Maja Sommerhalder

«Das ist ein Bild des Grauens», sagt Rolf Friedli. Der Sinser Bauverwalter steht in einem Klassenraum im Obergeschoss des Sekundarschulhauses - die Wände und das Mobiliar sind kohlrabenschwarz. Der Boden ist nass, die grossen Schulwandkarten sind verbrannt, beissender Brandgeruch liegt in der Luft. «Das ist der Brandherd», sagt Friedli und zeigt auf das Lavabo.

Tatsächlich haben Unbekannte in der Nacht auf Donnerstag im Lavabo mit Papiertüchern Feuer entfacht. Die Hitze liess den Kunststoff-Wasserhahn schmelzen, das Schulzimmer wurde dadurch unter Wasser gesetzt. Der untere Raum ist ebenfalls betroffen, da das Wasser durch den Boden sickerte. Der Brand griff in der Zwischenzeit auf die kunststoffbeschichtete Wand über, was dichten Qualm verursachte. Als die Lehrerin des Schulzimmers dies um halb sieben Uhr morgens bemerkte, alarmierte sie sofort die Feuerwehr. Diese konnte jedoch nicht verhindern, dass der Qualm auf das ganze Schulhaus übergriff.

Computerraum zerstört

Friedli geht durch die Schulhausgänge; alles ist von einer dicken Russschicht überzogen. «Sämtliche 25 Räume sind derzeit unbrauchbar. Wir müssen alles sanieren.» Der Sachschaden am Gebäude betrage 300000 bis 400000 Franken, sagt er. Dazu kommt das zerstörte Mobiliar. Denn die Vandalen haben nicht nur im Lavabo Feuer gelegt und im Korridor aufgehängte Turnsäcke in Brand gesetzt, sondern auch im Computerraum gewütet. «Sie haben mehrere Monitore zerkratzt und auf den Boden geworfen», so Friedli: «Wahrscheinlich müssen wir wegen des Russes sowieso alle Computer ersetzen. Zum Glück wurden gestern Abend die Daten abgespeichert.»

220 Schüler haben frei

Bis zum Wochenende haben die 220 betroffenen Schüler frei. Friedli rechnet damit, dass die Räume frühestens nach den Frühlingsferien wieder bezogen werden können. Wo die Jugendlichen bis dahin unterrichtet werden, ist unklar: «Wir haben ein logistisches Problem.»

Woher haben sie Schlüssel?

Ein grosses Rätsel ist auch, wie die Vandalen in das Schulhaus kamen. Denn es fehlen Einbruchsspuren. «Sie müssen einen Schlüssel gehabt haben», sagt Friedli. Wie sie an diesen rangekommen sind, weiss er nicht. Bis jetzt fehle keiner. Bernhard Graser von der Kantonspolizei vermutet, dass die Täter einen Bezug zur Schule haben: «Vielleicht sind es Schüler oder Ehemalige.» Dass Vandalen in Schulhäusern solch grossen Schaden anrichteten, sei ungewöhnlich.

Schon vor eineinhalb Jahren wüteten nachts Brandstifter im Sinser Sekundarschulhaus. «Sie haben damals die Tür mit einem Stein aufgeschlagen und im Untergeschoss ein Feuer entfacht», so Friedli. Dieses habe zwar keinen allzu grossen Schaden angerichtet, doch auch hier wurden die Brandstifter trotz intensiven Ermittlungen nie gefunden.

Die Gemeinde Sins setzt eine Belohnung von 1000 Franken aus für Hinweise, die zur Ermittlung der Täterschaft führen. Informationen nimmt die Kantonspolizei Muri unter 056 675 76 20 entgegen.