Wirtschaft

Walliser sehen sich als Opfer der Nation

Als wären die «Lex Weber» und das revidierte Raumplanungsgesetz nicht genug: Der Standortabbau der Armee trifft das Wallis hart. CVP-Präsident Darbellay sieht seinen Wohnkanton als «Opfer der Nation».

Die Armee will künftig auf mehrere Standorte im Bergkanton verzichten. So sollen Kampfjets nicht mehr auf dem Flugplatz Sitten starten oder landen. Dies ist in jüngster Zeit bereits der dritte Entscheid auf Bundesebene, den das Wallis hart trifft. Ein schwerer Brocken, den die Walliser nicht schlucken wollen – so schwer, dass sogar die «Grüezini» ennet dem Alpennordhang Mitleid zeigen.

Sitten will Jetlärm nicht

«Ein Unglück kommt selten allein», resümiert der Walliser Sicherheitsdirektor Oskar Freysinger trocken. Ihn und seine Regierungskollegen erwischt der Entscheid aus Bern auf dem falschen Fuss: «Der Staatsrat ist sehr überrascht», so der Regierungspräsident Maurice Tornay. Überraschend, weil die Regierung den Sittener Flugplatz stets unterstützt habe. Tornay hadert und hofft zugleich: «Es bringt uns in grosse Schwierigkeiten. Wir werden uns aber für einen Kompromiss einsetzen.» Gar als «Opfer der Nation» bezeichnet CVP-Präsident Christophe Darbellay seinen Wohnkanton.

Den Kopf hinhalten muss nun allen voran der Sittener Stadtpräsident Marcel Maurer. «Wir bedauern die kompromisslose Haltung der Gemeinde Sitten», so Regierungspräsident Tornay. Deutlicher wird Freysinger: «Sitten hat sich selber ein Ei gelegt. Wir signalisierten Bern stets, dass wir eine Kampfjet-Staffel behalten möchten. Ständig funkten die Sittener Behörden dazwischen.»

Doch Maurer will sich den Schwarzen Peter nicht zuschieben lassen. Als Präsident einer Stadt, die von der Armeeführung vorher nie konsultiert worden sei, lasse er sich solche Vorwürfe nicht bieten, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Maurer weiss den Willen der Sittener Bevölkerung hinter sich. 2008 stimmten 56  Prozent der Initiative von Franz Weber «Gegen Kampfjetlärm in touristischen Zonen» zu, während das übrige Wallis Nein sagte.

Doch ausserhalb der Stadt brodelt es: Staatsratspräsident Tornay spricht von bis zu 4000 gefährdeten Arbeitsstellen, allein wegen der Zweitwohnungsinitiative. CVP-Präsident Darbellay sieht im Zusammenhang mit der Schliessung des Flugbetriebs weitere 150 Stellen in Gefahr, darunter Ausbildungsplätze für hoch qualifizierte Lehrberufe. Niemals könne die von der Armeeführung geplante Ausbildungsstätte für Militärpolizisten einen solchen Wegfall kompensieren.

Das Wallis als Naturpark

Arbeitsplätze sind das eine, die am Militärflugplatz hängenden Wirtschaftszweige das andere. Und nicht zuletzt wohl auch der zivile Flugbetrieb, der bisher dank der Armee günstig aufrechtzuerhalten war. «Das Wallis ohne Flugplatz – dann sind wir nach der Zweitwohnungsinitiative und dem Raumplanungsgesetz definitiv eine Randregion», sagt Freysinger. Darbellay doppelt nach: «Wirtschaftlich nimmt man uns so die Substanz. Wir träumen aber nicht von Geldern aus dem Finanzausgleich, sondern erwarten Rahmenbedingungen, sodass wir selber erfolgreich wirtschaften können.»

Einbussen der Bauwirtschaft, ein auf die Walliser Maiensässe zurückkehrender Wolf und nun soll auch noch der Lärm startender Düsenjets verschwinden – «man kann das Wallis doch nicht in einen Naturpark umwandeln», mahnt Freysinger.

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