Raser ohne Billet

Unbedingt für einen Raser ohne Billett

Die Geschwindigkeit wurde aus einem Wagen der Kantonspolizei gemessen

Polizei Aargau

Die Geschwindigkeit wurde aus einem Wagen der Kantonspolizei gemessen

Das Bezirksgericht Brugg hat einen Autofahrer, der mit mehr als 200 Sachen auf der Autobahn unterwegs war, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

«Was habe ich jetzt bekommen?», fragte der hünenhafte junge Mann nach der Verhandlung, draussen im Korridor, ungläubig seinen Anwalt. «Drei Jahre», meinte der. «Ist das bedingt?», wollte der junge Mann wissen. «Drei Jahre ist immer unbedingt», meinte der Verteidiger und lächelte dünn. «Gefasst» hatte der junge Mann - der aus einem südosteuropäischen Land stammt, der aber in Basel aufgewachsen ist und in Basel wohnt - die Freiheitsstrafe wegen groben Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz.

Ohne Billett - aber mit 216 km/h

Vorgeworfen wurde ihm, mit seinem Wagen auf der Autobahn bei Effingen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h nach Abzug des Toleranzwertes von 19 km/h um satte 87 km/h überschritten zu haben. Gemessen worden war die Geschwindigkeit aus einem Fahrzeug der Kantonspolizei heraus, das dem Wagen des Angeklagten gefolgt war. Als der junge Mann bei Eiken angehalten worden war, hatte sich zudem ergeben, dass er ohne Billett unterwegs war.

Der Führerausweis war ihm gut vier Jahre vorher entzogen worden - auf unbestimmte Zeit. Gegenüber den Polizisten hatte er zudem falsche Angaben gemacht. Er hatte sich als sein Bruder ausgegeben. Als dann dieser Bruder bei der Polizei vortrabte, flog die Sache auf und trug dem Raser auch noch eine Anklage wegen falscher Anschuldigung ein.

Beschuldigt wurde der Angeklagte zudem der Drohung. Vorgeworfen wurde ihm, zusammen mit zwei weiteren Männern in einer Baselbieter Gemeinde eine Frau in Angst und Schrecken versetzt zu haben. Die Anklage ging davon aus, dass es das Trio auf den Ehemann der Frau abgesehen hatte.

Weil man diesen aber nicht angetroffen hatte, war die Ehefrau verbal bedroht worden und man hatte ihr demonstrativ eine Waffe gezeigt. Gemäss Untersuchung war der Angeklagte beim Vorfall jedoch nicht aktiv geworden, und er hatte kein Wort geäussert. Vor Gericht erklärte die als Zeugin aussagende Frau, dass der Angeklagte bloss dagestanden hätte. «Ich glaube, dass er mit der Sache gar nicht zu tun hatte», meinte sie.

In der Befragung durch Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth erklärte der Angeklagte zum Vorwurf der Drohung: «So schlimm wie das jetzt dargestellt wird, war das nicht. Ich weiss gar nicht um was es dabei gegangen ist. Mein Arbeitgeber, den ich seit vielen Jahren kenne, und dem ich vertraut habe, hatte mir einfach gesagt: ‹Komm mit.› Später habe ich erfahren, dass es um Geld, um viel Geld gegangen ist. Vielleicht hatte sich mein Arbeit- geber gedacht: ‹Nimm den mit. Der ist gross und stark und er ist im Gefängnis gewesen.»

«Ich konnte nicht widerstehen»

Zur falschen Anschuldigung meinte der Angeklagte: «Ich dachte, dass ich sonst in der Kiste landen würde. Ich wollte Zeit gewinnen. Am Tag darauf habe ich aber bei der Polizei angerufen.» Und zum Fahren ohne Ausweis und zur massiven Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit erklärte er: «Ich konnte einfach nicht widerstehen. Das gibt es eben. Mir ist bewusst, dass das ein Fehler war, der hart bestraft werden muss.»

Der Verteidiger beantragte Freispruch seines Mandanten vom Vorwurf der Drohung. «Der Staatsanwalt fordert eine unbedingte Strafe von 6 Monaten», meinte der Verteidiger. «Beim Wegfall der Drohung ist eine erhebliche Reduktion angezeigt. Angebracht ist eine Strafe von deutlich unter 6 Monaten». Er beantrage denn auch eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 30 Franken.

Das Gericht kam jedoch zu einem anderen Schluss. Es sprach den Angeklagten zwar vom Vorwurf der Drohung frei. Es verurteilte ihn aber zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. «Raserei ist kein Kavaliersdelikt», sagte die Vorsitzende bei der Urteilseröffnung. «Beim Angeklagten handelt es sich offensichtlich um einen unbelehrbaren Wiederholungstäter. Ein mildes Urteil liegt nicht mehr drin.»

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