Mägenwil

Unfall oder Mord in Mägenwil?

Mägenwil Tötungsdelikt

Mägenwil Tötungsdelikt

Ein damals 20-jähriger Mann soll, laut Anklage der Staatsanwaltschaft, im September 2006 in Mägenwil seinen 51-jährigen Vater ermordet haben. Der Verteidiger spricht von einem bedauerlichen Unfall.

Toni Widmer

Der tödliche Schuss, an dessen Folgen im September 2006 der damals 51-jährige Mägenwiler im Spital verblutete, stammte aus der Waffe, die sein damals 20-jähriger Sohn während eines Streits gezogen hatte. Ob sich der Schuss unabsichtlich gelöst hat, wie der junge Mann bis heute versichert, oder ob er seinen Vater bewusst erschossen hat, wie die Staatsanwaltschaft vermutet, darüber wird das Bezirksgericht Baden demnächst zu befinden haben.

Erst jetzt öffentlich geworden

Dass der Fall erst gestern Mittwoch durch Recherchen von Tele M1 publik wurde, ist ein Indiz dafür, dass auch die Untersuchungsbehörden anfänglich von einem tragischen Unfall ausgegangen sind. Im Herbst 2006 ist vom tödlich endenden Familienstreit im Mägenwiler Mehrfamilienhaus nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Hätte die Polizei damals über Indizien verfügt, die klar auf einen Mord hindeuteten, wäre angesichts der allgemein offenen Informationspolitik die Öffentlichkeit bestimmt informiert worden.

Diese These vertritt auch Urs Oswald, der den Angeklagten vor Gericht vertreten wird. Im Rahmen der Untersuchung sei lange Zeit in Richtung Unfall ermittelt worden. Die These der vorsätzlichen Tötung, die Staatsanwältin Christina Zumsteg vor Gericht vertreten wird, sei erst durch ein rekonstruktives Gutachten ins Spiel gekommen.

Keine eindeutigen Schlüsse

Bei dem relativ jungen Verfahren des rekonstruktiven Gutachtens wird versucht, anhand der Örtlichkeiten sowie der Art und Weise der Verletzungen eines Opfers den Tatablauf digital zu rekonstruieren.

Das vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern erstellte Gutachten lasse keinen eindeutigen Schluss zu, ist Urs Oswald überzeugt: «Das Institut kommt klar zum Schluss, dass meinem Mandanten eine vorsätzliche Handlung nicht mit letzter Sicherheit vorgeworfen werden kann.» Ein Indiz für einen Unfall sieht Oswald auch im Verhalten seines Mandanten nach dem Vorfall: «Er hat sich nicht davongemacht, sondern sofort eine Ambulanz gerufen und vor Ort selber lebensrettende Sofortmassnahmen ergriffen.»

Staatsanwältin Zumsteg interpretiert das Gutachten anders. Sie ist überzeugt, dass der Sohn seinen Vater absichtlich angeschossen hat. In der den Parteien dieser Tage zugestellten Anklageschrift fordere sie eine Zuchthausstrafe von 8 Jahren, hielt sie der MZ gegenüber fest. Der Verteidiger wird auf fahrlässige Tötung plädieren, was lediglich eine bedingte Gefängnisstrafe zur Folge hätte.

Der Angeklagte sitzt zurzeit im Bezirksgefängnis Kulm. Er wurde zwar aus der Untersuchungshaft nach dem Vorfall 2006 bald wieder entlassen. Wenige Monate später erfolgte allerdings eine zweite Verhaftung wegen Eigentums- und Strassenverkehrsdelikten. Auch nach der zweiten Verhaftung wurde er wieder freigelassen. Vor rund einem halben Jahr wurde er dann in Sicherheitshaft gesetzt.

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