Acht Kaffeeröster rösten einen Kaffee aus Mexiko. Sie verwenden den gleichen Röstapparat und haben das gleiche Ziel: den Kaffee für eine Blind-Degustation so gut zu rösten wie nur möglich. Dieser wird von einer Fachjury verkostet.

Zum ersten Mal mass sich vom 7. bis 9. Juni der Berufszweig der Kaffeeröster an der Schweizer Kaffeeröstmeisterschaft in Zug und Münchenstein. Vor Ort waren acht Kaffeeröster, die den Berufszweig der Kaffeeröster repräsentierten. Insgesamt 135 Kaffeeröstereien gibt es in der Schweiz. Die kleinste wird in einem Hinterhof in einer Garage betrieben. Ihre Chargengrösse beträgt einige hundert Gramm. Die grössten füllen Fabrikhallen in Birsfelden oder Luzern und produzieren viele tausend Tonnen Kaffee.

Der Röstprozess beginnt bereits mit der Auswahl des Rohkaffees - einem Frischeprodukt, das im Laufe des Jahres nach der Ernte langsam sein Aroma zu verlieren beginnt. Je nach Region bringt der Kaffee unterschiedliche geschmackliche und physikalische Eigenschaften mit sich. Je nach Qualität hat er ausserdem mehr oder weniger Fehler, beispielsweise Noten von schlechter Verarbeitung oder zu hoher Feuchtigkeit im Transport.

Jede Röstung schmeckt anders

All diese Eigenschaften wurden im Rahmen der Röstmeisterschaft analysiert: Feuchte, Dichte, Fehleranzahl. Anschliessend stellte jeder Teilnehmer eine Mischung zusammen, die aus drei Kaffees aus Kenia, Brasilien und Indien bestehen musste. Jeder Rohkaffee brachte eigene Qualitäten mit: Der kenianische Komplexität, der brasilianische eine eigene Süsse und der indische Kaffee Würze.

Das Ergebnis war erstaunlich - kein Kaffee schmeckte wie der andere. Die Unterschiede waren teils enorm. Zu diesem Schluss kamen nicht nur die Jurymitglieder, sondern auch die Röster und das zahlreich erschienene Publikum. Die Kaffeevarianten reichten von fruchtig bis nussig, von balanciert bis bitter oder süss - in jeder Röstung war eine Handschrift zu erkennen. Gewonnen hat schliesslich Panagiotis Megalessis von der Stadtrösterei in Solothurn. Panagiotis hatte sich über Monate auf die Meisterschaft vorbereitet und unter anderem mit dem amtierenden Vizeweltmeister Benjamin Poszgai trainiert. Auf Platz zwei landete Felix Hohlmann von den Spring Roasters aus Basel vor Marcel Ramseyer auf dem dritten Rang, der die Kleinrösterei Sigma Coffee Roasters in Oberuzwil betreibt.

Die Röstmeisterschaft ist ein seltenes Erlebnis: Kaffeeröster sind selten auf der grossen Bühne anzutreffen - geröstet wird der Kaffee schliesslich meist hinter verschlossenen Türen. Die Röstmeisterschaft möchte dem unbekannten Berufszweig mehr Aufmerksamkeit schenken. Bei Panagiotis Megalessis funktioniert’s: Er wird noch weiterhin im Scheinwerferlicht stehen und die Schweiz diesen Herbst an den World Coffee Roasting Championships in Italien vertreten.