Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, war alles anders. Düster. Krebs! «Ein Zufallsbefund», erzählt Dana Mach, die Mutter von Paul. Am Morgen war die Welt noch in Ordnung. Auch der Gang zur in der Regel wenig aufregenden Untersuchung bei der Kinderärztin: Routine. Doch sie stellte fest, dass Pauls Leber und Milz vergrössert waren. Mit Verdacht auf Leukämie überwies sie den Dreijährigen umgehend zur genaueren Abklärung ins Kantonsspital Aarau. «Wir nehmen die Kinder sofort an, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ein ausgebildeter Onkologe ist immer verfügbar. », sagt Dr. med. Andreas Klein- Franke, Oberarzt an der Klinik für Kinder und Jugendliche, spezialisiert auf Kinderonkologie. Der Verdacht der Kinderärztin bestätigte sich: Paul hat akute lymphatische Leukämie (ALL).

Vertrauen aufbauen
«Für Familien ist ein solcher Befund ein Schock», weiss Klein-Franke, «wie wenn ihnen der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Nichts ist mehr wie zuvor.» Die Mutter erinnert sich: «Die ersten Stunden wussten wir nicht was sagen. Wir hatten Angst, dachten, Leukämie sei unheilbar.» Dank langer Gespräche und gründlicher Aufklärung hätten sie sich bald beruhigt. «Wir wurden und werden offen und sehr genau darüber aufgeklärt, was mit Paul gemacht wird. Wir fühlen uns hier gut aufgehoben. Die Rundumbetreuung von Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeitern, Psychologen, Ernährungsberatern – das habe ich so nicht erwartet.» Der Leiter der Klinik für Kinder und Jugendliche, Chefarzt Prof. Dr. med. Henrik Köhler, sagt: «Am Anfang geht es darum, die Familien aufzufangen und Vertrauen aufzubauen. Allzu viele Details können die Betroffenen in einer solchen Ausnahmesituation meist nicht aufnehmen.»

Leukämie ist meist heilbar
«Leukämie ist in den meisten Fällen heilbar», sagt Oberarzt Klein-Franke. «Die allermeisten Kinder – rund 90 Prozent – werden wieder gesund. Ziel ist, dass sie so gesund werden, dass sie nach der Therapie ein völlig normales Leben führen können.» Dieses Ziel werde fast immer erreicht; 98 Prozent der Genesenen können laut dem Oberarzt ihr Leben ohne jegliche Beeinträchtigung führen. «Damit die Therapie erfolgreich ist, braucht es ein kompetentes, interprofessionelles Team, das die Familien intensiv begleitet», betont er. «Wir gehen mit den Familien eine lange Zeit durch dick und dünn.» Zehn Tage, bis zum Verschwinden des grössten Teils der Leukämie, wurde Paul stationär behandelt. Seither erfolgt die Chemo überwiegend ambulant: einen halben Tag pro Woche muss der Bub zur Zeit ins KSA. «Paul kommt gerne, es geht ihm gut hier», sagt seine Mutter, während er eifrig konzentriert mit Legosteinen baut. «Am Anfang wollte er sogar bleiben. Die Betreuung ist sehr gut und es gibt hier viel Abwechslung. » Wobei, wirft Klein-Franke ein, die kleinen Patienten, wenn immer möglich, von den immer gleichen Ärzten und Pflegefachfrauen betreut werden. «Das gibt ein gewisses Mass an Vertrauen und Geborgenheit.» Er sitze hier als Vertreter eines Teams, betont er Oberarzt erneut. Zu diesem Team zählen unter anderem drei Fachonkologen speziell für Kinder und Jugendliche, Pflegefachpersonen, Psychologen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Ernährungsberaterinnen, eine Kindergärtnerin und Lehrerinnen. Ziel sei es, so Klein-Franke, dass die Kinder nach der Therapie wieder in ihre alte Klasse können. Das gelinge meistens.

