Rund 15% der frischgebackenen Mütter erkranken nach der Geburt ihrer Babys an einerWochenbettdepression. Trotz steigender Sensibilität für die Thematik ist es für viele Frauen noch immer ein Tabu, über ihr seelisches Leiden und das ausbleibende Mutterglück zu reden. Das Kind ist jetzt da, also sei gefälligst glücklich!

Eine liebe Freundin hat im vergangenen Jahr eine traumatische Geburt erlebt, welche sie mit voller Wucht in die Depression katapultiert hat. Nicht bereit, ein Stigma zu tragen und zu schweigen, hat sie die Flucht nach vorne gewagt und eine Facebook-Gruppe gegründet: «Mamis helfen Mamis – der Weg aus der Depression führt durch die Depression». Betroffene erzählen ihre Geschichten und tauschen sich aus. Es geht um Strategien, mit den Tiefs umzugehen, um Medikamente und ihre Wirkungen, um Schuldgefühle, um Tipps im Alltag – oder einfach um ein wenig Zuspruch an einem schlechten Tag. Eine Selbsthilfegruppe 2.0, jederzeit verfügbar.

Ich finde die Idee dieser Gruppe wunderbar. Vor allem die Alltagstipps sind toll. Für Aussenstehende mögen sie allzu simpel wirken, aber gerade in der Depression fällt es den Betroffenen oftmals schwer, selbst Strategien zu entwickeln. Ich habe euch drei Tipps herausgepickt:

Tipp 1: Kartensystem

Meine Freundin hat zwei Stapel mit Karten: einer ist gelb für Arbeiten im Haushalt, einer ist rosa für alles, was gut tut. Jeden Tag zieht sie von beiden Stapeln Karten, von den rosa Genusskarten aber jeweils eine mehr. Das System hilft ihr, den Tag zu strukturieren und mit ihrer Energie zu haushalten.

Tipp 2: 2-Wochen-Menüplan

Ein anderes Mitglied der Gruppe schreibt Menüpläne für die nächsten zwei Wochen. Es hilft ihr, den Einkauf energiesparend zu planen und sie kann die Kochzeit gut abschätzen und einteilen. Die Menüpläne erstellt sie digital und zückt immer wieder einen alten aus dem Archiv.

Tipp 3: Rotkreuz-Kinderbetreuung

Das Schweizerische Rote Kreuz bietet Eltern in Notsituationen – und dazu gehört die postpartale Depression – die Kinderbetreuung zu Hause an. Meine Freundin nimmt den Dienst wöchentlich zweimal für zwei Stunden in Anspruch, um zu Kräften zu kommen.

Ich selbst bin haarscharf an der Wochenbettdepression vorbeigeschrammt. Mir fehlen die ersten sechs bis sieben Stunden mit unserer Tochter, weil ich nach dem Kaiserschnitt mit Morphin vollgepumpt ausser Gefecht war. Das Baby neben mir im Gitterbett war mir fremd, ich wartete vergeblich auf dieses Mutterglück, von dem alle reden. Wo blieb bloss diese dämliche Liebe? Ich hatte ein wunderbares Umfeld, redete mir alles tausendmal von der Seele und ungefähr drei bis vier Wochen nach der Geburt erlebte ich diesen einen Moment: Unsere Tochter sah mir in die Augen und alle Dämme brachen – ich begann vor lauter Liebe zu weinen. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Habt ihr weitere Tipps?

«wir eltern»