Ich bin ziemlich erleichtert, dass sich mit meinem kleinen Töchterchen das Thema Stillen dann auch in absehbarer Zeit erledigt haben wird. Wenn ich es als Vater schon leid bin, kann man sich vorstellen, wie die Chefin von dem Ganzen das sieht. Kurz zu den Fakten: Drei meiner Kinder waren Stillbabys, meine Jüngste ist ein Flaschenkind. Nachdem sie sich knapp zwei Wochen auch nach allen Hinweisen von Hebamme und Kinderärztin mit Händen und Füssen gegen die Brust gewehrt hat und wir ihr dabei zuschauen mussten, wie sie allmählich immer schwächer und dünner wurde, haben wir es gelassen und sind auf Flasche umgestiegen.Abpumpen wurde kurz erwogen, aber meine Liebste will nach den gesetzlich vorgeschriebenen zwei Monaten Mutterschutz gleich wieder arbeiten gehen (für alle «Oh mein Gott, darf sie das? Das arme Kind!» Menschen: Keine Sorge, der Text dazu kommt noch) und es war bislang jedes Mal eine zähe, mühsame Plackerei. Also Flasche. Ja genau Flasche. Guckt ihr ruhig, wenn die Mama ihr Winzbaby aus dem Tragetuch holt und es füttert. Dafür guck ich dann und lache herzlich, wenn ihr «Füttern Sie etwa mit der Flasche?!» fragt und meine Frau tiefenentspannt im mittlerweile laktosefreien Brustton der Überzeugung «Nein, wieso?!» entgegnet. Habt ihr verdient. Nicht etwa für interessiertes Nachfragen, sondern für offenkundige Anfeindungen und sinnbefreites Nachbohren.

So, und was nun? Wie soll es weitergehen? Mit der ewig gleichen Schiene, dass Mami zu Hause bleibt, kocht, putzt, Kindernasen wischt und Papa sich auswärts hin zum Burnout schuftet? Oder gehen in diesem Land nur diejenigen Abstimmen, für die sich die Kinderbetreuungs-Kosten-Frage gar nicht stellt? Entweder, weil sie sich diese einfach leisten können oder weil eben ein Lohn für's Leben reicht?

Ich weiss es nicht. Ich verstehe es nicht. Und ich bin gespannt, was es konkret heisst, wenn die Kinderbetreuung «Sache der Gemeinden» ist. Das ist es ja jetzt schon. Jedoch gibt es noch lange nicht genug Betreuungsplätze (auf dem Land hinken wir ca. ein Jahrhundert hinterher) und schon gar keine bezahlbaren. Wie lösen wir das? Wenn ich mir die 70% Nein-Stimmen anschaue wohl gar nicht. Denn Mami gehört offenbar immer noch zum Kind und nicht ins Büro. Zumindest in 70% der Köpfe...

Stillen oder nicht, das ist zu einer weltanschaulichen Auseinandersetzung geraten. Genauso wie die Frage danach, wie lange frau zu stillen hat und wo.

https://www.youtube.com/watch?v=LURZqBig734

Scheinbar müssen wir als Gesellschaft Frauen in dem, was wir als «Kernbereiche der Weiblichkeit» identifizieren, umso stärker bevormunden, je mehr sie sich in vielen anderen Bereichen emanzipieren. Was eine gute Mutter ist, bestimmen ja wohl immer noch wir. Scheinbar «braucht es nicht nur ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen», nein das Dorf will auch unbedingt. Ob das dann angebracht, erwünscht oder übergriffig ist, spielt dabei keine Rolle. Stattdessen wissen es alle am besten. Mindestens 6 Monate voll Stillen, aber keinen Tag länger als ein Jahr. Wer Flasche füttert hat darüber ebenso den Kopf hängen zu lassen wie über einen Kaiserschnitt. Prädikat «Vom Start weg als Mutter versagt». Wer gerne, lange und offensiv stillt bekommt das Prädikat «esoterische Helikoptermutter ohne eigenes Leben». Na ganz toll.

Vielleicht halten wir einfach mal die Klappe und lassen Mütter und Familien ihr Ding machen. Heisst ja auch Stillen.