Möglichst viel Normalität
«Wir versuchen, so viel Normalität wie möglich zu erhalten», fährt der Kinderonkologe fort. Dazu brauche es auch die gute Zusammenarbeit mit den Eltern. «Sie und wir haben dasselbe Ziel – die Heilung des Kindes. Der Weg dahin ist lang und durchaus auch mühsam. » Es sei wichtig, die Familien gut darauf vorzubereiten, was auf sie zukommt. «Bei uns wird offen und ehrlich kommuniziert. Ehrlichkeit ist absolute Grundvoraussetzung. Sonst ist das Vertrauen dahin.» Für sie hilfreich, so Mach, sei auch der Austausch mit anderen betroffenen Familien und der Kontakt zu ihrer Mentorin von der Kinderkrebshilfe. Paul kann die Chemotherapie voraussichtlich im März abschliessen. Danach muss er eineinhalb Jahre lang täglich Tabletten nehmen (um den Heilungserfolg zu sichern) und einmal pro Woche ins KSA zur Untersuchung. «Wir werden Paul darüber hinaus begleiten», sagt Klein-Franke. «Wir wollen Rückfälle oder Nebenwirkungen der Medikamente möglichst früh erkennen und behandeln. Für Kinder mit neurologischen, endokrinologischen oder orthopädischen Problemen bieten wir interdisziplinäre Sprechstunden an. Das habe ich an keiner anderen Klinik erlebt.» Eine optimale Nachsorge daure mindestens zehn Jahre, sagt der Experte. So weit in die Zukunft mag Dana Mach noch nicht schauen. «Wir hoffen », sagt sie, «dass Paul die Chemo gut abschliesst und er gut auf die Erhaltungstherapie anspricht. Und dass er dann in den Kindergarten gehen und in normales Leben führen kann.»

Autor: Andreas Krebs

Onkologiezentrum Mittelland: Alle Kräfte sind gebündelt

Das KSA zertifiziert eines der grössten Krebszentren der Schweiz

Das Kantonsspital Aarau (KSA) hat sich in den letzten 25 Jahren zum grössten kompletten Krebszentrum im Mittelland entwickelt. Alle rund 200 unterschiedlichen Krebsarten können heute im KSA diagnostiziert und behandelt werden. Nun haben sich die vielen Spezialisten, die für eine umfassende und erfolgreiche Betreuung von Krebskranken notwendig sind, zum «Onkologiezentrum Mittelland» (OZM) zusammengeschlossen. Neu organisiert und mit vereinten Kräften bietet das KSA  Expertise und Unterstützung. Leiterin des OZM wird Frau Dr. phil. nat. Martha Kaeslin Meyer.  «Krebsbehandlungen sind immer Aufgabe eines grossen Teams aus  vielen Fachrichtungen », sagt Prof. Dr. Christoph Mamot, Chefarzt der Abteilung Onkologie und Vorsitzender der  Steuerungsgruppe OZM. Medizinische  Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten hätten sich in den letzten Jahren gewaltig erweitert.  Nur mit vereinten Kräften könnten die grossen Fortschritte den Patienten rasch, vollständig und sicher zugutekommen, so Mamot. «Nun können wir die Tätigkeiten und Stärken der vielen involvierten Spitalabteilungen noch  besser aufeinander abstimmen und nutzen und so dem Patienten einen individuellen, zusammenhängenden und überschaubaren Weg durch den komplexen Spitalbetrieb bieten.» Das Krebszentrum unterzieht sich permanent einer strengen externen Prüfung durch die Deutsche Krebsgesellschaft.  «Diese unabhängige Zertifizierung des OZM ist für unsere Qualität und Effizienz wichtig», sagt Mamot. «Für den Patienten soll sie eine Garantie sein, dass er zeitgerecht von den stetigen Fortschritten der Medizin profitiert und dass ihm das KSA in der Art und Weise hilft, wie er sich das in der schwierigen Zeit der Krankheit wünscht.» (PD)