Selbstverständlich ist die Rivalität zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders diese Woche das dominante Thema in Philadelphia, obwohl die Vorwahlen doch schon lange zu Ende sind. Die Stadt mit dem herben Charme ist sich Rivalitäten aber gewöhnt.

An einer Strassenecke in South Philadelphia kämpfen seit ziemlich genau 50 Jahren zwei Gastbetriebe darum, wer denn das beste «Philly Cheesesteak» herstelle – eine lokale Spezialität, auf die ganz Philadelphia stolz ist. Auf der einen Seite des belebten Strassenzugs steht «Pat’s King of Steaks»: Hier erfand im Jahr 1930 Pat Olivieri das Sandwich mit dünn geschnittenen Fleischstücken, künstlichem Käse und Zwiebeln. 1966 eröffnete auf der gegenüberliegenden Seite Joey Vento einen Konkurrenzbetrieb, den er «Geno’s Steak» nannte. Vento behauptet seither, er sei es gewesen, der das Sandwich über die Stadtgrenzen hinweg populär gemacht habe.

Wer schon einmal in Philadelphia war, der weiss: Bei der Bestellung eines Cheesesteaks wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, denn es muss immer schnell gehen. Wer zum Beispiel sagt «One whiz with», der erhält ein Sandwich mit Käsesauce («Cheez Whiz») und Zwiebeln. Das klingt nicht nur schwer verdaulich. Ein herkömmliches Cheesesteak hat gegen 1200 Kalorien, und wer am Mittag eine ganze Portion verzehrt, wird anschliessend Zeit für ein Nickerchen finden müssen.

Ich werde deshalb einen grossen Bogen um «Pat’s» und «Geno’s» machen. Meiner Meinung nach wird die Rivalität zwischen den beiden Betrieben sowieso überbewertet. Das beste Cheesesteak stellt Jess her, mein Nachbar aus Virginia. Und der Grill-Profi kommt nicht etwa aus Philadelphia – seine Vorfahren stammen von den Philippinen.