Kantonsgericht

Verurteilter Drogenhändler erhält dank geständigem Mittäter Strafrabatt

Das Urteil für den Kokainhändler wurde von zehn auf neun Jahre Haftstrafe reduziert. (Symbolbild)

Das Urteil für den Kokainhändler wurde von zehn auf neun Jahre Haftstrafe reduziert. (Symbolbild)

Ein Mann aus Liestal wurde vor einem Jahr vom Strafgericht zu zehn Jahren Haft wegen Handel mit Kokain verurteilt. Er legte Berufung ein. Gestern bestätigte das Kantonsgericht das Urteil, reduzierte die Freiheitsstrafe jedoch auf neun Jahre.

Es war ein ungewöhnlich hohes Strafmass, dass der Mann aus Liestal vor einem Jahr vom Strafgericht erhielt: 10 Jahre Freiheitsstrafe wegen Drogenhandel mit Kokain. Gestern bestätigte das Kantonsgericht als zweite Instanz die Verurteilung in praktisch allen wesentlichen Punkten, gab sich aber beim Strafmass etwas gnädiger: Die Dauer der Freiheitsstrafe beträgt nun noch neun Jahre.

Dass er in einen bedeutenden Kokainhandel verwickelt war, hatte der Mann zugegeben, seine hohe Stellung in der Dealer-Organisation jedoch stets bestritten. Für beide Gerichtsinstanzen war es jedoch klar, dass er eine leitende Figur im Kokainhandel insbesondere von der Dominikanischen Republik in die Schweiz gewesen ist. Inklusive allen Versuchen rechnet ihm die Justiz den Import von umgerechnet rund elf Kilogramm reinem Kokain an.

Er selbst hatte unter anderem nicht nur Drogenkuriere instruiert und kontrolliert, sondern wollte in der Karibik gar selbst mit den Lieferanten verhandeln. Bislang waren die Drogenkuriere in Santo Domingo mithilfe von Bestechungsgeldern von den Flughafenangestellten in den Sicherheitsbereich geschleust worden, doch die dortigen Behörden reagierten mit kurzfristigen Dienstwechseln und Razzien – schliesslich plante der Angeklagte, einen eigenen Paketpostdienst aufziehen. Daraus wurde nichts, der Kurier wurde in Zürich am Flughafen mit heisser Ware erwischt, der Hauptangeklagte nach langen Observationen und Telefonüberwachungen später am Zoll in Weil am Rhein.

«Sie waren die treibende Kraft, und sie haben das sehr professionell gemacht», begründete Gerichtspräsident Thomas Bauer das Urteil. Der Kurier erhielt eine relativ milde Strafe von sechs Jahren, weil er gegen seinen «Chef» ausgesagt hatte: Das Kantonsgericht zollte ihm eine hohe Glaubwürdigkeit, auch habe er sich nicht in Widersprüche verstrickt. «Solche Aussagen saugt man sich nicht einfach aus den Fingern, auch nicht, wenn man raffiniert ist», stellte Thomas Bauer gestern klar.

Strafrelation muss stimmen

Jener Kurier war der Hauptgrund, weshalb nun der Angeklagte von einem tieferen Strafmass profitiert: Das Bundesgericht hatte in einem Urteil erklärt, dass bei einem geständigen und äusserst kooperativen Straftäter, der auch viel zur Aufklärung beitrage, ein Rabatt von etwa einem Drittel der Strafe drin liege. Mit den sechs Jahren Freiheitsstrafe hatte der Kurier aber faktisch einen Rabatt von 40 Prozent (gerechnet auf die zehn Jahre) erhalten, und dies sei schon «sehr viel», wie Bauer anmerkte.

«Es gehört auch zur Gerechtigkeit, dass innerhalb einer Gruppe die Strafrelation stimmt. Selbst wenn jemand isoliert betrachtet zu Recht zu zehn Jahren verurteilt worden ist, dann kann es nicht sein, dass andere besser wegkommen, und dann die Relation nicht mehr stimmt. Dieser Vergleichsansatz spielte heute eine Rolle in der Herabsetzung von zehn auf neun Jahre», sagte Thomas Bauer. Ganz einig waren sich die fünf Richter dabei allerdings nicht: «Wir haben lange diskutiert, ob das richtig ist oder nicht», sagte der Gerichtspräsident. Noch ist eine Beschwerde ans Bundesgericht möglich.

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