Auf diese Weise wollen die teilnehmenden Gemeinden einen Schritt hin zur 2000-Watt-Gesellschaft machen. Die dazu benötigten neuen Technologien liefern ihnen die Forscher von PSI oder ETH. Von einem «Praxislabor» spricht denn auch Hans-Kaspar Scherrer, Chef der IBAarau: «Die Forscher sehen so, was funktioniert und was nicht.»

Um den aktuellen Stand in den Gemeinden in Erfahrung zu bringen, sind die Vertreter der 20 völlig unterschiedlichen Aargauer Gemeinden – von grossen mit 20 000 Einwohnern bis zu ganz kleinen mit 170 Personen – befragt worden. Die Ergebnisse zeigen: Energiefragen sind fast überall ein Thema – allerdings nicht gleich stark.

Einige stünden ganz am Anfang, andere seien schon sehr weit, sagt Hans-Kaspar Scherrer. «Die Ausgangslage könnte nicht unterschiedlicher sein.» Die Idee hinter dem Projekt mit dem Namen «Zukunftsregion Novatlantis Argovia»: Gemeinden sollen voneinander lernen können.

Gülle statt Benzin

Eines der gestern im Aarauer Kultur- und Kongresshaus (KuK) vorgestellten Pilotprojekte dreht sich um Gülle. Wie die Befragung gezeigt hat, gibt es in vielen Gemeinden ungenutztes Potenzial für feuchte Biomasse, die unter anderem in erneuerbare Treibstoffe verwandelt werden könnte. Früher war das jedoch nur im grossen Stil möglich, dank neuartigen Filtern könnte nun bereits eine Gruppe von drei bis vier Bauern eine kleine Biogasanlage betreiben.

Andere Projekte knüpfen an ähnlicher Stelle an. So zeigen die Antworten der Gemeinden, dass das Potenzial für Elektro- und Gasfahrzeuge praktisch ungenutzt ist. Erst 1,3 Prozent der Fahrzeuge sind mit alternativen Antriebssystemen unterwegs. Nun soll geklärt werden, wie sich etwa die Abdeckung mit Biogas-Tankstellen verbessern lässt.

Keine Einzelkämpfer gefragt

In den kommenden Monaten entscheiden sich die Gemeinden, ob und welche Pilotprojekte gestartet werden. Haben sie Erfolg, sollen sie auf weitere Gemeinden ausgedehnt werden. Nun gehe es erstmals darum zu schauen, was möglich sei, sagt Scherrer. Entstehen soll ein Ideen-Basar, auf dem sich Gemeinden bedienen können. «Natürlich ist nicht jede Idee für jede Gemeinde gleich relevant», sagt Scherrer.

Auf ein «Wir-Gefühl» hofft Werner Leuthard, Leiter der kantonalen Abteilung Energie. Es mache keinen Sinn, dass jede Gemeinde als Einzelkämpfer handle. Dies ist ganz in ihrem Sinn, wie ihre Antworten zeigen: Die meisten sprachen sich für eine regionale Zusammenarbeit aus.