Strassenentwicklung

So will der Kanton die Zentren von Baden und Brugg entlasten

Erhöhtes Verkehrsaufkommen an der Neumarkt-Kreuzung in Brugg, wo Strassen aus vier Richtungen zusammenkommen, darunter auch viel Verkehr aus dem Unteren Aaretal. Alex Spichale

Erhöhtes Verkehrsaufkommen an der Neumarkt-Kreuzung in Brugg, wo Strassen aus vier Richtungen zusammenkommen, darunter auch viel Verkehr aus dem Unteren Aaretal. Alex Spichale

Für 1 Milliarde Franken hätte der Baldeggtunnel einst Baden und Brugg vom Verkehr entlasten und das Zurzibiet besser anbinden sollen. Stattdessen setzt der Kanton jetzt auf ganz andere Lösungen. Sie kosten nicht mehr, sollen aber mehr nützen.

Vor zwei Jahren hat die Regierung das Projekt eines Baldeggtunnels in Baden mit einem Paukenschlag beendet. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis, sagte der frischgewählte Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger.

«Die Erreichbarkeit ist ein wichtiges Gut»: Regierungsrat Attiger über die Grundgedanken hinter dem Verkehrsprojekt «Oase».

«Die Erreichbarkeit ist ein wichtiges Gut»: Regierungsrat Attiger über die Grundgedanken hinter dem Verkehrsprojekt «Oase».

Der Tunnel hätte die Agglomerationen Baden und Brugg entlasten und die Anbindung des Unteren Aaretals bewirken sollen. Die Ziele gelten heute unverändert, doch die Lösungsansätze sind neu. Gestern hat Baudirektor Attiger in Windisch mit seinen Spezialisten fünf Lösungsvorschläge für den Ostaargau präsentiert. Sie segeln unter dem Begriff Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase) und sind aus zehn Varianten hervorgegangen. Darin ist der erwartete Einwohner- und Verkehrszuwachs bis 2040 bereits eingerechnet.

Attiger betonte, man setze auf ein Gesamtkonzept, bei dem der motorisierte Individualverkehr (Autos), der öffentliche Verkehr sowie der Langsamverkehr (Velos und Fussgänger) aufeinander abgestimmt werden. Für Baden schlagen die Planer drei Lösungsmöglichkeiten vor, für Brugg zwei. Die Varianten sind nicht parzellenscharf ausgearbeitet, sie können im schraffierten Bereich noch ändern.

Zurzibiet wird besser angebunden

Dazu können die betroffenen Regionen und die Bevölkerung in den nächsten drei Monaten Stellung nehmen. Das gilt ebenso für die Vorschläge zur Anbindung des Unteren Aaretals/des Zurzibiets. Der Kanton schlägt dafür eine Umfahrung Station Siggenthal vor, um dort ein Knotenproblem zu lösen. Zudem will er eine neue Brücke in Koblenz bauen.

Attiger: «Die Brücke wollen wir aber vom Oase-Verfahren abtrennen, denn dafür müssen wir uns mit Deutschland abstimmen.»

Damit das Konzept Oase funktioniert, setzt der Kanton voraus, dass zuvor die Angebots- und Infrastrukturausbauten auf der Schiene im Aargau, der Ausbauschritt «Step 2030» der SBB sowie der Ausbau der A 1 zwischen Aarau Ost und Birrfeld auf sechs Spuren erfolgen. Auch der Bau der Limmattalbahn bis Killwangen-Spreitenbach ist berücksichtigt.

Von dort gebe es sicher einen Busvorlauf bis Baden. Sollte die Bahn selbst bis dorthin verlängert werden, könnte man sie über die Badener Hochbrücke führen, sofern diese bis dann dem öV und Langsamverkehr vorbehalten ist. Für den Autoverkehr schlägt der Kanton in zwei Varianten den Bau einer zusätzlichen Limmatbrücke vor.

Laut Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung im Baudepartement, sind alle vorgeschlagenen Varianten technisch realisierbar. Auch das Umweltrecht sei berücksichtigt, sagte er mit Blick auf das geschützte Wasserschloss. Ziel ist, bis im Frühling je eine Variante für die drei Regionen zu definieren. Sobald die vom Grossen Rat im Richtplan festgesetzt sind, kann der Kanton mit Planen beginnen.

«Zuverlässiger, nicht schneller», Felix Binder, Präsident Planungsverband Zurzibiet, spricht für seine Region.

«Zuverlässiger, nicht schneller», Felix Binder, Präsident Planungsverband Zurzibiet, spricht für seine Region.

Warum hat der Kanton die Varianten nicht jetzt schon weiter eingeengt? Man wolle eine Auswahl geben, erklärt Attiger. Sollte in der Vernehmlassung bei einer ein «No-Go» resultieren, hätte man sonst gar nichts. Die Kostenprognosen für die Varianten sind noch mit einem Abweichungsrisiko von plus/minus 50 Prozent behaftet. Geologische Abklärungen seien noch nicht getätigt worden, erläuterte der Baudirektor, deshalb gebe es auch noch keine genaueren Kostenprognosen.

«Wasserschloss unantastbar»

Das Baudepartement hat bei der Erarbeitung der Lösungsvarianten die betroffenen Regionen und Gemeinden intensiv einbezogen. Über 100 Ideen wurden eingebracht. An der Medienkonferenz lobte Markus Dieth als Präsident von Baden Regio den «vorbildlich abgelaufenen Prozess».

Das Departement hätte die Varianten ja «im stillen Kämmerlein ausarbeiten und dann alle überraschen können», so Dieth. Keine Frage, ihm ist der Einbezug der Regionen eindeutig lieber.

Das Ziel nie aus den Augen zu verlieren, war Daniel Moser, Präsident von Brugg Regio, extrem wichtig. Er achtete sehr darauf, dass Änderungen an einem Ort ganz woanders Auswirkungen haben können. Und klar ist: «Das Wasserschloss ist unantastbar.» Deswegen seien Wunschlösungen nicht immer die Bestlösungen.

«Raum schaffen für den Fuss- und Radverkehr»: Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung beim Kanton.

«Raum schaffen für den Fuss- und Radverkehr»: Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung beim Kanton.

Einst sammelte man im Zurzibiet Unterschriften für den Baldeggtunnel. Der kommt nicht. Man sei jetzt aber auf gutem Weg, meinte Felix Binder, Präsident von Zurzibiet Regio. Der Schnelligkeitsgewinn betrage für sie zwar nur einige Minuten. Wichtig sei aber auch mehr Zuverlässigkeit auf Schiene und Strasse.

«Wunschlösungen sind nicht immer Bestlösungen»: Daniel Moser, Präsident Planungsverband Brugg Regio, mit der Brugger Sicht auf das Verkehrsprojekt.

«Wunschlösungen sind nicht immer Bestlösungen»: Daniel Moser, Präsident Planungsverband Brugg Regio, mit der Brugger Sicht auf das Verkehrsprojekt.

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