpädagogischenMethoden angegangen und zusammen mit den Betroffenen und ihrem Umfeld werden alltagstaugliche Lösungsansätze entwickelt. Oft sind es einfache Massnahmen, die den Patientinnen und Patienten und ihren Familien weiterhelfen können.


Hinweis
Weitere Informationen unter T: 056 462 24 20, neuropsychiatrie@pdag.ch, www.pdag.ch

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