Casino
Sonderkommission soll Raubüberfall auf Casino Basel klären

Nur durch Zufall sei am Sonntagmorgen im Grand Casino Basel niemand getötet worden. Die Brutalität des Überfalls hat die Staatsanwaltschaft bewogen, eine Soko einzusetzen. Nun wurde zudem bekannt, dass den Räubern die Flucht durch ein aufgebrochenes Tor im Grenzzaun gelungen ist. Ihre Spur verliert sich im Elsass.

Drucken
Teilen
Grand Casino Basel auf brutalste Art und Weise überfallen

Grand Casino Basel auf brutalste Art und Weise überfallen

Loris Vernarelli

In Berlin ging es schnell. Die Räuber, die Anfang März Deutschlands grösstes Pokerturnier überfallen hatten, sassen zwei Wochen später alle in Untersuchungshaft. Der rasche Fahndungserfolg ist allerdings einem der Täter zu verdanken, der sich aus Reue gestellt und seine Komplizen verpfiffen hat. Ob die Basler Fahnder im Fall des ausgeraubten Grand Casinos an der Flughafenstrasse genauso Glück haben werden, bleibt abzuwarten. Doch Kriminalkommissär Peter Gill macht sich diesbezüglich kaum Hoffnungen: «Am Sonntagmorgen waren absolute Profis am Werk. Sie haben den Überfall minutiös vorbereitet und kommandoartig ausgeführt. Die Männer wussten genau, was sie wollten und wie lange sie dafür Zeit hatten.»

Videobilder und Spuren auswerten

Reue werden solche Männer wohl kaum verspüren, zu brutal und kaltblütig gingen sie vor. Man könne von Glück reden, dass es keine Toten gegeben habe, betont Gill. Nicht zuletzt deshalb hat die Basler Staatsanwaltschaft eine Sonderkommission (Soko) ins Leben gerufen - eine Massnahme, die in der Regel nur bei schwerwiegenden Fällen wie Tötungsdelikten ergriffen wird. Rund 20 Personen aus verschiedenen Abteilungen der Staatsanwaltschaft kümmern sich seit gestern ununterbrochen um den Raubüberfall. Die Aufgaben der Kriminaltechniker, Staatsanwälte und Kriminalisten sind klar definiert: Videobilder analysieren, Spuren auswerten, Zeugen befragen.

Da die Täter Autos mit französischen Kontrollschildern fuhren und auch in Richtung Frankreich geflüchtet sind, ist eine Zusammenarbeit mit den Kollegen jenseits der Grenze unabdingbar. «Sie kommen zu uns und wir gehen zu ihnen», schildert Kriminalkommissär Gill die enge Beziehung zur französischen Polizei. Ausserdem erleichtere die ständige Anwesenheit eines französischen Verbindungsbeamten in Basel den Austausch der Informationen. Gill stellt aber klar, dass keine Franzosen in der Soko vertreten sind und dass einzig die Basler Staatsanwaltschaft für den Fall zuständig ist.

«Habe schlecht geschlafen»

Im Grand Casino versucht man derweil, zur Normalität zurückzukehren. Nur wenige der Angestellten, die den Überfall miterlebt haben, seien zu Hause geblieben, sagt Geschäftsführer Michael Favrod. Jeder verarbeite das Ereignis eben auf individuelle Weise. Und Favrod selbst? «Ich habe schlecht geschlafen. Um die Geschehnisse zu verdauen, braucht es bestimmt noch Zeit.» Beruhigt hat den Geschäftsführer die Tatsache, dass das gestohlene Geld - mehrere 100 000 Franken - versichert ist und der Tresor nicht geknackt wurde. Und auch die Gäste sind am Sonntag und gestern nicht ausgeblieben. Viele Gesichter habe er zum ersten Mal gesehen, räumt Favrod nebenbei ein. Das Wort «Kriminaltouristen» will er aber nicht in den Mund nehmen.

Flucht gelang durch Grenzzaun

Ein Sprecher der Basler Staatsanwalt bestätigte am Dienstag erste Vermutungen, dass die Räuber die Strasse vor dem Flughafen durch ein Stahltor verlassen haben, das normalerweise geschlossen ist: Das Schloss sei aufgebrochen worden. Der Zaun sichert die über französischen Boden führende Schweizer Zollfreistrasse zum Flughafen.

Ihre Spur verliert sich im Elsass. Schweizer und französische Ermittler arbeiten eng zusammen. (sda/skh)