Pausenaufsicht
Wie viel Aufsicht braucht es in den Pausen?

Haarsträubender Pausenzwischenfall in Wildegg: Zwei Fünfklässler zurren einen Kameraden mit einem Springseil am Hals an einem Baum hoch: Hätte die Pausenaufsicht in Untersiggenthal oder Umiken einen solchen Vorfall bemerkt? Nicht unbedingt, heisst es in den Schulen. Ein Augenschein.

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Aargauer Zeitung

Maja Sommerhlader

Morgens um zehn auf dem Pausenplatz Umiken. Eine Horde Kinder spielt Fussball, einige Mädchen tuscheln auf einer Bank, andere schauen die Journalistin mit grossen Augen an. Schulleiterin Luzia Thürig macht heute Pausenaufsicht. Lange bleibt sie nicht ungestört, während sie um das Schulhaus schlendert: «Dürfen wir über den Rasen rennen, Frau Thürig?», fragen zwei Buben. Thürig sagt kopfschüttelnd: «Nein, er wurde gerade erst angesät. Geht lieber aussen rum.» Ohne zu murren, nehmen die Schüler den Umweg in Kauf. «Wenn ich alleine unterwegs bin, kommen die Kinder eigentlich ständig zu mir und erzählen, was sie gerade machen.» Müsste sie nicht aufpassen, dass die Schüler keinen Blödsinn machen? «Ich bin keine Polizistin. Das ist auch nicht nötig, wenn die Schüler die Regeln kennen.»

Update

Am letzten Mittwoch zurrten zwei Fünftklässler auf dem Schulhausplatz Hellmatt in Wildegg ihren Klassenkameraden mit einem Springseil am Hals an einem Baum hoch (AZ vom 2. Juni). Wie gravierend der Vorgang war, ist bis jetzt offen. Er reichte aber aus, um beim 12-jährigen Buben eine Kehlkopfquetschung zu verursachen, bevor er von anderen Schülern befreit wurde. «Wahrscheinlich handelte es sich um einen ‹Bubenstreich›», sagt Schulleiter Bruno Glettig gegenüber der AZ (siehe Aargau-Teil, S.11). Momentan arbeiten die Schüler den Schrecken auf. Warum hat man den Vorfall nicht bemerkt? In der verwinkelten Pavillonanlage sei es schwierig, alles im Auge zu behalten, hiess es in der gestrigen AZ. Trotzdem wird die Schule die Aufsicht verstärken und die fraglichen Springseile aus den Pausenkisten verbannen.

Nicht immer Pausenaufsicht

In der Primarschule Hellmatt in Wildegg hingegen haben die Lehrer den schrecklichen Zwischenfall nicht bemerkt, der sich letzte Woche in der Zehnuhrpause zugetragen hat: Zwei Fünftklässler fesselten ihren Klassenkameraden mit einem Springseil und zurrten ihn an einem Baum hoch (siehe Update). Wie in Umiken ist es auf dieser Schulanlage ebenfalls schwierig, alles zu überwachen. Luzia Thürig ist aber überzeugt, dass in der Schule Umiken andere Verhältnisse herrschen als in Wildegg: «Wir sind viel kleiner.»

Die Pausen verlaufen sogar so friedlich, dass Pausenaufsicht nicht täglich nötig ist. Etwa einmal pro Woche patrouilliert eine Lehrkraft auf dem Schulhausplatz. «Es gibt Phasen, da müssen wir mehr kontrollieren. Im Winter zum Beispiel, wenn Schnee liegt», sagt Thürig.

Das Lehrerzimmer ist für Schüler offen: «Wenn es Probleme gibt, kommen sie.» Und Probleme gibt es auch hier. «Es ist wichtig, dass Kinder Konflikte untereinander regeln lernen. Schliesslich kann man xspäter auch nicht allen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen.» Trotzdem: «Manchmal müssen wir Lehrer helfen, eine Lösung zu finden.» Zu Gewalt komme es aber kaum. Was macht die Schule anders als andere? «Es liegt sicher daran, dass wir altersdurchmischte Klassen haben. Wenn sich die Schüler kennen, kommt es weniger zu Gewalt.»

Zudem kontrollierten sich die Schüler gegenseitig: «Ältere Schüler weisen die jüngeren zurecht. Umgekehrt melden es die Jüngeren, wenn sich ein Älterer nicht korrekt verhalten hat.» Also sind in Umiken solche Zwischenfälle wie auf dem Pausenplatz Möriken-Wildegg nicht möglich? Luzia Thürig antwortet vorsichtig: «Man kann nichts ausschliessen. Wir verbieten aber keine Springseile, sondern setzen weiterhin auf Prävention.»

Acht Lehrer kontrollieren

In der Schule Untersiggenthal hingegen setzt man nicht nur auf Prävention, sondern auch auf Kontrolle. 500 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis neunten Klasse werden hier unterrichtet. In den Pausen patrouillieren jeweils acht Lehrkräfte, wie Schulleiterin Silvia Mallien bestätigt: «Es gibt vier verschiedene Touren. Die Lehrer sind immer in Zweiergruppen unterwegs.» Kontrolliert wird auch ausserhalb der Schulhausanlage. So will man verhindern, dass die Schüler während der Pausen den Volg oder den Coop besuchen. «Bei der Pausenaufsicht geht es vor allem darum, dass man Präsenz markiert und eingreifen kann, wenn es Konflikte gibt.»

Wer gegen die Regel verstösst, muss am schulfreien Mittwochnachmittag nachsitzen. Es sei aber unmöglich, alles zu sehen. Denn auch das Schulareal in Untersiggenthal ist weitläufig und verwinkelt: «Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel.» Probleme mit Gewalt gebe aber es selten: «Momentan ist es sehr ruhig», so Mallien. Im letzten Semester wurden die Schüler nur einmal verzeigt, weil sie sich prügelten. Häufiger mussten die Schüler bestraft werden, weil sie in den Pausen rauchten, das Schulareal verliessen oder Schneebälle gegen die Hausmauer warfen.

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