Bremgarten

Schulleiter nach Badeunfall: «Ein solcher Fall ist für Lehrer der ultimative Gau»

Schulleiter Louis Isenmann zeigt sich tief betroffen von dem Badeunfall

Schulleiter Louis Isenmann zeigt sich tief betroffen von dem Badeunfall

Auch 24 Stunden nach dem Badeunfall in der Reuss bei Bremgarten gibt es keine Hinweise zum Verbleib des vermissten 14-Jährigen. Derweil stehen viele Fragen zu Verantwortung und Sicherheit der Schulklasse im Raum.

Gestern kurz vor 16 Uhr brach die Kantonspolizei mithilfe der Armee die Suche auf der Reuss ab. Auch mehrere Tauchgänge von Armeetauchern blieben erfolglos.

Die Hoffnung, den 14-jährigen Buben lebend zu finden, schwindet von Minute zu Minute. Noch immer gibt es keine Hinweise zum Verbleib des Jugendlichen.

Am Dienstag suchte die Kantonspolizei das Reuss-Ufer von Bremgarten bis nach Mellingen ab. Zudem wurde ein Boot, das die Kantonspolizei Aargau auf dem Hallwilersee besitzt, nach Bremgarten verschoben, um die Suche auf dem Wasser fortzusetzen. Die Suche unter Wasser mit Armeetauchern wurde jedoch frühzeitig eingestellt.

Auch 24 Stunden nach dem tragischen Badeunglück von Bremgarten fehlt jede Spur des vermissten Schülers

Auch 24 Stunden nach dem tragischen Badeunglück von Bremgarten fehlt jede Spur des vermissten Schülers

«Schwammige» Richtlinien

Derweil stehen viele Fragen zur Verantwortung und Sicherheit der Schüler im Raum. Warum etwa war der Reallehrer alleine als erwachsene Aufsichtsperson mit der Schulklasse an einem Gewässer?

Gesetzliche Grundlagen des Departements für Bildung, Kultur und Sport (BKS) gibt es hierfür keine. Das BKS hat im Nachgang zum Schwimmunfall im Jahr 2007 in Brugg lediglich aktualisierte Richtlinien veröffentlicht.

Diese sind unter Lehrern jedoch stark umstritten. Lehrer bezeichnen diese als «schwammig». Auch Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauer Lehrerverbandes, kämpft für die Sicherheit der Schüler – jedoch auch für die Sicherheit der Lehrer: «Es darf nicht sein, dass sich Lehrpersonen wegen der Verantwortung vor dem Schwimmunterricht fürchten.»

Das BKS empfiehlt den Schulen, bei Schwimmunterricht «gute Schwimmer» einzusetzen. «Gute Schwimmer» sind laut BKS Lehrpersonen, die bis Ende ihrer Ausbildung 400 Meter Freistil-Schwimmen und 12 Meter Tauchen können, den Sprung vom 1-Meter-Brett schaffen sowie zu 25 Meter Rettungs- und Transportschwimmen fähig sind. Verbindlich sind diese Richtlinien jedoch nicht. «Es sind Empfehlungen», sagte Sascha Giger, BKS-Sprecherin, im April diesen Jahres.

Nicht über acht Personen pro Aufsichtsperson

Auch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft hat längst Richtlinien veröffentlicht. Sie empfiehlt, dass bei einem Schulausflug an und ins Wasser bis zur Kategorie Wildwasser II (die Reuss bei Bremgarten hat Kategorie Wildwasser I) eine maximale Gruppengrösse von acht Schülern pro Aufsichtsperson nicht überschritten werden sollte.

Der Reallehrer der betroffenen Schulklasse der Kreisschule Mutschellen war jedoch mit 12 Schülern am Reuss-Ufer vor Ort.

Dem Lehrer gehts «sehr schlecht»

Die Kreisschule Mutschellen will zu den Richtlinien im Zusammenhang mit dem Badeunfall keine Stellung beziehen. Warum der Lehrer keine zweite Aufsichtsperson beizog, ist weiterhin unklar. «Ich konnte aus Zeitgründen mit dem betroffenen Lehrer noch nicht über offene Fragen und seinen konkreten Schulplänen vom vergangenen Montag sprechen», sagt Schulleiter Louis Isenmann.

Er wisse auch nicht, ob der Lehrer über ein Brevet verfügt. Es gehe dem Lehrer derzeit «sehr schlecht», befinde sich zur Betreuung aber in der Schule.

«Ein solcher Fall ist der ultimative Gau für einen Lehrer», versucht Isenmann die Situation des Lehrers einzustufen. Die Schule würde alles erdenklich Mögliche unternehmen, dass sich alle Beteiligten den Umständen entsprechend wohl fühlen würden. In der Schule stünden Schulpsychologen sowie ein Care-Team im Einsatz, so Isenmann.

Die Kantonspolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Lesen Sie hier die Empfehlungen des Departements für Bildung, Kultur und Sport für den Schwimmunterricht an der Aargauer Volksschule:

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