Daniel Aenishänslin

Sechs Fälle waren der Baselbieter Polizei bereits bekannt, zwei weitere sind inzwischen gemeldet worden, wie Meinrad Stöcklin, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, auf Anfrage bekannt gibt. «Es handelt sich um Frauen,

die gegen ihren Willen angefasst wurden», sagt Stöcklin, «beispielsweise an den Beinen oder im Brustbereich.» Auch verbal seien die Frauen belästigt worden: «Sex gegen Fahrpreis.»

Imageschaden für Taxibranche

Die Suche nach weiteren mutmasslichen Tätern geht weiter. Noch immer können sich Frauen bei der Baselbieter Polizei melden, die gleiche oder ähnliche Erfahrungen machen mussten. «Dass sich bereits zwei weitere Frauen gemeldet haben, zeigt, dass wir mit unseren Befürchtungen nicht falsch liegen», sagt Stöcklin, «ich gehe leider davon aus, dass noch weitere Fälle hinzukommen.»

Im Moment leidet die Taxibranche unter einem Imageschaden. Kurt Schaufelberger, Mediensprecher der Basler Taxizentrale, gibt unumwunden zu: «Die Branche leidet unter ein paar wenigen schwarzen Schafen, es sind deswegen schon mehrere anonyme Anrufe eingegangen, die durchwegs negativ waren.»

Würde der Vorwurf der sexuellen Belästigung auf einen seiner Taxifahrer zutreffen, so Schaufelberger, die Taxizentrale würde umgehend reagieren. Ebenso wie die Liestaler Balmer Taxi GmbH. Chefsekretärin Iris Franke, die den Taxibetrieb organisiert, sagt: «Eine Kündigung wäre unausweichlich.» Dass es in ihrem Betrieb so weit kommen könnte, denkt sie nicht: «Unsere Fahrer wissen, was sie haben, und das wollen sie behalten. Einen guten Job in einem Unternehmen, das sie gut behandelt.»

Ob Polizei oder Taxiunternehmen - in einem Punkt sind sich alle einig: «Es wäre falsch, alle über den gleichen Kamm zu scheren.» Die grosse Mehrheit der Taxichauffeure mache einen guten Job. «Was geschehen ist, ist bedauerlich», sagt Schaufelberger, «aber in der angegebenen Zeit von neun Monaten machen wir zehntausende von Fahrten, die im Normalfall zur absoluten Zufriedenheit der Kunden abgewickelt werden.» Iris Franke und Kurt Schaufelberger sehen keinen Grund zur Panik.

Wer nun unsicher sei, in welches Taxi sie steigen soll, greife am besten auf jene Taxiunternehmen zurück, die sie schon kenne. Auch grosse Unternehmen mit einem guten Ruf und langjähriger Tätigkeit dürfe weiterhin das Vertrauen geschenkt werden. Zudem sei es generell sicherer hinten einzusteigen und nicht auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. «Damit ist bereits Distanz gegeben», sagt Meinrad Stöcklin.

«Konkrete Zahlen gibt es nicht»

Dass vor allem ausländische Taxifahrer gemieden werden sollen, hält Iris Franke für «ein Vorurteil», und Kurt Schaufelberger hält davon «rein gar nichts». Auch sei es falsch, von einem eindeutigen Tatort zu sprechen. «In den ersten sechs Fällen», sagt Stöcklin, «sind die Frauen in Basel zugestiegen und liessen sich ins Baselbiet chauffieren.»

Ob es sich in den bisher bekannten acht Fällen um eine neue Entwicklung handle, könne nicht gesagt werden, erklärt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin, «konkrete Zahlen gibt es nicht, was aber nicht heisst, dass es keine vergleichbaren Fälle gibt.» Vielleicht sei das Thema bislang einfach ein «Tabu» gewesen.