«I bin es Fass ohni Bode & ne Fernwehfahrer,
gah bis a Rand vor Wäut & när no ei Schrett meh.
Ohni Kompass, ohni Stoppuhr,
s'git no so viu, won i no nie ha gseh ...»

Ich stehe im vollgestopften Skytrain in Bangkok: Vor meinen Augen springen gestresste Thai hektisch in den Zug, in meinen Ohren geben Patent Ochsner in schönstem Berndeutsch ihre Reisehymne «Globetrotter» zum Besten.

Nach fast zehn Monaten auf Weltreise entscheiden sich meine Finger immer öfter für Lieder auf Mundart oder Hochdeutsch. Das heisst aber nicht, dass ich «Heimweh» habe nach den Bergen, der Schoggi und dem Wein. Mir ist auch egal, dass ich die Kappelbrücke und das Matterhorn nicht zu Gesicht bekomme, weil es diese «Numä i dä Schwiiz» gibt.

Das Einzige, was ich wirklich aus der Schweiz vermisse, sind die Menschen. Deshalb ist «Heimat» für mich auch kein Ort, sondern ein Gefühl. Allerdings ein Gefühl, das mir nur meine Liebsten geben können – und die leben in der Schweiz.

Lieder aus der Heimat erinneren mich daran, was ich an der Schweiz habe: Es ist für mich der beste Ort, um «Auf gute Freunde» anzustossen, sich in bierselige Retrospektiven zu verstricken sowie sich selbst und die andern zu überzeugen: «Für ais häts immer no glangt!»

Zu Hause finde ich immer «Freunde», mit denen ich einen «Grund zum Feiern» habe – selbst «Wenn du durchhängst». Irgendwann macht der «Alkohol» die Nacht zum Tag und ich nehme das nächste Frühstück Abends um acht.

Beim Blick in den Spiegel sehe ich dann einen wildfremden Mann, der mir aufmunternd sagt: «Kein Alkohol ist auch keine Lösung.»

Auch für die Verarbeitung der unzähligen Eindrücke, die man auf einer Weltreise sammelt, sind Mundartsongs wertvoll.

«D'Welt isch schön», denke ich im einen Moment, nur um kurz darauf einen traurigen Beweis zu entdecken, dass es für einige «Nume Drum» geht, sich auf Kosten der armen Leute zu bereichern.

Ich habe mir auf meiner Reise schon oft jemanden gewünscht, der mir die Zusammenhänge auf der Welt so einfach erklären könnte wie Mani Matter mit seinem «Zündhölzli».

Oder zumindest jemanden, der gemeinsam mit «Sidi Abdel Assar vo El Hama» das Verhältnis zur muslimischen Welt etwas auflockern würde. Es ist eine schlechte «Zeit für Optimisten» – die müssen ziemlich einsam sein.

Aber ich habe natürlich nicht immer nur die grossen Themen im Kopf. Zum Beispiel frage ich mich ganz oft, ob ich mit meiner Reise eigentlich einen auf «Egoist» mache à la Falco.

In China habe ich mit meiner Freundin zwar ein bisschen «Bonnie und Clyde» gespielt, aber ich habe dennoch verdammtes Glück, dass «Sie bleibt».

Ich sollte ihr öfter «Ein Kompliment» machen und ihr nur mal eben sagen, dass sie das Grösste für mich ist.

Wir alle hoffen, «Irgendeinisch fingt ds Glück eim» – manchmal ohne zu merken, dass wir es längst gefunden haben.))

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es richtig war, alleine in die grosse, weite Welt aufzubrechen. Schliesslich will ich später nicht denken, «I hätt no viu blöder ta», wenn ich gewusst hätte, dass ich diese Zeit nicht für immer habe. Und ich will mich auch nicht fragen müssen, «Wo si mini Tröim» und wann habe ich sie begraben?

Um bei Gölä zu bleiben, auch der Vorsatz ich «Chume nieme hei» ist für mich keine Option. Im Gegenteil, ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem ich «Wieder hier» bin in meinem Revier.

Bis es soweit ist, freue ich mich aber noch auf unzählige neue «Bilder im Kopf».

Denn solange mein «Feuer» nicht aufhört zu brennen, werde ich noch ganz viele «Tage wie diese» erleben und mir Unendlichkeit wünschen. Oder, um es mit dem «Globetrotter»-Song von Patent Ochsner zu sagen:

«I ha no lang nid aus endteckt,
wo sech vor mir het verschteckt.
Wenn i aus, wo me cha gseh, o chönnti gseh,
I gäbt viu derfür...»