Verprügelt
Überfälle auf Tankstellen werden immer brutaler

Weil er den Tätern zu langsam war, wurde ein Verkäufer eines Tankstellenshops zusammengeschlagen. Diese Brutalität ist selten, doch die Überfälle häufen sich – die Täter entkommen meistens.

Joël Hoffmann
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Überfälle auf Tankstellen-Shops häufen sich (Symbolbild)

Überfälle auf Tankstellen-Shops häufen sich (Symbolbild)

Keystone

Bereits zum fünften Mal in diesem Jahr haben Kriminelle Tankstellenshops überfallen. Das Vorgehen der Täter hat eine neue Dimension der Gewalt erreicht. Beim Überfall auf die Coop-Tankstelle in Therwil vom vergangenen Mittwoch gingen die Täter äusserst brutal vor – der Verkäufer wurde erheblich verletzt. Die Polizei ist besorgt über diese Entwicklung.

Gesundheitszustand ist unklar

Als der 34-jährige Mitarbeiter gegen halb sechs Uhr früh den Shop aufschloss, drangen drei teilweise maskierte Männer in den Laden ein, wie die Baselbieter Polizei mitteilt. Die Täter bedrohten den Verkäufer mit Messer und Pfefferspray und forderten ihn auf, den Tresor zu öffnen. «Als dies den Tätern aber zu langsam ging, schlugen sie mehrmals heftig auf den Verkäufer ein, besprühten ihn mit Reizgasspray und hielten ihm das Messer an den Hals», wie die Polizei weiter mitteilt. Der Mitarbeiter musste ins Spital eingeliefert werden – die Täter entkamen. Die Baselbieter Polizei sucht nun die drei gewaltbereiten Räuber. Von zweien gibt es Phantombilder. Die Polizei setzt eine Belohnung von 5000 Franken aus.

«Diese unnötige Gewalt hat uns schockiert», sagt Jürg Kretzer, Sprecher der Coop Mineralöl AG. Über den Gesundheitszustand des Verkäufers gibt er auf Wunsch des Opfers keine Auskunft. «Die durch die Täterschaft an den Tag gelegte Brutalität ist in der Tat eine neue Dimension», sagt Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei.

Die Tankstelle in Therwil wurde dieses Jahr bereits zum zweiten Mal überfallen. Auch der Tamoil-Tankstellenshop in Muttenz wurde schon zwei Mal beraubt. Ein weiterer Raubüberfall gab es zudem in Binningen. Dazu Stöcklin: «Das Phänomen ist nicht neu.» 2011 gab es neun solche Überfälle, 2010 drei und 2009 sechs. Zwischen 2011 und heute ist erst ein Täter gefasst worden: ein damals 18-jähriger Schweizer, der Mitte Januar 2011 einen Shop in Gelterkinden überfallen hat.

Sicherheitskonzepte angepasst

«Der brutale Überfall ist zum Glück eine Ausnahme», sagt Kretzer. Doch auch die anderen Fälle, bei denen die Verkäufer zum Teil mit Pistolen bedroht wurden, seien eine enorme Belastung für die Opfer. «Wir bieten Care-Teams und kostenlose Schulungen fürs Personal an.» Auch werde das Sicherheitskonzept laufend angepasst. «Auch wenn nichts passiert», betont Kretzer. Wie dieses aussieht, wird generell nicht kommuniziert.

Ebenso will sich Stöcklin dazu nur pauschal äussern. «Wir haben nicht die Absicht, der Täterschaft quasi in die Hand zu spielen», begründet er. Die Polizei sei aber regelmässig im Kontakt mit den Tankstellenbetreibern und anderen Polizeien. Letztlich liegt es an den Tankstellenshop-Betreibern, welche Sicherheitsmassnahmen sie umsetzen.