Suche nach Sonne
Es gibt ausgesprochene Sonnenanbeter unter den Pflanzen, welche an heissen Standorten zur Hochform aufwachsen. Sie gedeihen umso besser, je wärmer ihr Zuhause ist – am liebsten lehnen sie sich an Südwände oder liegen auf grösseren Steinen, welche die Wärme bis tief in die Nacht hinein speichern. Einige der aromatischsten Kräuter tanken sich voll mit dieser Sonnenwärme und so können wir Rosmarin, Thymian und Salbei in Hülle und Fülle ernten. Sie lieben die sonnendurchflutete Gartenecke und durchlässige Böden, dieser Standort findet sich entlang des Hauses an der Süd- oder Westseite. Oft ist der Rosmarin nur an diesen geschützten Lagen fähig, manchen Winter zu überstehen und immer buschiger zu werden. Auch einige einheimische Wildkräuter entwickeln in dieser Gluthitze ihr Aroma: die Pfingstnelke mit ihren essbaren Blüten, welche unvergleichlich süss nach tiefdunkler Vanille duften, oder die kleine Tripmadam (Sedum reflexum) mit ihren saftigen Triebspitzen, welche dem Salat eine exquisite Frische verleihen. Für herben Blattduft sorgt der im Wallis heimische Ysop, seine tiefblauen Blüten sind ein wahrer Wildbienenmagnet. Ihr Liebe zur Sonne bereits im Namen tragen Sonnenblume, Sonnenflügel und Sonnenbraut.

Unsichtbares Farbspektakel
Das Sonnenlicht strahlt im Bereich des sichtbaren Lichtes am stärksten, doch es gibt auch Strahlen, welche wir nicht sehen, dazu gehören die ultraviolette und die infrarote Strahlung. Viele Blüten locken Wildbienen an, indem sie ultraviolettes Licht reflektieren. Im vielen Grün der Blätter und Gräser leuchten solche Blüten heraus und die Wildbienen vermögen sie spielend zu finden. Die ultraviolette Strahlung ist für unsere Augen nicht erfassbar, doch mit einem Trick lässt sie sich erfahrbar machen: Die Blütenblätter enthalten Stoffe, welche durch das ultraviolette Licht angeregt werden und dann selber zu leuchten (fluoreszieren) beginnen. Mithilfe einer speziellen UV-Taschenlampe lässt sich der Lichtzauber des eigenen Gartens entdecken: Nieswurz, Blausternchen, Mohn oder Sonnenbraut (Abbildung) fluoreszieren im Licht der UV-Taschenlampe. Am besten, man geht auf einen Streifzug durch den Garten und schneidet verschiedenste Blüten ab, stellt sie ein, verdunkelt das Zimmer und strahlt sie mit der UV-Taschenlampe an.

Im ultravioletten Licht zeigt sich die Sonnenbraut Moerheim Beauty von einer unbekannten Seite

Im ultravioletten Licht zeigt sich die Sonnenbraut Moerheim Beauty von einer unbekannten Seite

Schattensucher
Ganz im Gegensatz dazu fliehen einige Blütenstauden vor der brennenden Sonne und zeigen nur an schattigen Orten ihre volle Schönheit. Sie brauchen kaum Licht und gedeihen im Halbdunkel entlang der Nordseite von Hecken, an der luftfeuchten Nord- und Ostseite des Hauses oder unter grossen Bäumen. Ihre Blütenfarben sind dezent, ein sanftes Gelb, Weisssilber oder ein Hauch von Rosa – doch genau diese hellen Farben leuchten im dunklen Schatten auf und machen sie für ihre Bestäuber sichtbar. Sie werden gerne von Hummeln, Faltern und Schwebfliegen aufgesucht. Der dankbare Waldmeister (Galium odoratum) blüht Ende April, Anfang Mai und bildet lockere Teppiche unter Sträuchern und Bäumen. Die nach Heublumen duftende Waldmeisterbowle lässt sich aus den knospigen Blütenständen zubereiten. Sein hübsches, filigranes Laub ist auch ohne Blüten sehr attraktiv und übersteht trockene Zeiten im Sommer ohne Probleme. Der Waldmeister lässt sich gut mit der stattlichen Waldsalbei (Salvia glutinosa) kombinieren, sie bildet grosse, dreieckige Blätter aus und erblüht im späten Sommer zartgelb. Ihre Salbeiblüten schmecken herb-zitronig und bringen Pepp in eine sommerliche Salatschüssel. An eher feuchten und kühlen Standorten dagegen steht die genügsame Wilde Mondviole (Lunaria rediviva). Sie wird mit den Jahren immer schöner und benötigt gut 1 m2 Platz, um ihre grossen Blätter und die langen, leicht überhängenden Blütenstände auszubilden. Aus ihren weissbis zartvioletten Blüten lassen sich wunderbar duftende Blumensträusse binden – und sie bedankt sich erst noch mit einem zweiten Flor. Im Herbst verwandeln sich die bestäubten Blüten in zart schimmernde und halbmondförmige Samenschoten. Ihr naher Verwandter, der zweijährige Silberling (Lunaria annua) steht gerne halbschattig. Einmal im Garten geblüht, sät er sich gerne aus und taucht immer wieder mal auf. Der Silberling blüht rotviolett und bildet grosse, runde, im Mond schimmernde Samenschoten aus.

Ein Ligusterschwärmer kurz vor dem Abtauchen in die weiss überhauchten Blüten der Petunien

Ein Ligusterschwärmer kurz vor dem Abtauchen in die weiss überhauchten Blüten der Petunien

Nachtschwärmer
Viele dieser Halbschatten liebenden Blütenpflanzen beginnen erst abends zu blühen, sie beglücken mit ihren vielfältigen Düften und erlauben Beobachtungen von heimlichen nächtlichen Besuchern. Manchmal begegnet man ihnen an lauwarmen Sommerabenden auf der Terrasse, wenn der zitronige Duft der Engelstrompeten in die Nase steigt und die Petunien süss duften. Abends duften nur die weiss überhauchten Petunien (Petunia axillaris), sie haben den süssen Nektar besonders gut in ihren Blüten versteckt. Der zuckerhaltige Saft befindet sich am Grund von gut 2–3 cm langen Röhrchen – nur zugänglich für Insekten, welche lange Saugrüssel besitzen, und das sind vor allem die Nachtfalter. Zu diesen gehören auch die verschiedenen Schwärmer, sie fliegen beim Eindunkeln und lassen sich neben den hellen Blütenfarben auch vom Duft leiten.