Bezirksgericht Zürich

Spitalreif geprügelt weil er die Ehefrau mit «Schätzli» ansprach

Der 29-Jährige soll schon seine Ehefrau angespuckt und ihr auch eine Rippe gebrochen haben.(Symbolbild)

Der 29-Jährige soll schon seine Ehefrau angespuckt und ihr auch eine Rippe gebrochen haben.(Symbolbild)

Am Mittwoch wurde der Prozess wegen schwerer Körperverletzung eröffnet: Ein Dietiker schlug einem Mann vor einem Zürcher Club zehn mal mit der Faust ins Gesicht und trat ihm in den Kopf - weil dieser seine Ehefrau als «Schätzli» angesprochen hatte.

Schlägereien in den frühen Morgenstunden, wenn die angetrunkenen Partygänger brutal aufeinander losgehen, enden oft vor Gericht. So geschah es auch in der Nacht auf den 24. Juli 2011, als ein heute 29-jähriger Storenmonteur aus Dietikon mit seiner Ehefrau ihren Geburtstag ausgiebig in einem Stadtzürcher Club an der Geroldstrasse feierte.

Der Monteur und seine Frau verliessen um 4 Uhr das Lokal, um draussen eine Zigarette zu rauchen. Ein angetrunkener Clubbesucher wollte der Ehefrau ein Kompliment machen und sprach sie als «Schätzli» an. Der eifersüchtige Ehemann fasste dies als plumpe Anmache auf und riss einen Streit vom Zaun.

Spitalreif geprügelt

Die Anklageschrift schilderte, wie es bald zu einem Gerangel kam. Danach hatte das Opfer keine Chance mehr. Der Dietiker schlug ihm mit der Faust zehn Mal ins Gesicht und trat ihm laut Anklage auch noch in den Kopf. Dann kam es noch schlimmer. So mischte sich auch noch ein Schlieremer Kollege des Ehepaars ein und versetzte dem bereits wehrlos am Boden liegenden Geschädigten einen Fusstritt gegen den Kopf. Während die Täter kurz darauf das Weite suchten, wurde der Bewusstlose mit einem Schädelhirntrauma in ein Spital eingeliefert. Er musste sich in der Folge zwei Operationen unterziehen und blieb bis zum Dezember 2011 arbeitsunfähig.

Verhaftet und angeklagt

Der serbische Gewalttäter wurde zwei Monate später von der Polizei ausfindig gemacht und verhaftet. Der Familienvater war kein unbeschriebenes Blatt. So lief gegen ihn bereits ein Strafverfahren wegen häuslicher Gewalt. Er hatte seine Ehefrau nicht nur angespuckt, sondern ihr auch eine Rippe gebrochen. Zu seinen Opfern gehörte auch sein Kampfhund, den er gegen eine Hauswand geworfen und mit seinen Füssen traktiert hatte.

Seit gestern muss sich der mehrfach vorbestrafte Schläger am Bezirksgericht Zürich verantworten. Zusammen mit seinem Ex-Kollegen, der den Geschädigten ebenfalls verletzt haben soll.

Beide Beschuldigten hinterliessen vor den Schranken einen schlechten Eindruck. So schoben sie sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe und versuchten die eigene Haut zu retten. Der heute noch inhaftierte Dietiker widerrief frühere Aussagen und führte aus, dass er sich im Rahmen einer gegenseitigen Schlägerei nur gewehrt und niemals getreten habe.

Bloss Streit schlichten

Sein Ex-Kollege erklärte dagegen, dass er den Streit bloss habe schlichten wollen. Verletzt habe er aber niemanden. Gegen ihn sprach allerdings ein nachträglicher Eintrag ins Facebook: «Ha ha, ich und mein Begleiter haben den anderen fast umgebracht.» Vor Gericht bezeichnete er seinen Satz als übertriebene Prahlerei.

Der zuständige Staatsanwalt sah es anders und forderte für beide Limmattaler wegen versuchter schwerer Körperverletzung hohe, unbedingte Freiheitsstrafen: Viereinhalb Jahre für den Dietiker, zweieinhalb Jahre für den Mann aus Schlieren.

Der Prozess wird einige Tage beanspruchen. Es folgen die Parteianträge des Geschädigten-Vertreters und der beiden Verteidiger. Wann das Urteil erfolgt, ist noch unklar.

Meistgesehen

Artboard 1