Wenn man am Morgen zum Olympia-Park in Barra läuft, dann wähnt man sich bisweilen in einem der Minions-Filme. Es wimmelt von Menschen, die im knallgelben brasilianischen Fussballtrikot herumlaufen. Die Fans der Gastgeber zeigen auch während Olympia (Fussball-)Flagge. Und auf den Tribünen geht es dann auch so zu und her wie in den Fussball-Arenen. Dass die Stimmung vom Euphorischen bisweilen ins Unfaire kippt, gehört zu den unangenehmeren Nebenwirkungen dieses Fanatismus. Pfeifkonzerte und Schmährufe gehören inzwischen genauso zum akustischen Gesamtbild dieser Spiele wie überbordender Jubel.

Brasilianer schämen sich schon

Den Titel des Minions-Films «Ich, einfach unverbesserlich», könnte man – auf Olympia übertragen – deshalb öfters mal in «Wir, einfach unverbesserlich» umbenennen. Meine Gastgeberin Patricia schaute sich letzte Woche das Volleyball-Duell der Brasilianerinnen gegen den Erzrivalen Argentinien an. Und schämte sich nachher für das Verhalten ihrer Landsleute, die die Gegnerinnen bei jeder Gelegenheit gnadenlos ausbuhten und deren Fehler frenetischer bejubelten als schön herausgespielte Punkte der eigenen Equipe. Auch das Schweizer Beachvolley-Duo Heidrich/Zumkehr konnte nach dem Viertelfinal gegen die Lokalmatadorinnen ein Liedchen vom fragwürdigen Fairness-Verständnis der Zuschauer singen. Man braucht schon viel Goodwill, um das unsportliche Gebaren der brasilianischen Fans positiv interpretieren zu können. Emotionen gehören zum Sport und sind auch ein substanzieller Bestandteil der Faszination. Aber nur, solange es im Rahmen des Erträglichen bleibt.

«Andere Länder, andere Sitten», könnte man natürlich auch sagen. «Ohren zu und durch» gilt derweilen für die Sportler, die akustisch an die Kasse kommen. Wer Olympiasieger werden will, der muss auch diese Bewährungsprobe bestehen. Und sich an den Film mit den Minions erinnern. Dort verwandelt sich der Bösewicht am Ende auch in einen liebevollen Menschen. Vielleicht passiert ja mit den über das Ziel hinausschiessenden, brasilianischen Minions dasselbe. 

* Pão de Açúcar heisst Rios Zuckerhut auf Portugiesisch

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Grafik: Elia Diehl

Cartodb: Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro

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