Ich bin ein bisschen stolz. Denn ich bin befördert worden. Ich bin jetzt ein richtiger Silver Ager. Innert weniger Wochen haben mir das gleich drei verschiedene Geldinstitute mitgeteilt. Ich weiss nicht genau, womit ich die Auszeichnung verdient habe, aber ich glaube, das ist eine gute Sache. Jedenfalls sehen alle Silver Ager auf den Prospekten fröhlich, gesund und ziemlich gut betucht aus.

Als Silver Ager spielt man Golf, liegt am Pool und fährt Cabrio. Und was mich besonders freut: Als Silver Ager werde ich eingeladen. Zu allerlei Apéros, bei denen kluge Finanzfachleute mit mir meine nachberufliche Karriere planen möchten. Oder meine Wohnsituation mit mir besprechen. Da fühle ich mich ernst genommen.

Gut, ich weiss zwar noch immer nicht genau, was ein Silver Ager ist. Ob ich wirklich die Anforderungen erfülle. Denn mein Haar ist grau und schimmert höchsten für ein paar Stunden silbern, wenn ich das Spezialshampoo verwende.

Höchste Zeit, dass ich mich schlaumache. Ich stelle fest, dass man Menschen ab 55 Jahren in der Konsumenten-Typologie neuerdings als Silver Ager bezeichnet; ich gehöre also schon länger dazu, habe es einfach nicht gewusst. Ich lese, wie wichtig wir Silver Ager für die Wirtschaft sind. Wir besitzen 70 Prozent des Kapitals in diesem Land. Wir sind gute Käufer: Wir kaufen neue Autos, nicht bloss Occasionen. Wir Silver Ager sind eine Erfindung der Werbung. Nichts weiter.

Jetzt bin ich verunsichert. Nicht wegen der Silver Ager. Da gebe ich meinen Austritt, noch bevor ich richtig eingetreten bin. Ich werde lieber ohne Silberzeugs älter und vielleicht auch alt. Aber ich frage mich, wie die nächste Erfindung jenseits der Silver Ager heisst. Golden Ager? Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen.