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Eltern sollten Warnsignale erkennen

Wann gehe ich zum Arzt – und was kann ich zu Hause behandeln? – Diese Fragen beantwortet KSB-Kinderärztin Dörthe Harms am 27. 11. 2018 um 19.30 Uhr an einer Infoveranstaltung im KSB.

Wann gehe ich zum Arzt – und was kann ich zu Hause behandeln? – Diese Fragen beantwortet KSB-Kinderärztin Dörthe Harms am 27. 11. 2018 um 19.30 Uhr an einer Infoveranstaltung im KSB.

Wann sollte ich mit meinem Kind zum Arzt? Was kann ich zu Hause behandeln? Dörthe Harms, Leitende Ärztin Pädiatrie am Kantonsspital Baden (KSB), erklärt, wie Eltern Notfälle erkennen können

Frau Harms, täuscht der Eindruck oder nehmen Notfallkonsultationen tatsächlich stetig zu? Als ich vor 15 Jahren im KSB anfing, kamen im Jahr rund 3500 Kinder zu uns; jetzt liegen wir beim Vierfachen. Um diese Zunahme zu bewältigen, haben wir das Pflege- und Ärzteteam vergrössert sowie neue Strukturen geschaffen. Trotzdem müssen Patienten heute auch manchmal länger auf die Behandlung warten, wenn viele Kinder gleichzeitig in der Notaufnahme sind.

Sind darunter auch leichte Fälle? In der Tat kommen auch viele Patienten mit Symptomen oder Erkrankungen zu uns, die ein Kinder- oder Hausarzt problemlos am nächsten Tag hätte beurteilen können. Die Eltern machen sich aber meist ernsthafte Sorgen, sie suchen schnelle Hilfe – und die Notfallstation für Kinder ist jederzeit verfügbar. Zudem haben einige unserer Patienten keinen Kinder- oder Hausarzt mehr, denn es kann schwierig sein, einen solchen zu finden.

Kommt es auch vor, dass Sie einen Patienten als Bagatellfall einstufen und wieder nach Hause schicken? Nein, das tun wir nicht. Wir behandeln alle Patienten. Die Reihenfolge der Behandlung richtet sich allerdings nach der Schwere der Erkrankung und nicht nach dem Zeitpunkt des Eintreffens. Daher gehen manche Familien ohne Konsultation wieder nach Hause, da sie nicht warten wollen.

Wer soll also tatsächlich zu Ihnen ins Notfallzentrum kommen? Im Idealfall kommen Patienten zu uns, die akut schwer erkrankt sind und sofortige Hilfe brauchen. Oder solche, die bereits bei einem Kinder- oder Hausarzt waren und uns für weitere Abklärungen oder Therapien zugewiesen wurden. Wir kümmern uns also um akute Notfälle und weisen die Patienten dann wieder dem Kinderarzt zu. Denn dank kontinuierlicher Betreuung des Kindes und der Familie hat dieser einen viel umfassenderen Überblick als wir. Für Abklärungen chronischer Beschwerden, für Impf- oder Ernährungsberatung oder für Entwicklungsbeurteilung sind wir nicht die richtige Anlaufstelle.

Und wann ist ein Fall so akut, dass er bei Ihnen richtig ist? Ein Beispiel: Ein Zwölfjähriger prallt bei einem Fussballmatch heftig mit einem Gegenspieler zusammen und bleibt liegen. Sein grosser Zeh schmerzt extrem. In diesem Fall sollte man die Situation erst einmal beobachten, dem Jungen ein Schmerzmittel geben und den Fuss kühlen. Wenn die Beschwerden nicht besser werden oder sogar zunehmen, sollte nach ein bis drei Tagen der Kinderarzt aufgesucht werden oder – falls dieser nicht erreichbar ist – der Kinder- Notfall. Wenn sich am Ende doch herausstellt, dass der Zeh gebrochen ist, beeinflusst es die Heilung nicht, dass man die ersten Tage zugewartet hat.

Zweites Beispiel: Drei Stunden nach dem Zusammenstoss klagt derselbe Patient über starke Kopfschmerzen und Übelkeit. Falls der Junge bei vollem Bewusstsein ist, normal reagiert, spricht und sich normal bewegt, kann man abwarten und erst einmal ein Schmerzmittel geben. Wenn nach dem Schmerzmittel die Beschwerden nicht besser werden oder sogar Brechreiz auftritt, sollte er von einem Arzt untersucht werden. Das heisst, zuerst wieder vom Kinderarzt. Ist dieser nicht erreichbar, gehört dieser Junge ins Kinder-Notfallzentrum eingewiesen.

Drittes Beispiel: Die Tochter hat eine schwere Angina und das Fieber steigt über 40 Grad. Hat das Mädchen keine schweren Grunderkrankungen wie etwa einen Herzfehler, kann auch hier erst einmal ein Medikament gegen Fieber und Schmerzen gegeben werden. Sinkt damit das Fieber für einige Stunden und nehmen die Schmerzen ab, kann man die Situation zu Hause beobachten und das Mädchen je nach Zustand erst am nächsten Tag zum Kinderarzt bringen.

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