Liestal
Sicherheitsmängel bei Gefängniscontainer: Häftling kann flüchten

Ein 25-jähriger Albaner ist am Montag nachts aus dem Gefängniscontainer ausgebrochen. Sofort wurden Hunde für die Suche eingesetzt, jedoch ohne Erfolg. Die Container sind seit Mitte Februar in Betrieb, um mehr Haftplätze zu haben.

Leif Simonsen
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Ein Insasse ist aus dem Gefängnis-Container ausgebrochen.

Ein Insasse ist aus dem Gefängnis-Container ausgebrochen.

bz-Archiv/zvg

Der 25-jährige Albaner hatte Glück: Wäre er ein paar Sekunden später dran gewesen, dann würde er auch die heutige Nacht im provisorischen Containergefängnis in Liestal verbringen. So aber übernachtet er in der Freiheit. Dem mutmasslichen Drogendealer gelang nämlich die Flucht - die Verletzung, auf welche die Blutspuren hindeuten, hinderte ihn offenbar nicht am schnellen Verschwinden.

Auch Spürhunde kamen dem Ausbrecher nicht auf die Spur. Immerhin schaffte es die heranbrausende Polizei, den Mitinsassen des klein gewachsenen Flüchtigen von seinem Plan abzubringen: Auch er wollte sich am Montagabend um kurz nach 22 Uhr aus dem Staub machen, entschied sich aber offenbar um.

Glück hatten auch die Gefängniswächter: Der Untersuchungshäftling bahnte sich seinen Weg in die neue Freiheit, ohne Gewalt anzuwenden. Wie dem Mann die Flucht genau gelang, darüber schweigt sich die Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID) aber aus. «Wir wollen keine Nachahmungstäter», sagt Mediensprecher Adrian Baumgartner. Klar ist, dass sich die SID der Frage stellen muss, ob die provisorischen Container Sicherheitsmängel aufweisen. Schliesslich ist es im Kanton Baselland der erste Gefängnis-Ausbruch seit vielen Jahren.

Seit Februar stehen zehn Gefängniscontainer in Liestal, weil die Gefängnisse in Baselland an ihre Kapazitätsgrenzen gestossen sind. Die Übergangslösung währt bis Ende Mai, wenn das neue Strafjustizzentrum mit 47 zusätzlichen Haftplätzen in Muttenz bezugsbereit ist. Die Zellen-Container befinden sich in einer abgeschlossenen Halle; der Mann musste daher zwei Schranken überwinden.

Im Sinne einer Sofortmassnahme wird bei den Containern zunächst nochmals die Polizeipräsenz erhöht, wie Baumgartner sagt. Der Container, aus welchem dem Häftling die Flucht gelang, ist derzeit ausser Betrieb. Ob es darüber hinaus aber noch weitere Massnahmen brauche, werde noch analysiert. «Natürlich passen wir auf, dass nicht nochmals genau so eine Flucht gelingt», sagt Adrian Baumgartner.

Verfahren ist sowieso im Eimer

Eine sofort eingeleitete internationale Fahndung blieb bis Dienstagnachmittag erfolglos. So mied der Entflohene auch die Spitäler: Die Sicherheitsdirektion hatte in Kenntnis der Verletzung des Mannes die regionalen Krankenhäuser informiert. «Wir haben keine Ahnung, wo er sich befindet und ob er sich in der Region oder mittlerweile im Ausland befindet», sagt der SID-Sprecher. Und selbst wenn der Gesuchte je wieder in die Fänge der Baselbieter Justiz kommen sollte, werde eine Weiterführung des Verfahrens schwierig, wie Baumgartner einräumt. «Es besteht die Gefahr, dass er Beweise aus der Welt schafft und sogar mögliche Zeugen bedroht.»

Wie gross die Gefahr ist, die vom Entflohenen ausgeht, lässt sich nicht genau sagen. «Ich kann dazu nur so viel sagen: Er hat viel kriminelle Energie in den Gefängnisausbruch gesteckt», so Baumgartner. «Sollte ihm jemand über den Weg laufen, dann sollte er die Polizei anrufen - und nicht etwa den Helden markieren.»

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