Die amerikanische Präsidentenwahl ist nicht nur ein demokratiepolitisches Spektakel, sie dient auch als Fallstudie dafür, wie der Kapitalismus amerikanischer Prägung in der Praxis funktioniert. Findige Unternehmer können sich nämlich alle vier Jahre eine goldene Nase und das schnelle Geld verdienen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die absonderlichen Preise, die Mitte Juli für Hotelzimmer in Cleveland (Ohio) verlangt werden. In der Stadt am Lake Erie treffen sich die Republikaner, um Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten zu küren. Erwartet werden Tausende von Delegierten und Schaulustigen – und gegen 15 000 Journalisten. Die Hotels in bester Lage sind schon lange ausgebucht, trotz horrenden Aufpreisen. Das ist ja irgendwie nachvollziehbar. Wer im «Ritz-Carlton» in Cleveland logiert, fünf Minuten Fussmarsch vom Tagungsort entfernt, muss sich um die Spesenrechnung keine Sorgen machen.

Absurd sind aber die Preise, die in der Peripherie verlangt werden. Ein Zimmer im «Hyatt Place» in Canton kostet während der Dauer des Parteitags fast 400 Dollar pro Nacht, obwohl Cleveland selbst an guten Tagen rund eine Autostunde von Canton entfernt ist. Normalerweise verlangt das «Hyatt» 170 Dollar pro Nacht.

Vielleicht erklärt dieser Preiswucher auch, warum sich viele Journalisten nicht auf den Parteitag freuen. Andererseits: Den Stadtoberen kann dies egal sein. Denn unter normalen Umständen würden wohl die wenigsten Medienschaffenden im Juli einen Abstecher nach Cleveland machen. Schliesslich lautet der inoffizielle Beiname der Stadt: «The Mistake on The Lake» – der Fehler am Seeufer.