Bitte erschrecken Sie nicht, wenn Ihr Bus plötzlich woanders durchfährt!» Diese Warnung könnte man in den Sommermonaten in allen Fahrzeugen anbringen, da wie wild gebaut wird und dies oft Auswirkungen auf den Verlauf der Buslinien hat.

Vor jedem Dienstbeginn macht sich der Chauffeur im Intranet kundig über die aktuellen Umleitungen; bei besonders komplizierten ist eine Karte angehängt. Am Sonntag war es extrem: Da waren 11 (!) Einschränkungen aufgeschaltet, unter anderem:

  • Sperrung rund um die Altstadt Lenzburg wegen des Gauklerfestivals – betroffen war die Linie nach Dintikon
  • Totalsperrung der Hauptstrasse zwischen Lenzburg und dem neuen Coop-Verteilzentrum, weil geteert wurde – die Busse nach Rupperswil mussten über Schafisheim fahren
  • Umleitung in Staufen durch Quartierstrassen von 8.30 bis 14 Uhr wegen des Staufberglaufs
  • Abkürzung in Leutwil, weil der Dorfplatz neu gestaltet wird und der Bus nicht wenden kann
  • Lichtsignal in Brunegg, verbunden mit einer Umleitung durchs Industriequartier, weil die Hauptstrasse saniert wird
  • und viele ähnliche Meldungen mehr.

Bei derart vielen speziellen Situationen muss man als Chauffeur den Kopf besonders gut beisammen haben, denn die reguläre Streckenführung hat man derart im Blut, dass es einem beinahe so vorkommt, als befahre der Bus sie ohne eigenes Zutun.

Da reicht ein unachtsamer Moment, und man steht vor einer Baustellenabschrankung. Von Vorteil informiert man zudem die Fahrgäste via Mikrofon über die Umleitung, da man sonst Aufregung riskiert, weil sie entweder meinen, ich habe mich verfahren oder sie seien in den falschen Bus gestiegen.

Die Umleitungen bringen aber auch Abwechslung, zumal sie ab und zu ziemlich abenteuerlich ausgestaltet werden müssen. Kürzlich etwa wurden die Busse zwischen Schafisheim und Staufen über einen Feldweg geleitet – ein Linienbus auf ungeteerter Strasse erlebt man nicht alle Tage.

Das sagte sich vielleicht auch jener Postautochauffeur, der vor zwei Jahren den Nachtbus von Baden nach Bremgarten steuerte. Bei Rütihof gab es eine Umleitung, doch dummerweise erwischte er nachts um halb drei Uhr die falsche Abzweigung und geriet auf einen Waldweg. Dieser wurde immer enger, schliesslich blieb der Bus im Morast stecken.

Beim Regionalbus Lenzburg geriet ein Bus mal aus Versehen auf die Autobahn, weil er in Lenzburg die Abzweigung rechts nach Othmarsingen verpasst hatte und es danach keine Wendemöglichkeit gibt.

Ich selber war vor Jahren auch mal fehlgeleitet: Wenn man von Lenzburg her kommend in Möriken eintrifft, geht es entweder weiter nach Wildegg (Linie 381) oder nach Mägenwil (Linie 382). Ich hätte eigentlich bloss aufs Display schauen müssen, dort steht es – aber eben … Die Fahrgäste protestierten rasch und laut. Bei der nächsten Kreuzung wendete ich. Das ist zwar nicht schlimm, aber ziemlich peinlich.

Wie heisst es doch so schön: Alle Wege führen nach Rom. Manchmal halt später als früher.

* Christian Dorer ist Chefredaktor der Aargauer Zeitung. Er hat den Car-Ausweis und fährt in seiner Freizeit einmal pro Monat beim Regionalbus Lenzburg.