Unfall
Wen soll man besser schützen?

Der Unfalltod einer 18-jährigen Velofahrerin auf der Kreuzung Bielstrasse/Wildbachstrasse vom vergangenen Donnerstag wirft hohe Wellen. In die Betroffenheit mischt sich zusehends Kritik an den vorhandenen Sicherheitsmassnahmen.

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Kreuzung Bielstrasse/Wildbachstrasse

Kreuzung Bielstrasse/Wildbachstrasse

Solothurner Zeitung

Christian Fluri

Die Frage ist delikat: Wen soll man besser schützen - den Radfahrer oder die Fussgängerin? Im Falle der Kreuzung Bielstrasse/Wildbachstrasse ist die Antwort klar. Hier profitiert der stadteinwärts fahrende Velofahrer nur von einem Warnblinken, wenn gleichzeitig eine Fussgängerin die Wildbachstrasse überqueren will und diese Absicht mittels Knopfdruck kundtut.

Im Fachjargon heisst das: Das Warnblinklicht wird nur bei «Konfliktgrün» mit dem rechtsliegenden Fussgängerstreifen aktiviert. Die Problematik ist alles andere als neu, hat aber in den vergangenen Tagen seit dem tragischen Unfall einer 18-jährigen Velofahrerin wieder an Bedeutung gewonnen.

Das Problem: Der Zweiradfahrer hat für die Richtungen «geradeaus» und «rechts» explizit Grün und glaubt sich auf der Busspur fälschlicherweise in Sicherheit, wenn er geradeaus in Richtung Stadt fährt. Der Auto- oder Lastwagenfahrer, der rechts abbiegt, wird durch kein Blinklicht oder Ähnliches gewarnt - sofern sich keine Fussgänger angemeldet haben.

«Das Lichtsignal funktioniert einwandfrei», sagt Beat Jost vom Amt für Verkehr und Tiefbau. Die Umprogrammierung der Anlage - zum Beispiel ein ständiges Blinklicht in Grünphasen - wäre technisch ohne Probleme machbar, jedoch ist es im Gesetz nicht vorgesehen. «Natürlich wären zusätzliche Signalisierungsmassnahmen wünschenswert. Wir müssen uns aber an die gesetzlichen Richtlinien halten. Und diese gelten gesamtschweizerisch», so Jost weiter.

Warum keine Trixi-Spiegel?

Der Unfall vom vergangenen Donnerstag ruft aber nicht nur Verkehrs- und Lichtsignalexperten auf den Plan. Auch Lastwagenchauffeure reagieren - mit Betroffenheit über den Unfall und mit Unverständnis für die Sicherheitsvorkehrungen. Zur Erinnerung: Die Velofahrerin wurde von einem Lastwagen erfasst.

Ruedi Walker aus Rüttenen hat den Unfall aus nächster Nähe miterlebt. Der Transportunternehmer stand mit seinem Lastwagen direkt gegenüber der Unfallstelle, als es passierte. Walker fordert von den Behörden mehr Trixi-Spiegel.

Diese Spiegel werden direkt an der Ampel angebracht und gewähren dem Chauffeur eines Lastwagens eine hundertprozentige Sicht über die gesamte rechte Seite des Fahrzeugs. «Warum diese Spiegel im Kanton und in der Stadt Solothurn nicht vermehrt bei kritischen Ampeln mit viel Lastwagenverkehr montiert werden, ist nicht nachvollziehbar», so Walker.

Das Hauptproblem ortet er bei der Investitionspolitik der Behörden: «Es werden in der Schweiz Hunderte von Millionen Franken als Verkehrsberuhigungen verbaut, wie das Beispiel der T5 zwischen Biel und Solothurn verdeutlicht. Vor lauter Verkehrsberuhigungen und Schikanen ist dabei aber ein wesentlicher Punkt, nämlich die Sicherheit, vergessen gegangen. Eine Sicherheit, die mit dem zusätzlichen Einbau der Trixi-Spiegel um ein Mehrfaches erhöht würde.»

«Wir wissen es einfach nicht»

Kantonsingenieur René Suter lässt diese pauschale Kritik am Wirken der Behörden nicht gelten und verweist auf die Machbarkeit: «Es gibt unzählige solche Gefahrenherde im Kanton. Da kann man diskutieren solange man will, wir wissen im Voraus einfach nicht, wo was passieren wird.»

Im vorliegenden Fall warte man den Unfallbericht ab und werde Massnahmen prüfen, erklärt Suter. Bisher sei diese Kreuzung noch nicht als Unfallschwerpunkt hervorgetreten. Denn: «Sobald wir aufgrund von Polizeiberichten an einem Ort Gesetzmässigkeiten feststellen, werden wir tätig», betont Suter.

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