Von allen ÖV-Unternehmen ist dasselbe zu hören. «In den letzten Jahren hat die Aggressivität massiv zugenommen», bestätigt TNW-Direktor Andreas Büttiker. Respektlosigkeit, verbale Schlagabtausche, aber auch Vandalismus und Littering. «Gestiegen ist zudem die Gewaltbereitschaft», merkt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi an, «meist an Wochenenden, bei jungen Leuten mit einem gewissen Alkoholpegel.»

Zur Sicherheit und Prävention sind Kontrolleure meist in Teams unterwegs. Auch werden sie in Deeskalation geschult. Bei der BLT dürften Kontrolleure zudem Pfeffersprays mit sich tragen, sagt Büttiker. «Das wird aber kaum gemacht. Und zum Einsatz ist es noch nie gekommen.» Anders bei den SBB: «Es kommt gar nicht in Frage, dass unsere Leute Pfeffersprays auf sich tragen», erläutert Mediensprecher Pallecchi. «Wenn es brenzlig wird, gilt es, sich zurückzuziehen. Alles andere ist Aufgabe der Bahnpolizei.»

Doch das sind noch immer Ausnahmen: Sorgen macht den ÖV-Unternehmen vielmehr die Zahl der Schwarzfahrer. Seit Jahren liegt die Quote der Beanstandungen bei 2 bis 3 Prozent. «Das lässt sich kaum weiter senken», kommentiert Kirchhoffer. «Der Aufwand ist irgendwann nicht mehr wirtschaftlich.» Bei jährlich über 200 Millionen Fahrgästen im TNW-Gebiet sind dies aber immerhin rund 5 Millionen Beanstandungen. «Das sind 3 bis 4 Millionen Franken, die uns so entgehen», sagt Büttiker. Im Vergleich zum Ausland sei dies aber noch wenig. So würden in französischen Städten 30 bis 50 Prozent Schwarzfahrten registriert, in Italien seien es sogar noch mehr.

In Basel hilft den BVB-Kontrolleuren eine spezielle Software, möglichst viele Passagiere ohne Billett zu erwischen. Die Kontrolleure protokollieren ihre Arbeit auf elektronischen Eingabegeräten. Dabei erfassen sie die exakte Tram- oder Buslinie, die Haltestelle und die Zahl der Schwarzfahrer. So seien einzelne Strecken definierbar, auf denen überdurchschnittlich viele Schwarzfahrer erwischt werden. «Ich sage aber nicht auf welchen, um nicht einzelne Quartiere anzuschwärzen», erklärt Kirchhoffer. «In gewissen Gebieten ist aber sicher ein höherer Kontrolldruck nötig.»

Generell seien Schwarzfahrer eher auf Kurzstrecken, also im innerstädtischen Bereich unterwegs. «Hinzu kommt das TNW-Nachtnetz», führt Büttiker aus. «Entsprechend wird hier öfter kontrolliert.» Etwas tiefer liegt die Quote in ländlichen Gebieten: «Bei uns sind es etwa 1,5 bis 2 Prozent», sagt Hansruedi Bieri von der Autobus AG Liestal. Und auch dies betonen die ÖV-Unternehmen: Die Kontrollen würden weder zum Spass gemacht, noch um zusätzlich Geld zu verdienen. «Die Kosten für die Kontrollen werden durch die Bussen nicht annähernd gedeckt», betont Büttiker. «Diese dienen aber vor allem der Prävention.» Im Allgemeinen werde die Kontrolltätigkeit von den Fahrgästen begrüsst, ergänzt Bieri, «mit Ausnahme der Kunden ohne Ticket». (db)