Sollte Ihr Autorenduo dereinst aufgrund massenhafter Vernichtung von arglosen Krusten- und Schalentieren zur Adventszeit in die Hölle kommen, so möge man uns dort bitte nicht braten, geschätzte Leserschaft, sondern schmoren, auf dass der Satansbraten saftig bleibe und dem Leibhaftigen schmecken möge. Sie haben es sicher schon bemerkt: Uns treibt eine wunderliche Liebe zur Gartechnik des Schmorens. Wo andere gerne ein Stück Entrecôte blutig braten, bevorzugen wir die kulinarische Tieferlegung von gut durchzogenem Gargut in Aromaten, Wein und Fonds, weil uns Geschmortes an sorglose Tage und unerschütterlich grossmütterliches Wohlwollen erinnert.

Hinzu kommt eine weitere Schwäche: die Dauerwurstlust. Und da der Grill seinen verdienten Winterschlaf hält, wollen wir diese Neigungen kombinieren: Wir schmoren Würste! Und zwar nicht zu knapp, sondern einmal façon grand-mère lyonnaise und einmal à la Zia Antonietta.
Für die französische Variante beschaffen Sie sich unter Anwendung der mit einer Million Basler Franken verbesserten Tramlinie 3 in Saint-Louis eine grosszügige Dosis «saucissons à bouiller», ziehen gehackte Zwiebeln, Knoblauch und Champignons-Abschnitte in reichlich Butter an, legen die Würste hinzu und löschen mit einer halben Flasche Pinot Noir ab. Lorbeer, etwas Fond oder Bouillon und ein paar getrocknete Steinpilze geben zusätzliche Tiefe. Lesen Sie während einer bis zwei Stunden in Zolas «Le ventre de Paris», während sich die Würste bei tiefer Temperatur zu französischer Hochkultur emporschmoren. Vergessen Sie nicht, zwischendurch der Sauce etwas von Ihrem Pinot abzugeben, damit nichts anbrennt. Sauce auf die gewünschte Konsistenz reduzieren, mit kalter Butter montieren und das Geköch mit Gratin Dauphinois oder Pommes rissolées servieren.

Wenn Ihnen das Dezemberwetter so richtig aufhaut, empfehlen wir die süditalienische Methode. Hierzu bevorzugen wir Salsicce dolce mit Fenchelsamen, am besten von Pippo im St. Johann. Gibt’s aber auch in der Manor, oder wenn sich das Oberbaselbiet wegen weggesparter öV-Verbindungen nicht ausreisen lässt, tut’s auch eine Schweinsbratwurst aus öffentlicher Schlachtung. Viel gehackte Zwiebel und fast gleich viel Knoblauch in Schweineschmalz anziehen und gute Passata di pomodoro hinzugeben. Die Salsicce und ein paar Würfel Rindsragout den ganzen trüben Sonntagvormittag darin blubbern lassen, wobei mehr als fünf Blubbs pro Minute auf überhöhte Temperatur hindeuten. Sie dürfen dazu die «Gazzetta dello Sport» lesen, original läuft im Hintergrund der Fernseher, und zwar laut. Hochwertige italienische Pasta al dente kochen, mit etwas Pastawasser und ein paar Löffeln des inzwischen abgeschmeckten Sugo mischen und mit einem zusätzlichen Löffel davon sowie geriebenem Parmigiano servieren.

In Süditalien würde die Wurst mit Gemüse als Secondo aufgetragen. Wir geben sie gleich zur Pasta dazu und verzichten auf das Grünzeugs. Sie werden sich fühlen, als hätte Sie Ihre neapolitanische Nonna in die Wange gekniffen!