Aedermannsdorf

Viel Theater um ein Theater

«Materiallager» Das ehemalige «Traumtheater Golden Harlekin» ist in diesen Aufliegern und Containern zwischengelagert, auf dem Geländer der alten Hammerschmiede. Die Gemeinde hat schon lange eine Räumungsverfügung erlassen. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Theater

«Materiallager» Das ehemalige «Traumtheater Golden Harlekin» ist in diesen Aufliegern und Containern zwischengelagert, auf dem Geländer der alten Hammerschmiede. Die Gemeinde hat schon lange eine Räumungsverfügung erlassen. (Bild: Hr. Aeschbacher)

Auf dem Grundstück der alten Hammerschmiede in Aedermannsdorf lagert das frühere «Traumtheater Golden Harlekin». Die Grundeigentümer sollten eigentlich bis gestern das Areal räumen. Nun hat man ihnen bei einem Augenschein noch einmal die Frist um zwei Monate verlängert.

Fabian Muster

Das Gebiet um das Restaurant Eisenhammer in Aedermannsdorf gehört zurzeit nicht gerade zu den Vorzeigeobjekten des Dorfes. Das Restaurant selbst ist seit einiger Zeit verwaist. Und die alte Hammerschmiede direkt gegenüber, wo Ludwig von Roll anno 1810 seine Karriere als Industrieller so richtig startete, gleicht auf den ersten Blick einem Abbruch. Alte Migros-Auflieger stehen herum, flankiert von Kassa-Häuschen und Containern. Dass dieses «Gerümpel» durchaus seinen Wert hat, darauf verweisen die rund 60 von Hand angefertigten Tiffany-Glasscheiben. Es handelt sich nämlich um das ehemalige «Traumtheater Golden Harlekin», das von 1993 bis rund 2000 im Raum Solothurn stationiert war, aber auch schweizweit auf Tournee ging (siehe Text unten).

Nur dank Goodwill der Gemeinde

Genau dieses Theater ist es, das die Gemüter in Aedermannsdorf erhitzt und schon zu zahlreichen Unmutsäusserungen geführt hat. Das Theater, das in den erwähnten Migros-Aufliegern und Containern untergebracht ist, soll weg. Eine rechtskräftige Verfügung der Gemeinde liegt vor, die das Oberamt Thal-Gäu nun durchsetzen will. Bis gestern Mittwoch hätten die Besitzer, das Ehepaar Michael und Barbara Gantenbein, Zeit gehabt, den Platz zu räumen. Weil dieser Termin als aussichtslos galt, hatte man vorgängig letzten Montag noch einen Augenschein vor Ort vereinbart zwischen Oberamtvorsteher Stephan Berger, Baupräsident Bruno Born sowie Michael Gantenbein.

Beim Augenschein wurde klar, dass sich mit Born und Gantenbein zwei Kontrahenten gegenüberstanden, die sich auf offizieller wie auch auf persönlicher Ebene kaum mehr was zu sagen haben. Besonders Michael Gantenbein zeigte sich teilweise sehr emotional. Er verstehe das Verfahren der Gemeinde nicht, sagte er. Und: «Baupräsident Born hat die Abmachungen nicht eingehalten.»

Lagerung nicht zonenkonform

Darum gehts: Das Ehepaar Gantenbein hatte die alte Hammerschmiede im August 2007 gekauft, um das Theater, ein Rundbau mit Zeltdach, auf dem dazugehörigen Land aufzustellen und zu renovieren. Ein Theaterbetrieb war nicht vorgesehen. Ein Jahr hätte man laut Gantenbein mit der Gemeinde ausgemacht. Baupräsident Born zufolge war es jedoch nur ein halbes Jahr, das man mündlich vereinbart hatte. Als dann in den ersten Monaten nichts ging, kontaktierte er Gantenbeins zuerst per Telefon, dann zweimal per Einschreiben. Doch eine Rückmeldung blieb aus. So fasste die Baukommission Mitte Oktober den Beschluss, dass das Areal bis Ende Jahr 2008 geräumt werden müsse. Denn: Gantenbeins hatten nie ein Baugesuch eingereicht, obwohl dies nötig gewesen wäre. Das «Materiallager» sei in der Landwirtschaftszone, wo sich die alte Hammerschmiede befinde, nicht zonenkonform. Der «Deal» ohne Baugesuch war nur dank dem Goodwill der Gemeinde zustandegekommen.

Gantenbeins reichten trotzdem Rekurs beim Kanton gegen die Räumungsverfügung ein. Ihre Begründung: Für Fahrnisbauten wie Theater oder Zirkus müsste bis zu einem halben Jahr am selben Standort kein Baugesuch eingegeben werden. Doch Gantenbeins zahlten die Kosten für den Rekurs nicht. Er kam nicht zustande. So setzte das Oberamt den 10. Juni als letzten Räumungstermin fest. Das Theater lagert inzwischen seit rund 15 Monate auf dem Geländer der alten Hammerschmiede.

Trotz dieser Vorgeschichte glaubte Michael Gantenbein noch immer, dass die Gemeinde einlenkt und die Frist nochmals verlängert. Dem Ansinnen konnte Born beim Augenschein aber vorderhand nichts abgewinnen: «Wieso hat man nicht früher Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen? Ich sehe jetzt keinen Spielraum mehr.» Gantenbein argumentierte, dass das Theater erst seit drei Wochen in ihren Besitz überging. Zudem fehlte ihnen bis anhin das Geld. Auch sei es nicht einfach, so schnell einen Alternativstandort zu finden.

Frist bis Mitte August verlängern

Schliesslich lenkte die Gemeinde doch noch ein: Born schlug eine letzte Fristerstreckung bis Mitte August vor. Er werde dies der Baukommission so beantragen und ist guter Dinge, dass dies auch klappt.

Oberamtchef Berger machte klar, was Gantenbeins blüht, wenn sie die Frist erneut nicht einhalten: Das Material wird zonenkonform auf Kosten des Eigentümers an einem anderen Ort gelagert. Zugleich wird eine Strafanzeige gemacht.

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