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Schiesst doch nicht die Lachmöwen ab!

Kreischende Lachmöven im Kampf um Brotreste

Kreischende Lachmöven im Kampf um Brotreste

Was haben Lachmöwen, Biber und Luchse gemeinsam? Genau. Alle sind sie Wildtiere, die in der Schweiz heimisch sind, aber aus ihrem natürlichen Umfeld verdrängt wurden. Seit letzter Woche eint sie aber noch ein weiteres Kriterium.

Analog zum Wolf und neuerdings auch zum Höckerschwan zählen sie zu den «konfliktträchtigen geschützten Arten». Sie gehören also zu den Kandidaten, deren Bestand reguliert werden darf. So schlägt es der Bundesrat in seiner Jagdgesetzrevision vor.

Das heisst: Obwohl es sich um geschützte Tierarten handelt, dürfen sie abgeknallt werden, wenn sie entweder «grossen Schaden» anrichten, Menschen gefährden oder die Artenvielfalt bedrohen. Bereits heute kann ein Wolf geschossen werden, wenn er 25 Nutztiere gerissen hat. Neuerdings soll für den Abschuss keine Erlaubnis vonseiten des Bundes mehr eingeholt werden müssen, der Kanton kann selbst entscheiden, wann der Schaden gross genug ist. Alles eine Frage der Auslegung. Und deshalb ein Fehler. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass die Walliser im Umgang mit dem Wolf reichlich mehr Mühe bekunden als die Bündner.

Der Tierschutz wird also massiv gelockert – zwar auch gegenüber ungeliebte Plagegeister wie Saatkrähen, die den Bauern seit Jahren die Ernte vermiesen. Sie verlieren ihren Schutzstatus komplett, ja der Bundesrat will das beliebige Abknallen von Krähen legalisieren. Kaum einer wird sich für die Tiere einsetzen wollen. Hingegen sollten seltene Tierarten wie Luchse, Lachmöwen und Biber, gegen deren Aussterben in der Schweiz gekämpft wird, ihren Schutz nicht einfach verlieren. Denn dass im Gegenzug neu Rebhuhn und Haubentaucher unter Schutz gestellt werden sollen, ist ein äusserst schwacher Trost.

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Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

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