Schildbürgerstreich
Wurde der Feldweg illegal geteert?

Noch ein Verstoss der Gemeinde Lengnau gegen das Gesetz? Ein Feldweg wurde geteert, ohne dass offenbar die hierfür erforderliche Bewilligung vom Kanton vorlag. Der Gemeindeammann von Lengnau will aber keine Stellung nehmen zu den «Schildbürgerstreichen».

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Aargauer Zeitung

Rosmarie Mehlin

Lengnau ist ein hübsches Dorf. Lengnau hat eine schöne Synagoge, gute Beizen, angenehme Geschäfte, schöne Wohnlagen. Die «Aargauer Zeitung» hat keinerlei Aversion gegen Lengnau, wie der am vergangenen Freitag erschienene Bericht «Seldwyla hoch drei im Surbtal» vermuten lassen könnte. Bloss - alles, was recht ist: Wenn der Gemeinderat den Verkehr auf eine Weise beruhigt, welche Verkehrsteilnehmer gefährdet, und wenn der Gemeinderat sich über Gesetze hinwegsetzt - dann muss der Bürger, muss die AZ-Leserschaft das erfahren.

Die gefährlich direkt hinter einer Kurve und teilweise ganz im Schatten liegenden drei versetzt, aber dicht beieinander liegenden Inseln auf der Vogelsangstrasse - hingepflanzt unter dem Titel «Verkehrsberuhigung» - wurden inzwischen wenigstens etwas entschärft: Die durchbrochene Mittellinie wurde - allerdings mehr schlecht als recht - entfernt und stattdessen die Inselchen mit breiten weissen Strichen umrahmt, sodass sie besser zu erkennen sind. Zum selben Zweck wurde jedes zusätzlich mit einem Pfosten versehen. Für Zweiradfahrer, ganz besonders Velofahrer, stellen diese Inseln aber zweifelsfrei nach wie vor eine grosse Gefahr dar.

Kanton geht der Sache nach

Auf die Frage, warum aus diesem Grund dort, beim Einmünder der Rebenstrasse, als Massnahme nicht die Montage eines Spiegels in Erwägung gezogen worden sei, will Gemeindeammann Kurt Schmid nicht antworten. «Wir haben kein Problem mit Kritik», erklärt er nur, ist ansonsten aber nicht bereit, eine Stellungnahme zu den von der AZ kritisierten und als «Schildbürgerstreiche» bezeichneten Punkten abzugeben.

Auch nicht zu einem weiteren «Schildbürgerstreich» des Gemeinderates, auf den ein Leser die AZ aufmerksam gemacht hat: Ein Feldweg, der von der Vogelsangstrasse etwa 100 Meter von der Abzweigung beim Kreuz entfernt hinunter in den Schachen und südlich weiter Richtung Unterwise führt, sei vor einiger Zeit geteert worden.

Laut der Abteilung für Baubewilligungen im Baudepartement muss eine solche Massnahme ausserhalb der Bauzone vom Kanton bewilligt werden. Offenbar ist aber vom Gemeinderat nie ein entsprechendes Gesuch eingereicht worden: «Wir gehen der Sache nach», heisst es in Aarau. Wie Abteilungsleiterin Felicitas Siebert weiter erklärt, kann es durchaus vorkommen, dass illegal geteerte Feldwege, die unter keinem Titel bewilligungswürdig sind, in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden müssen.

Pro natura gegen Teerung

Wie der Gemeindeammann von Ehrendingen, Renato Sinelli, aus Erfahrung bestätigen kann, sind solche Bewilligungen aber sehr schwer erhältlich. Umso mehr, als der betreffende Weg in Lengnau weit und breit zu keinem Hof führt, sondern nur übers offene Feld. Mit gutem Grund sei der Kanton restriktiv mit der Erteilung solcher Bewilligungen, betont der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, Johannes Jenny: «Wir kämpfen seit Jahren gegen die Versiegelung der Natur durch Teerung von Flur- und Feldwegen. Erstens, weil darauf das Regenwasser nicht abfliessen kann, aber auch, weil Teerbeläge im Sommer regelrechte Barrieren für Kleinlebewesen bilden. Sogar auch für solche in der Luft, weil die Hitzeabstrahlung vom Teer beispielsweise Insekten hindert, darüber hinwegzufliegen.»

Illegale Teerungen seien, so Jenny weiter, leider ziemlich verbreitet. «Weil aber der Slogan ‹Viele Strassen sind des Hasen Tod› durchaus nicht aus der Luft gegriffen ist, kann gesagt werden, dass auch geteerte Feldwege zur Reduktion der Feldhasen beigetragen haben.»

Gemeinde informiert am 19. Juni

Dass nicht nur die Kommunikationssäule an der Kantonsstrasse im Dorf ohne Bewilligung des Kantons aufgestellt wurde, sondern offensichtlich auch die Teerung des Feldwegs, will Gemeindeammann Kurt Schmid nicht kommentieren: «Wir wollen gegenüber der Öffentlichkeit nicht häppchenweise Stellung nehmen zu unseren Entscheiden und Realisierungen von Projekten, sondern werden die Bevölkerung von Lengnau über alles ausführlich an der Gemeindeversammlung vom 19. Juni informieren.»