Es gibt wenige Ereignisse, welche die Schweiz so packen wie eine Bundesratswahl. Nicht nur steht eines der bedeutungsvollsten Ämter des Landes zur Disposition, auch vergehen zwischen Rücktrittsankündigung und Ersatzwahl mindestens Monate, manchmal gar Jahre – wie uns Doris Leuthard lehrt. Genügend Zeit also, damit sich das Personalkarussell so richtig drehen kann.

Darauf sitzen Mitglieder der eidgenössischen Räte oder kantonalen Regierungen – aber nicht nur. Auch allerlei Exoten drängen ins prestigeträchtige Amt. Über den Aargauer Pius Lischer, der sich für praktisch jeden frei werdenden Posten bewirbt, wurde an dieser Stelle schon mehrfach berichtet. Auch melden sich auf der Redaktion immer wieder ambitionierte Anrufer.

Diese Woche ging eine besonders kreative Bewerbung per Post ein. Ein älterer Herr aus Lugano informierte die «geschätzte Redaktion der politischen Aargauer Zeitung» über seine offizielle Bundesratskandidatur. Im Stile eines gewieften Wahlkämpfers machte er sogleich Werbung in eigener Sache: Er sei vor 50 Jahren einer der besten Geher der Schweiz gewesen und habe auch schon Erfahrung in politischen Ämtern gesammelt. Ab 18 Uhr sei er, sieben Tage die Woche, jeweils unter der angegebenen Telefonnummer erreichbar.

Unter PS liess er uns wissen, dass er neben Tessinerdialekt auch Deutsch und Französisch spreche. Aufhorchen lässt aber vor allem die am Ende hinzugefügte Info: Er bewege sich mit zwei Piaggio-Ciaos aus den Siebzigerjahren, weil er kein Auto habe. Für die Ausübung des hohen Amtes wäre dies freilich kein Hinderungsgrund – Bundesräte verfügen über einen Dienstwagen inklusive Chauffeur.

antonio.fumagalli@azmedien.ch