Meilen

Kinderschänder gesteht erneute Übergriffe auf Buben – 7,5 Jahre Freiheitsstrafe gefordert

Auch die Tochter des Täters wurde zum Ziel sexueller Übergriffe. (Archivbild)

Auch die Tochter des Täters wurde zum Ziel sexueller Übergriffe. (Archivbild)

Ein verurteilter Pädophiler stand in Meilen vor Gericht, weil er erneut Kinder missbraucht hat. Auch den Sohn seiner Lebenspartnerin.

Er spricht von den Büchern der 1968er-Jahre, von denen er gelernt habe, dass sexuelle Handlungen mit Kindern nicht schädlich seien, wenn die Initiative von den Kindern ausgehe. Oder davon, dass er einem Tätigkeitsverbot mit Kindern zustimmen würde, dann würde auch nichts mehr passieren. Passiert ist aber etwas: Der 54-Jährige steht wegen sexueller Handlungen mit drei Kindern vor dem Bezirksgericht Meilen.
Einen Buben hat er kennen gelernt, als er für eine reformierte Kirchgemeinde im Bezirk Meilen tätig war. Ab Herbst 2018 arbeitete er dort, im März 2019 wurde er verhaftet. Die Arbeitgeberin hat ihn daraufhin sofort entlassen. In seiner Funktion hatte er, der ursprünglich eine Ausbildung als Animator gemacht hat, keinen direkten Kontakt mit Kindern. Die Kirchgemeinde hat darum keinen Strafregisterauszug verlangt, wie diese Zeitung erfahren hat.

Im Strafregister wäre einiges zu sehen gewesen: Schon dreimal wurde der Schweizer wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt. Alle drei liegen schon länger zurück. Er habe seinen Drang lange Zeit im Griff gehabt, behauptet er. Doch dann habe er diesen Knaben in der Kirche angesprochen. Er wurde zur Vertrauensperson. Die Staatsanwältin spricht von einem Vaterersatz. Mehrfach kam es zu sexuellen Übergriffen im privaten Bereich.

Schon früher verging er sich am Sohn seiner Lebenspartnerin. Nicht zuletzt soll er auch die eigene Tochter in unzüchtige Spiele verwickelt haben. Letzteres bestreitet er insoweit, als keine sexuelle Absicht dahinter gewesen sei. Während eines Spiels habe sie kurz seinen Penis angefasst. Das Mädchen hat in der Untersuchung von viel mehr Vorfällen gesprochen. Seine Neigung beschränke sich jedoch auf Buben, sagt der Beschuldigte. Die Übergriffe auf die beiden Knaben gibt er denn auch zu.

Aus heutiger Sicht und nach Gesprächen mit dem Therapeuten, seinem Verteidiger und seiner Frau sehe er, dass er falsch gehandelt habe. Schwer erträglich ist für die Zuhörer, wie er die Übergriffe erklärt. Der Bub, den er in der Kirche angesprochen hat, sei aktiv geworden. «Aus Fahrlässigkeit» habe er dem kein Ende gesetzt und schliesslich die Kontrolle verloren. Er hätte reagieren müssen, sei aber von seinen Gefühlen übermannt worden. Zwang habe er nie ausgeübt. Was geschehen ist, tue ihm «mega leid».

Staatsanwältin fordert eine Verwahrung

Seine damalige Sicht auf die Dinge zeigt ein Aufklärungsbuch, das er dem Buben gezeigt hat. Es ist längst auf dem Index gelandet, weil es unter anderem explizite Bilder oder Kinder bei sexuellen Handlungen zeigt. Der Gerichtspräsident hält dem 54-Jährigen vor, dass er sich als Opfer darstellt und anderen, etwa der Mutter des Jungen, Schuld zuweist. Diese hätte ihm einen Riegel schieben sollen.
Der Beschuldigte sagt, er nehme seine Verantwortung heute wahr, auch im Fall des Sohnes der Lebenspartnerin. Er gibt etwa zehn Übergriffe auf ihn zu. Als der Bub nicht mehr wollte, habe er aufgehört. Der Gutachter sieht ein erhebliches Rückfallrisiko. Der Beschuldigte verteidigt sich damit, dass er längere Zeit seine Triebe unter Kontrolle gehabt habe. Einer Therapie stimme er zu.

Die Staatsanwältin fordert für ihn eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren, eine ordentliche Verwahrung sowie ein lebenslanges Tätigkeitsverbot mit Kindern. Die Opfer seien in emotionaler und sozialer Abhängigkeit gewesen. Sie hatten keine Bezugspersonen oder konnten diesen nichts sagen, weil er sie durch Druck zum Schweigen verpflichtet habe. Trotz einer deliktorientierten Therapie ist der Mann erneut übergriffig geworden. Die Wahrscheinlichkeit für weiteren Missbrauch sei erheblich, die Verwahrung angemessen. Die lange Freiheitsstrafe ergebe sich aus der Vielzahl der Taten.

Der Verteidiger des Beschuldigten fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten bei einer Probezeit von fünf Jahren, eine Therapie und ein Tätigkeitsverbot mit Kindern. Ohne die Taten verharmlosen zu wollen, gebe es doch deutlich schlimmere Übergriffe, so der Verteidiger. Er schlägt eine medikamentöse Behandlung seines pädophilen Mandanten vor. Eine Verwahrung sei unverhältnismässig. In seinem Schlusswort bittet der Beschuldigte die anwesende Mutter eines Opfers um Entschuldigung, ebenso wie alle Opfer. «Ich mache mir grosse Vorwürfe, es tut mir wirklich sehr leid», sagt er unter Tränen. Das Gericht wird das Urteil zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

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